Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.04.2014

14:18 Uhr

Der Finanzlotse

Das zarte Pflänzchen Honorarberatung

VonHerbert Walter

Die neue Wertpapierregulierung MiFID II soll eine Art „Goldstandard“ für die Anlageberatung schaffen. Der Wunsch: Weniger Beratung auf Provisionsbasis und mehr „ehrliche“ Honorarberatung. Warum dies gutgehen könnte.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Erst wurde über viele Monate daran gefeilt, am Schluss musste dann aber alles ganz schnell gehen. Gemeint ist MiFID, die zweite. Wenige Tage vor Ostern winkte das Europaparlament die neue Wertpapierrichtlinie schließlich durch, zusammen mit drei weiteren Finanzmarktgesetzen. Allesamt sollen sie künftig den Verbraucher in Europa besser vor falscher Beratung, intransparenten Kosten und Anlagebetrug schützen.

Die neue „Markets in Financial Instruments Directive“ (MiFID II) zielt darauf, einige der Auswüchse in der Wertpapierindustrie zu regeln, die in der Finanzkrise offenkundig wurden. Neben neuen Anforderungen für Produkte, wie den Hochfrequenzhandel, den außerbörslichen Derivatehandel und spekulative Warentermingeschäfte mit Nahrungsmitteln nehmen die Regelsetzer jetzt verstärkt auch die Anlageberatung in den Blick, also die Kunden-Berater-Nahtstelle.

Kein Wunder, dass es in Finanzvertrieben hierzulande erst einmal ein Durchatmen gibt, weil der Kelch eines Provisionsverbots noch einmal an der Branche vorüberging. Beim Studium der sage und schreibe 464 Seiten langen englischen MiFID II-Textversion wird deutlich: jeder Verbraucher soll künftig wissen, wer ihm bei einer Beratung gegenüber sitzt. Ist es ein abhängiger Berater eines Finanzdienstleisters, der versteckt Provisionen für den Produktverkauf nimmt und kein breites Marktangebot bieten kann? Oder ist es ein unabhängiger Berater, der sich voll auf die Interessen des Kunden konzentrieren kann?

MiFID II soll mit der unabhängigen Anlageberatung auf Honorarbasis eine Art „Goldstandard“ für die Beratung schaffen. Wer mit der Bezeichnung „unabhängig“ am Markt auftreten will, darf seine Vergütung künftig nicht mehr von Dritten erhalten. Er muss seine Beratung gegen ein Honorar erbringen, das er mit dem Anleger vereinbart.

Und noch etwas ist dem Regulierer wichtig: Der unabhängige Berater muss eine ausreichend große Marktauswahl verschiedener Angebote daraufhin prüfen, welches für den Anleger am besten passt. Keinesfalls darf er dabei nur hauseigene Produkte oder solche von Partnerfirmen einbeziehen, will er die unabhängige Basis seiner Beratung nicht gefährden.

Nachdem das Gesetz verabschiedet ist, liegt es jetzt an den nationalen Behörden, die neuen Regeln in die Praxis umzusetzen. Die Aufseher könnten, wenn sie es denn wollten, sogar schärfere Regeln einführen, wie etwa ein generelles Provisionsverbot. Für Deutschland zeichnet sich das nicht ab, trotz der jüngsten Anlage-Skandale um Prokon, Infinus und S&K. Über alle Parteien hinweg konnte in den letzten Jahren eine politische Mehrheit dafür mobilisiert werden, mit der Beratung auf Honorarbasis eine Alternative zur Provisionsberatung zu schaffen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×