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18.03.2014

13:57 Uhr

Der Finanzlotse

Blasen platzen plötzlich

VonHerbert Walter

Läuft die Börse prächtig, will niemand so schnell etwas von einem möglichen Absturz wissen. Doch die aktuelle Jagd nach besseren Dividendentiteln kann in ein gefährliches Fahrwasser führen.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Just zum Höhepunkt der New Economy erschienen 1999 in den USA drei Bücher mit einem fast gleichlautenden Titel: „Dow at 36.000“, Dow at 40.000“, Dow at 100.000“. Nicht einmal ein halbes Jahr später platzte die Blase und der Dow landete in den nächsten drei Jahren bei Kursen unter 8000 Punkten. Solche Beispiele ließen sich fast in beliebiger Zahl aufzählen, sie gehören zur Börsengeschichte und beleben jedes Stammtischgespräch.

Nur allzu leicht wird vergessen, dass an der Börse Erwartungen gehandelt werden, die sich logischerweise auch als falsch herausstellen können. Aber das will im Aufschwung niemand wissen und Mahner vor überzogenen Erwartungen werden als Schwarzseher oder Miesmacher abgestempelt.

Was auch immer vergessen wird: Es gibt keine amtliche Instanz, die vor übertriebenen Erwartungen, vor Blasenbildungen an den Vermögensmärkten warnt und rechtzeitig Maßnahmen dagegen ergreift.

Im Gegenteil: Notenbanken, Aufsichtsbehörden und erst recht die Akteure an den Vermögensmärkten gehören überwiegend zu denjenigen, die krisenhafte Entwicklungen eher abwiegeln. Sie wollen mit ihren Äußerungen entweder nicht verantwortlich für eine Trendwende sein, sie sind geschäftlich nicht an einem Ende einer Hausse interessiert, oder sie haben bestimmte Entwicklungen an einzelnen Märkten einfach nicht im Fokus. Die in meiner Kolumne vor einer Woche angesprochenen Protokolle des Offenmarkt-Ausschusses der US-Notenbank zeigen das deutlich.

Man kann das alles in dem uralten Börsianersatz zusammenfassen: An der Börse wird nicht geklingelt, wenn Zeit zum Ausstieg ist. Daraus kann man eigentlich nur einen Schluss ziehen. Jeder muss sich selbst darum kümmern, welches Risiko er einzugehen bereit ist. Das heißt konkret, jeder muss selbst entscheiden, ob und wie lange er einem Trend folgen will.

Ein schönes Beispiel dafür sind aktuelle Entwicklungen an den Aktienmärkten. Weil solide Zinsanlagen praktisch nichts mehr abwerfen, sind zuerst institutionelle Anleger, seit einiger Zeit aber auch stark zunehmend Privatleute, auf der Suche nach möglichst risikoarmen Anlagealternativen. Dabei sind sie auf Aktien mit einer hohen Dividendenrendite gestoßen.

Die Kurse dieser in den USA „Dividenden-Aristokraten“ genannten Aktien haben sich in den vergangenen fünf Jahren glatt verdreifacht. Diese eher als defensiv betrachteten Papiere sind damit deutlich stärker gestiegen als der Markt.

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