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21.10.2011

08:34 Uhr

Connellys Corner

Schluss mit Quotentanz

VonAnne Connelly

Die unsägliche Diskussion über eine Frauenquote sollte beendet werden. Es müssen endlich Fakten her. Wir brauchen eine Quotenregelung.

Anne Connelly – Connellys Corner. Anne Connelly ist eine Pionierin der Investmentfondsbranche.

Anne Connelly – Connellys Corner. Anne Connelly ist eine Pionierin der Investmentfondsbranche.

Was ein Eiertanz, um endlich mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Nun haben wir dafür eine individuelle Zielsetzung der 30 Dax-Konzerne, die allerdings nicht für Aufsichtsräte und Vorstände gilt. Somit bleiben die eigentlichen Machtzentren außen vor und die „good old boys“ unter sich. Die Einhaltung der Ziele soll aufgrund des Öffentlichkeitsdrucks gewährleistet werden. Geht's noch eine Spur lächerlicher? Ohne spürbaren gesetzlichen Zwang ist es ein Leichtes, sich wieder herauszureden. Und eine geplante Strafzahlung lässt sich zu leicht verschmerzen.
Die selbstgesteckten Ziele der Unternehmen sind meines Erachtens keine geeigneten Maßstäbe. Es sind Vorgaben, die die Unternehmen für gut machbar halten. Das bedeutet, es geht noch viel mehr. Die Messlatte muss höher gelegt werden, dann werden die Anstrengungen ernsthafter. Dies geht nur mit einer gesetzlichen Quote.
Um was es wirklich geht ist ein wahrhafter Sinneswandel in unserer Gesellschaft. Künftig gilt es, Frauen gezielt auf Führungspositionen anzusprechen, sie aufzufordern und zu ermutigen, sich der Aufgabe zu stellen. Wir brauchen mehr weibliche Vorbilder, die Mädchen zeigen, dass Kind und Karriere machbar sind. Dies hat auf mich nachhaltig gewirkt, als ich dies während meiner beruflichen Anfänge in den USA mit Erstaunen gesehen habe. Es hat mich ermutigt, das gleiche zu wagen und ein erfüllteres Leben zu führen. Nebenbei lässt sich unser demographisches Problem der geringen Geburtenrate hierzulande besser in den Griff bekommen.
Das oft zitierte wichtige Qualifikationsmerkmal bei der Suche nach der geeigneten Positionsbesetzung ist scheinheilig. Der angesehene Telekom-Vorstand Sattelberger stellt in einem Interview fest, dass "Karrieren beim Pinkeln gemacht werden". Zugegeben, es herrscht ein Mangel an weiblichen Experten, vor allem in technischen Berufen. Dieser Fachkräftemangel ist aber geschlechtsneutral. Es ist Zeit, innovativ zu werden, nachzubessern. Firmen können bei der fachlicher Qualifikation aktiv durch eigene oder externe Programme nachbessern. Eine höhere Akzeptanz von Seiteneinsteigern und Menschen mit unorthodoxen Lebensläufen ist angebracht, nicht Nase rümpfen! Unsere exportstarke Nation profitiert von der bunten weiten Welt. Sie ist aber nicht bereit, eine buntere Arbeitswelt zu akzeptieren.
Die Ängste vieler Männer, selbst diskriminiert zu werden, ist nur auf den ersten Blick verständlich. Wenn Frauen in Führungspositionen selbstverständlich sind, nimmt es den Druck von Männern, Karriere machen zu müssen, um sozial angesehen zu sein. Es bietet viel mehr Gestaltungsspielraum bei der Lebensplanung beider Geschlechter. Es erlaubt Paaren ihre jeweiligen Stärken gezielt zu nutzen. Wenn Männer sich für eine aktive Vaterrolle entscheiden und das Geldverdienen ihren Frauen überlassen, sollte dies eine persönliche Entscheidung sein. Diese gilt es zu respektieren und nicht zu belächeln. Das Selbstwertgefühl intelligenter Männer sollte sich nicht über eine Visitenkarte definieren müssen.
Ach ja, und vergessen wir nicht die ungeliebte Quotenfrau. So what! Im Job gilt es sich zu beweisen. Das gilt für alle. Wenn wir erst mal soweit sind, neben den Anzugträgern Kostümträgerinnen zu akzeptieren, dann entfällt die unsägliche Quotendiskussion. Und wir konzentrieren uns auf die wesentlichen Dinge beim Tanz durch das Leben.

Anne Connelly ist Marketingdirektorin Europa von Morningstar. Bevor sie 2001 zu dem internationalen Researchhaus wechselte war sie unter anderem bei der Fondsgesellschaft Pioneer Investments in verschieden Positionen tätig.

Kommentare (6)

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Kuchenteig

21.10.2011, 18:16 Uhr

Ich kann dieses Frauengejammere mittlerweile nicht mehr hören. Wer hindert denn Frauen bitte daran, Karriere zu machen oder Führungspositionen zu besetzen? Niemand! Wir brauchen keine Frauenquoten, sondern Frauen, die Führungspositionen anstreben wollen und auch aktiv anstreben. Daran fehlt es! Das ist natürlich nicht so attraktiv. Warum sich abmühen, wenn frau auch zuhause bleiben und sich ein schönes Leben machen kann - auf Kosten des Ehemannes oder des Staates. Der Artikel spiegelt das typisch weibliche Prinzessinnengehabe wieder, die Damen müßten eigentlich nichts selbst tun, sondern "gezielt angesprochen" oder motiviert werden. So wird das natürlich nichts. Das funktionierte vielleicht in der Disco, wo die Mädchen in der Ecke standen und darauf warteten, vom Ritter auf dem weißen Pferd angesprochen zu werden. Irgendwann sollte frau aus der Pubertät herauswachsen. Als Mann kann ich auch nicht darauf warten, "angesprochen" zu werden, da muß ich handeln, Engagement zeigen, Leistung bringen. Wie viel Förderung braucht es eigentlich noch, bis Frauen sich den Hintern mal alleine abwischen können? Die Frauenquote zementiert diese Geisteshaltung lediglich und führt dazu, dass Frauen das Leben nur noch als einzige Komfortzone begreifen. Es wird langsam Zeit, dass Frauen die Windeln ausziehen. Wer nur als Quotenfrau Karriere macht und nur im Rahmen von Förderungsprogrammen vorangeschoben wird, kann nicht erwarten, im Leben ernst genommen zu werden.

Benjamin

22.10.2011, 08:27 Uhr

Ich muss widersprechen. Wer Unternehmen vorschreibt, wie sie ihre Positionen zu besetzen haben, der greift in die Privatautonomie ein. Nicht alles, was die Politik gestalten kann muss sie auch gestalten. Wenn die Aktionäre/Anteilseigner vertreten durch Aufsichtsrat und Vorstand es für richtig halten, nur Männer mit braunen Augen zu beschäftigen dann ist die Entscheidung zu respektieren. Wenn die Entscheidung auf rothaarige Frauen fällt, ebenso. Es wird brandgefährlich, wenn die Gesellschaft und die Politik meint, bessere Personalentscheidungen als die Unternehmen treffen zu können.

mmn

23.10.2011, 11:30 Uhr

Wenn die Frauen in Unternehmen derart eingeschränkt werden - warum gründen dann nicht mehr Frauen ein Unternehmen?

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