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11.02.2014

14:20 Uhr

Der Finanzlotse

Die Angst vor einem Crash

VonHerbert Walter

Mitte der 90er-Jahre begann die große Krise mit scheinbar beherrschbaren Finanzproblemen in Thailand. Erleben wir das wieder? Binnen Jahresfrist haben sich Schwellenländer vom Liebling zum Schreckgespenst gewandelt.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Wie sich das Bild geändert hat. Seit Monaten wollen die schlechten Nachrichten über Entwicklungen in den Schwellenländern einfach nicht abreißen. Medienberichte über Aufstände, (Korruptions-) Skandale, Unternehmenspleiten, taumelnde Aktienkurse und wie Senkblei fallende Währungen in Ländern wie der Türkei, Brasilien, Argentinien und Südafrika bekommen wir fast täglich zu lesen oder im Fernsehen zu sehen.

Nicht einmal China, das gelobte Land wirtschaftlicher Prosperität, konnte sich dem entziehen. Mit fast 500 Millionen US-Dollar musste vor kurzem die chinesische Schattenbank Credit Trust & Co. vor der Pleite gerettet werden. Das war Öl ins Feuer für die Kritiker des fünf Billionen US-Dollar schweren Schattenbank-Systems in China.

Wie anders war das noch vor einem Jahr. Anlagen in Schwellenländern, neudeutsch Emerging Markets, wurden als hochattraktive Alternative zu den von der Finanz- und Schuldenkrise arg gebeutelten Industrieländern gepriesen. Dort gehe die Post ab, dort würden Konjunktur und Aktienkurse steigen, dort gebe es für Unternehmen riesige Investitionschancen, lautete der allgemeine Tenor.

Tatsächlich zahlten Anleger aus den Industriestaaten von 2008 bis etwa Mitte 2013 mehr als 350 Milliarden US-Dollar allein in Fonds ein, die diese Gelder an den Aktien- und Anleihemärkten in den Schwellenländern investierten.

Wie immer in solchen euphorischen Zeiten, wurden warnende Zeichen, die es vor zwei, drei Jahren durchaus schon gab, einfach vom Tisch gefegt. Beispiel Türkei: Seit 2010 kennt der Wechselkurs der türkischen Lira nur eine Richtung – bergab. Bis zum Ende vergangenen Jahres verlor er 60 Prozent seines Wertes, allein im Januar dieses Jahres kam noch einmal ein Minus von 5 Prozent hinzu.

Mittlerweile sind die türkischen Auslandsschulden auf 340 Milliarden US-Dollar oder knapp 50 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gestiegen. 70 Prozent davon sind Schulden des Privatsektors, vor allem Verbindlichkeiten von türkischen Banken gegenüber Kreditinstituten in Großbritannien, Frankreich, Griechenland und Spanien in Höhe von mehr als 120 Milliarden US-Dollar.

Kommentare (2)

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11.02.2014, 15:46 Uhr

Kein Zweifel, die Lage der Schwellenländer ist kritisch. Bevor man jedoch Parallelen zu der Krise in den späten 90er Jahren zieht, muss man sich jedoch vor Augen halten, weswegen die Schwellenländer damals ins Taumeln geraten sind. Primär lag dies nämlich an der Koppelung der dortigen Währungen an den US-Dollar. Denn als die Fed dann 1994 begann, den Leitzins langsam aber sicher anzuheben kamen die Währungen der Schwellenländer unter Druck. Gleichzeitig bestanden aber riesige Summen an in Dollar notierten Schulden in den Schwellenländern. Problematisch war, dass diese Schulden nicht gegen Wechselkursrisiken abgesichert waren, da man sich dachte "die Währungen sind ja gekoppelt". Diese Scheinsicherheit, die durch die Koppelung erzeugt wurde, war damals das Hauptproblem. Heutzutage sind die Währungen der relevanten Schwellenländern allerdings frei handelbar, d.h. die Anpassung erfolgt sukzessive in den letzten ein-drei Jahren und nicht auf einen Schlag (wie geschildert in der Türkei). Ich stimme dem Autor also zu, dass die Wahrscheinlichkeit eines Crashs vergleichbar mit dem damals niedrig ist.

r-tiroch@t-online.de

11.02.2014, 20:04 Uhr

der Angst wird Heulen und Zähneklappern folgen. warum? weil im März der IWF eine neue Weltwährung daherbringt.

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