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08.01.2009

11:11 Uhr

Das Merckle-Imperium

Merckle: Niedergang und Fall

VonJohn Foley, breakingviews.com

Der Selbstmord des schwäbischen Milliardärs Adolf Merckle, der auf die wirtschaftliche Notlage seiner Firmen zurückgeführt wurde, wirft eine Frage auf: Wie konnte ein Mann mit Vermögenswerten über sieben Mrd. Euro an einem Kredit über lediglich 400 Mill. Euro zugrunde gehen? Eine Doppelwette auf Unternehmensaktien könnte eine Ursache sein – zusammen mit der Schwierigkeit, Vermögenswerte zu Geld zu machen.

Wie kann ein Milliarden schwerer Mann an nur 400 Mill. Euro zugrunde gehen? Das ist eine Frage, die sich nach dem Selbstmord von Adolf Merckle stellt. Der schwäbische Unternehmer, der in der jährlichen Liste der reichsten Menschen der Welt des Magazins "Forbes" vom Mai mit einem geschätzten Vermögen von sieben Mrd. Euro geführt wird, starb, während sein Firmenimperium mit den Banken um einen Notkredit über 400 Mill. Euro rang, mit dem seine Gläubiger ruhig gestellt werden sollten. Der Kredit wurde gewährt - aber die Frage bleibt. Hier sind drei mögliche Gründe, warum sich die Lage so schnell so dramatisch zuspitzte.

Zunächst einmal hatte das Merckle-Imperium während der Marktflaute 2008 drastisch an Wert verloren. Der maßgebliche Vermögenswert der Familie bestand in einer 80prozentigen Beteiligung an HeidelbergCement, die im Mai noch bei elf Mrd. Euro lag. Bis zum Jahresende war ihr Wert auf nur noch drei Mrd. Euro gefallen. Wäre nur ein Viertel des Anteils durch Kredite finanziert gewesen, wäre Merckle in den roten Zahlen gelandet. Auch sein Anteil von 57 Prozent am nicht notierten Phoenix Pharmahandel wäre in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Aktien des erbitterten Konkurrenten Celesio haben zum Vergleich seit Mai um 35 Prozent nachgegeben.

Zum zweiten scheint Merckle die Situation selbst verschärft zu haben, indem er eine Doppelwette auf HeidelbergCement abgeschlossen hat und sich Geld geliehen hat, um neu emittierte Aktien zu kaufen, die die Schuldenlast der Firma über zwölf Mrd. Euro erleichterten. In den Jahren 2007 und 2008 kaufte Merckle HeidelbergCement-Aktien über etwas mehr als eine Mrd. Euro. Nehmen wir einmal an, er hat dieses Geld geliehen und Sicherheiten über die Hälfte dieses Betrags in Form von weiteren HeidelbergCement-Papieren bereitgestellt. Dann wären seine Sicherheiten heute nur noch 150 Mill. Euro wert und die Aktien, die er mit dem Geld gekauft hatte, noch 500 Mill. Euro. Dies würde bedeuten, dass eine Lücke über 350 Mill. Euro zu füllen wäre.

Der dritte Faktor war möglicherweise ein fehlgeschlagener Handel auf VW-Aktien. Merckle setzte - wie Dutzende von Hedge Fonds - darauf, dass dem aufgeblähten Kurs des Autobauers die Luft ausgeht. Stattdessen waren die Titel im Oktober in die Höhe geschossen. Die Verluste, die Merckle dadurch erlitten hat, sind nicht offen gelegt worden, aber die Nachrichtenagentur Reuters zitierte Quellen, die die Einbußen mit 400 Mill. Euro angaben.

Das sind keine überwältigenden Beträge. Aber für Investoren in Merckles Situation besteht ein großer Unterschied zwischen Vermögenswerten und liquiden Mitteln, auf die sie Zugriff haben. Zinsaufwendungen können nicht mit Aktien beglichen werden. Wenn Vermögenswerte nicht schnell abgestoßen werden können - oder schon anderen Kapitalgebern versprochen sind - können schon wenige Millionen ausreichen, um eine Liquiditätsklemme auszulösen. Es wäre zu einfach, diese Verluste mit Merckles Tod in Verbindung zu bringen. Aber der Hebel, der durch den Einsatz von Fremdkapital entsteht, hat mit fast hundertprozentiger Sicherheit eine ohnehin prekäre Lage noch weiter verschlimmert.

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