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23.09.2011

10:35 Uhr

Connellys Corner

Mädels an die Arbeit!

VonAnne Connelly

Das Scheidungsrecht verpflichtet Alleinerziehende künftig dazu, selbst mehr Geld zu verdienen.  Gut so, meint Anne Connelly.

Anne Connelly – Connellys Corner. Anne Connelly ist eine Pionierin der Investmentfondsbranche.

Anne Connelly – Connellys Corner. Anne Connelly ist eine Pionierin der Investmentfondsbranche.

Jetzt haben wir es höchstrichterlich: Alleinerziehende mit kleinen Kindern sind quasi zur Vollzeittätigkeit nach einer Scheidung verpflichtet, da der nacheheliche Unterhalt wegfällt. Das ist ein Weckruf - vor allem für Frauen.

Ein jüngst veröffentlichtes und richtungweisendes BGH Urteil ist die neueste und brisanteste Auslegung des aktuellen  Scheidungsrechts. Die Kindesunterhaltszahlung bleibt unangetastet. Neu ist, dass es dem ehemaligen Ehepartner einen Anspruch auf nachehelichen Unterhalt versagt, trotz der Versorgung eines Kleinkindes. Es unterstellt, dass kleine Kinder heute in Krippen oder Ganztagsschulen gut versorgt werden können.

Lassen wir die Machbarkeit angesichts der mangelnden Verfügbarkeit solcher Betreuungsplätze  in einzelnen Gebieten mal außen vor. Schauen wir uns die Tragweite dieses Urteils an.  In Deutschland sind die meisten Alleinerziehenden weiblich. Es ist ein Weckruf: Mädels, an die Arbeit! Selbst ist die Frau. Vorbilder gibt es in der Politik:  eine  Bundeskanzlerin, gebärende Ministerinnen und Politikerinnen, drei Ministerpräsidentinnen. In der Wirtschaft besteht noch Nachholbedarf. Die drohende Frauenquote braucht mehr willige Frauen. Mädels, traut Euch! Schluss mit 400 Euro Jobs, von denen frau sich kaum eine Handtasche und ein paar Schuhe leisten kann. Im Zeitalter der Gleichberechtigung sollten wir  gleichberechtigt zur Finanzierung des ehelichen Lebensunterhalts beitragen dürfen und müssen es nun auch.

Diese Realität verlangt von vielen  Männern und Frauen hierzulande ein notwendiges Umdenken.   Verheiratete Paare mit Kindern müssen gut abwägen, für welches Betreuungsmodel sie sich entscheiden. Wählt ein Paar das traditionelle Betreuungsmodell,  sprich ein Ehepartner (und das muss nicht zwangsläufig die Frau sein) versorgt primär die Kinder und entsagt einer beruflichen Karriere, dann bedarf es eines Ehevertrages. Damit sollten sich nacheheliche Ansprüche regeln lassen.  Dann braucht es später keinen Richter.

Anne Connelly ist Marketingdirektorin Europa von Morningstar. Bevor sie 2001 zu dem internationalen Researchhaus wechselte war sie unter anderem bei der Fondsgesellschaft Pioneer Investments in verschieden Positionen tätig.

Kommentare (6)

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HakanDeniz

07.10.2011, 13:24 Uhr

Die Texte von Frau Connelly sind aktuell, gut zu lesen und laden ein, auch mal über andere Themen nachzudenken.
Klasse!!!!!!!!!! Grüße, Hakan

kuchenteig

08.10.2011, 09:54 Uhr

Da können sich die alleinerziehenden Damen gerne die alleinerziehenden Männer zum Vorbild nehmen. Die müssen nämlich Kinderbetreuung und Vollzeitjob in der Regel immer unter einen Hut bringen. Und die schaffen das auch - ohne zu jammern. Es ist langsam an der Zeit, dass den Damen der Urlaub auf Lebenszeit auf Kosten der Männer mal etwas "unschmackhaft" gemacht wird.

trottellumme

09.10.2011, 12:42 Uhr

Der Beitrag ist an Oberflächlichkeit kaum zu überbieten.
Erstens kann das Thema fehlende Betreuungsmöglichkeiten leider nicht aussen vor gelassen werden.
Man möge mir erklären, wie bei Oeffnungszeiten von Kindergaerten oder Krippen von zehn bis zwoelf und zwei zu vier eine Berufstätigkeit der Frau, welche ueber einen 400 eUR job hinausgeht, moeglich sein soll.
Hat sie nun in dieser Phase "zurueckgesteckt", so wird sie anschliessend doppelt bestraft: mangels Abwesenheit vom Arbeitsmarkt wird sie wohl nicht so schnell eine Stelle mehr finden . Jeder weiss, dass ein Jahr arbeitslosigkeit die Jobchancen bereits erheblich verschlechtern. Und jetzt , was passiert wohl bei drei Jahren... ?
Und weiter: Nicht jeder Mann versteht, dass man auf Abschluss eines Ehevertrages besteht. JEtzt mal ganz erhlich: wie kommt denn diese Botschaft an "ich heirate dich, aber falls wir uns scheiden, moechte ich Ehegattenunterhalt...?" Da zweifelt doch dann jeder am guten Willen....

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