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19.11.2013

10:31 Uhr

Der Finanzlotse

Beispielloser Siegeszug

VonHerbert Walter

Ein börsengehandelter Indexfonds auf US-Aktien ist jetzt der weltgrößte Investmentfonds und gibt dieser beliebten Anlageklasse zusätzlichen Aufwind. Doch auch bei ETFs sind Risiken und Nebenwirkungen beachtlich.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Den Medien war es zumeist nur eine kleine Meldung wert, obwohl es doch eine Sensation war: Nach fünf Jahren verlor der US-Rentenfonds „Pimco Total Return“ seinen prestigeträchtigen Platz als weltgrößter Investmentfonds.

Mit einem Vermögen von 251 Milliarden US-Dollar war der „Vanguard Total Stock Market Index Fund“ knapp drei Milliarden Dollar schwerer als der Pimco-Fonds. Hatte letzterer noch rund 22 Jahre für den Marsch an die Spitze gebraucht, schaffte das der Vanguard-Fonds in nur rund zwölf  Jahren.

Das wirklich Überraschende dabei: Der Vanguard ist ein Aktienfonds und ein so genannter ETF – ein Exchange Traded Fund, auf deutsch: Indexfonds. Anleger setzen mit ETFs nicht auf die Entwicklung einzelner Wertpapiere, sondern auf die eines Marktes, gemessen an einem Index. ETFs sind deshalb nicht aktiv gemanagte Fonds (obwohl es das inzwischen auch gibt) und sie kosten den Anleger im Vergleich zu den anderen Investmentfonds nur einen Bruchteil der Gebühren.

Das ist gerade im aktuellen Zinsumfeld und bei einer langfristigen Geldanlage ein beachtlicher Vorteil. Mit zwei bis fünf Prozent liegen die jährlichen Gebühren bei aktiv gemanagten Fonds um das Fünf- bis Zehnfache höher als bei ETFs, wobei die sonstigen Kosten wie etwa für Umschichtungen oder Gewinnbeteiligungen noch gar nicht berücksichtigt sind.

Das mag hinnehmen, wer für die höheren Kosten auch eine bessere Rendite geboten bekommt. Doch das ist nur bei einer Minderheit der Fonds der Fall, die meisten schaffen es nicht, den Markt zu schlagen.

Besonders ärgerlich ist dabei, dass viele der angeblich aktiv gemanagten Fonds in Wahrheit versteckte Indexfonds sind. Trotzdem streichen sie aber die hohen Gebühren ein. Das gilt besonders für große Fonds, die regelmäßig eine Rendite in der Nähe des Marktdurchschnitts erzielen. Die Masse des anvertrauten Geldes investieren die teuren Manager dann ohne viel Aufwand in Indexfonds und mit einem kleinen Teil betreiben sie Stock-Picking in der Hoffnung auf eine über dem Markt liegende Rendite. Da lohnt sich für den Anleger der Kauf eines ETFs allein aus Kostengründen allemal.

Kommentare (1)

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Mazi

19.11.2013, 12:10 Uhr

"Den Medien war es zumeist nur eine kleine Meldung wert, obwohl es doch eine Sensation war:"

Dass die Medien da noch nicht drauf gesprungen sind, ist wirklich erstaunlich. Gott sei Dank, dass es ihnen aufgefallen ist. ;-)

Der Zweite hat den Ersten überholt und verwaltet jetzt knapp 1 % mehr als der Andere.

Das ist, als wenn ich China ein Sack Reis umfällt.

Beachtlicher ist vielmehr, dass Anleger die Risiken breiter streuen und nicht mehr bereit sind, Kosten für "Berater" zahlen, die ihrerseits die Vorgaben der jeweiligen Vorstände und nicht den Anlagebedarf des Kunden im Auge haben.

Herr Walter, dass dem heute so ist, dafür zeichnen Sie noch mitverantwortlich. Das muss Ihnen doch zu denken geben. Oder?

Nicht desto trotz, sie verstecken sich nicht und machen auf die Veränderungen aufmerksam. Das rechne ich Ihnen bei aller Kritik hoch an. Ich weiß auch, dass Sie nicht der typische Vertreter für die sind, die ich oben angegriffen habe.

Wollen sich die "Banken" retten, muss es ein Umdenken geben. Eine Denke seitens des Vorstands, die strategischen Vorgaben so zu machen, dass der eigene Bonus maximiert wird, ist nicht mehr angesagt.

25 % Rendite, egal was es kostet, war schon eine Vorgabe, die Bände sprach. Und es war eine Vorgabe, die jeder in den Medien lesen konnte - auch die Aufsichtsbehörden. Man hätte von dort auch einmal nachfragen können, wie man dies bewerkstelligen wolle. Dies heute vor Gerichten zwischen Anlegern und Bank auszutragen, ist wohl aus aufsichtsrechtlicher Sicht zwar bequem aber sachlich in deren Aufgabenverständnis naiv.

Da gehört ein Untersuchungsausschuss her.

Wir brauchen eine Bankenaufsicht seitens der Kapitalgeber. Eine Institution wie die Schufa, die von den Banken geschaffen wurde.

Es haben nicht nur die Banken und Versicherungen einen Vertrauensverlust erlitten, sondern auch deren Aufsicht.

Ist dies wieder bereinigt, besteht die Chance, ein Vertrauensverhältnis neu aufzubauen.

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