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11.01.2008

11:11 Uhr

Countrywide in Übernahmegesprächen

Riskante Rettung

VonAntony Currie (breakingviews.com)

Ist Countrywide ein Drittel des Buchwerts wert? Anscheinend sind die Investoren der Meinung, dass dies der Preis ist, den die Bank of Amerika für den ins Trudeln geratenen Immobilienfinanzierer zahlen könnte. Das hört sich zunächst wie ein Schnäppchen an. Doch es ist gar nicht schwer vorstellbar, dass Countrywide über acht Mrd. Dollar seines Buchwerts verliert. Dann würde Bank of America auf einem Verlust sitzen bleiben.

Der Chef von Countrywide, Angelo Mozilo, könnte die bevorstehende harte Landung des US-Immobilienfinanzierers abfedern, indem er das Unternehmen für fünf Mrd. Dollar an die Bank of America (BofA) verkauft. Zumindest scheinen die Investoren davon auszugehen, dass dies in etwa der Preis ist, den die größte Bank Amerikas für den belagerten Finanzierer zahlen könnte, geht man von der Marktreaktion auf Berichte aus, die beiden Unternehmen stünden in Gesprächen.

Das wäre für den ewig sonnengebräunten Mozilo weit besser als eine Pleite - darum rankte sich nämlich das zweite Gerücht, das in dieser Woche umging. Und bei gerade einmal einem Drittel des für das dritte Quartal ausgewiesenen Buchwerts den Marktpreis zu zahlen, klingt in der Tat lächerlich billig für BofA. Aber ist Countrywide das wert?

Sicher ist das Geschäft noch nicht völlig wertlos. Trotz seiner Schwierigkeiten hat Countrywide es geschafft, im vierten Quartal Hypothekendarlehen über 69 Mrd. Dollar herauszulegen. Diese Kredite waren allerdings nicht so lukrativ wie die Subprime-, Alt-A- und Jumbo-Darlehen, die Countrywide in der Vergangenheit getätigt hat, da fast alle den strengeren Kreditkriterien entsprachen, die für einen Weiterverkauf an Fannie Mae und Freddie Mac erforderlich sind. Aber der Bereich Hypothekenabwicklung ist mit Krediten über 1,5 Bill. Dollar einer der größten und er ist nützlich, wenn man einige der Gewinne, die durch das gesunkene Kreditvolumen verloren gegangen sind, mit stabileren Gebühreneinnahmen ausgleichen will.

Sich dies alles für fünf Mrd. Dollar einzuverleiben, könnte ein Schnäppchen sein. BofA wäre dann für eine spätere Erholung des Immobilienmarkts gerüstet und könnte vielleicht sogar noch einige Synergien ausfindig machen, wenn sie Countrywide mit ihrer eigenen Hypothekenplattform zusammenlegt. Die Gefahr lauert anderswo: Es ist nicht schwer vorstellbar, dass die Hypothekenverluste von Countrywide mehr als acht Mrd. Dollar betragen - das ist die Differenz zwischen dem derzeitigen Marktwert und dem Buchwert der Bank.

Schließlich hatte der Finanzierer per Ende Juni Kredite auf Eigenheime mit besserer Bonität über 22 Mrd. Dollar im Portfolio, deren Ausfallquote weit über dem Durchschnitt der Branche lag. Ein Drittel von ihnen lief aber auf Immobilien, die zu mindestens 90 Prozent mit Fremdkapital finanziert waren. Das ist schon fast Subprime-Territorium. Wenn alle ausfallen, würde das dem Buchwert Verluste über sieben Mrd. Dollar bescheren. Countrywide fügte im dritten Quartal weitere Kredite dieser Art über zehn Mrd. Dollar hinzu. In einem Umfeld der drohenden Rezession kann man sich unschwer zusätzliche Kreditverluste über eine Mrd. Dollar vorstellen.

Natürlich ist das Einschätzen der Risiken im Kreditbuch von Countrywide Teil der Sorgfaltsprüfung. Aber selbst sie kann nicht ganz genau einkalkulieren, wie schlimm genau die Flaute auf dem Häusermarkt ausfällt, wenn, wie viele das erwarten, die US-Wirtschaft in den kommenden Monaten in die Rezession abrutscht. Wenn die BofA falsch liegt, könnte es so aussehen, als hätte man ihr die Taschen ausgeräumt.

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