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15.01.2010

12:15 Uhr

CSN/Cimpor

Noch eine Kelle mehr

VonFiona Maharg-Bravo (breakingviews.com)

Das unerwünschte Übernahmegebot der brasilianischen Stahlfirma CSN für Cimpor hat einen zweiten Werber aus Brasilien auf den Plan gerufen. Die Baugruppe Camargo Correa hat vage Pläne vorgelegt, eine Minderheitsbeteiligung am größten portugiesischen Zementhersteller kaufen zu wollen. Aber der Plan mit möglichen Synergien, der mit Wohlwollen aufgenommen wird, könnte CSN zu Nachbesserungen zwingen.

Wenn es darum geht, die Zukunft der brasilianischen Zementindustrie auszufechten, dann ist Portugal nicht gerade der nächstliegende Austragungsort für diese Kämpfe. Allerdings wollen sich zwei führende brasilianische Unternehmen an den größten portugiesischen Zementhersteller Cimpor heranpirschen. Denn Cimpor ist gleichzeitig der viertgrößte Akteur in Brasilien und dort wird im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und der Olympischen Spiele im Jahr 2016 der Bedarf an Zement hoch sein.

Eine unerwünschte Übernahmeofferte für die 4,3 Mrd. Euro schwere Gesellschaft durch den Stahlhersteller CSN wurde bereits abgewiesen. Jetzt hat der Baukonzern Grupo Camargo Correa ein komplizierteres Gebot vorgelegt.

Der Plan von Camargo ist vage und im Wert schwer einzuschätzen, da er eine Fusion der brasilianischen Zementbereiche des Unternehmens mit Cimpor vorsieht, den Erwerb von 15 bis 25 Prozent der Aktien von bestehenden Aktionären und eine einmalige Ausschüttung von 350 Mill. Euro an die Cimpor-Aktionäre. Camargo würde letztendlich knapp unter einem Mehrheitsanteil bleiben.

Wie attraktiv das Vorhaben ist, hängt vorwiegend davon ab, wie viel das Zementgeschäft von Camargo wert ist. Doch das ist schwer einzuschätzen, da keine detaillierten Ergebnisse offen gelegt werden. Banker gehen jedoch davon aus, dass das Geschäft rund 25 Prozent des erweiterten Kapitals von Cimpor wert sein könnte. Dazu kommt noch das Potential an Synergien aus der Zusammenlegung der beiden brasilianischen Bereiche. Die Verbundeffekte könnten es Camargo gestatten, sich großzügiger zu geben als CSN, die derzeit nur geringfügig im Zementsektor engagiert ist.

Möglicherweise hat das Interesse von CSN an Cimpor Camargo nervös gemacht. Ein Stahlproduzent, der bereit war, ein unerwünschtes und feindliches Gebot vorzulegen, könnte ein aggressiver Konkurrent in einem lukrativen Markt sein. Aber der offenbar willkommenere Vorstoß von Camargo - nach Angaben von Cimpor wird er sorgfältig geprüft - stellt sicherlich eine Herausforderung für CSN dar. Das Unternehmen wird zumindest mehr bieten müssen, um Cimpor zu Verhandlungen zu bewegen. Seine anfänglich so angriffslustige Vorgehensweise könnte sich letztendlich als kostspielig erweisen.

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