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25.09.2013

06:11 Uhr

Der Finanzlotse

Die Zeit drängt

VonHerbert Walter

Vor dem Start der Europäischen Bankenaufsicht sucht die EZB nach Kapitallücken in Bankbilanzen. Noch hat die Politik nicht geregelt, wie diese Lücken geschlossen werden sollen. Die Gefahr einer neuen Bankenkrise wächst.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Der lange deutsche Wahlkampf hat europapolitische Inhalte hier zu Lande stark in den Hintergrund gedrängt. Das außergewöhnliche Ergebnis und die möglicherweise komplizierte Regierungsbildung werden ihren Teil dazu beitragen, dass das noch für geraume Zeit wohl so bleiben wird.

Aber bei einigen wichtigen Weichenstellungen läuft Europa die Zeit davon. Das gilt insbesondere für die Europäische Bankenunion. Die soll voraussichtlich in rund einem Jahr etabliert sein, aber die dafür notwendigen Grundlagen sind noch längst nicht unter Dach und Fach. In der Bankenbranche selbst führt das zu blühenden Spekulationen, was bei den anstehenden Änderungen wohl alles auf sie zukommen wird.

Sie rechnet damit, dass die von der EZB angekündigte Prüfung der Qualität der Bankbilanzen (Asset Quality Review) im 1. Quartal des nächsten Jahres über die Bühne gehen soll und dann im folgenden Quartal der so genannte Stresstest für die Banken folgen wird.

Aber wie wird die EZB dabei vorgehen? Wie werden notleidende Kreditforderungen behandelt, wie restrukturierte Kredite, wie Staatsanleihen? Für all das gibt es etwa die Bilanzregeln nach IFRS oder nationale Bestimmungen, die je nach Land differieren.

Was ist, wenn Wirtschaftsprüfer – wie alljährlich im 1. Quartal – die Bücher der Banken prüfen, und zu einem anderen Ergebnis kommen, als die von der EZB entsandten Prüfer? Gilt dann das Urteil der EZB oder das Testat der Wirtschaftsprüfer?

Noch im Oktober will die EZB die Rahmenbedingungen für ihre Prüfungen bekannt geben. Aber damit ist keinesfalls entschieden, wie sich diese mit nationalen Vorschriften vertragen, und wie dabei auftretende Probleme im Einzelfall zu lösen sind.

Der Anspruch der EZB, durch ihre Prüfungen und ihre Aufsicht die Vergleichbarkeit der systemrelevanten europäischen Banken zu verbessern, ist absolut richtig. Das zu erreichen, wäre ein großer Baustein für den notwendigen Vertrauensaufbau in der europäischen Bankenbranche.

Aber die EZB kann das nicht im luftleeren Raum machen, also ohne dass gesetzgeberisch Vorkehrungen für die Folgen solcher Prüfungen getroffen werden. Zu Recht hat EZB-Direktor Yves Mersch erst am Montag im Handelsblatt darauf hingewiesen, dass der Ball jetzt im Feld der Politik liege. Die EZB werde nicht mit der Prüfung beginnen, solange die Regierungen sich nicht über die Finanzierung der möglicherweise auftretenden Kapitallücken, die Notfallfinanzierung, geeinigt haben, so Mersch.

Kommentare (4)

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Ludwig500

25.09.2013, 07:45 Uhr

Zitat "Finanzlotse":

Wo soll frisches Kapital dann herkommen? Vom Kapitalmarkt? Fehlanzeige. Vom Steuerzahler? Fehlanzeige – der soll ja gerade durch die Bankenunion geschützt werden."

Ja, sollte geschützt werden, weil Wahlkampf war und den Politluschen ohnehin Lügen leichter fallen als die bittere Wahrheit. Am Ende wird immer der Steuerzahler genommen. Die Frage ist nur, wie der Griff in die Tasche des Normalbürgers vollzogen wird. Aber den Politgangstern und Ihren Bankenlobbyisten wird schon was schickes einfallen.

Wer den Beginn einer Prüfung verweigert, weil er erst wissen will, wer Fehlbeträge ausgleicht, der setzt die Politik unter Druck, jetzt doch bitte unbedingt auf die Banklobbyisten zu hören. Was die empfehlen wird nach dem Geschmack der Eliten sein und den Steuerzahler noch weiter in die Knechtschaft zwingen.

Account gelöscht!

25.09.2013, 13:35 Uhr

Sowas hat man nicht alle Tage, man muß es sich ganz langsam auf der Zunge zergehen lassen. Die Politik soll Mittel zur Bankenrettung bereitstellen. Die Höhe ist nicht bekannt.

Auf Deutsch in unbegrenzter Höhe.

Ich lach mich schief wenn das so durchgewunken wird.
Viel einfacher kann man es der AfD nun nicht mehr machen.

Schönen Tag noch.

Novaris

25.09.2013, 13:55 Uhr

"Dabei geht es nicht um Kleinigkeiten. Noch gibt es keinerlei verlässliche Informationen darüber, in welcher Größenordnung sich die Kapitallücke der rund 130 bis 140 Banken, die unter die EZB-Aufsicht fallen werden, insgesamt bewegen könnte. Sicher ist nur, dass es solche Lücken geben wird, vermutlich in zigfacher Milliardenhöhe."
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Deutsche Mittelstandsnachrichten :
"In den Krisenländern der Eurozone sind Banken mit faulen Krediten in Milliardenhöhe belastet. Selbst wenn Teile dieser ausstehenden Kredite in Bad-Banks bilanziert sind. Eine zuverlässige Größe, wie hoch das tatsächliche Volumen der faulen Kredite der Euro-Banken ist, gibt es aus diesem Grund nicht. Mindestens sollen es aber 720 Milliarden Euro sein."

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