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05.11.2013

10:13 Uhr

Der Finanzlotse

Erfolgreiches Deutschland am Pranger

VonHerbert Walter

Die Kritik am deutschen Exporterfolg zeigt: Wann immer es geht, möchte die Politik in den USA oder in der EU den Wettbewerb aushebeln. Das aber ist der falsche Weg aus der globalen Krise und würde zu Mittelmaß führen.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Es ist schon einigermaßen merkwürdig, dass eine Weltmacht, die in den ersten dreizehn Jahren dieses Jahrhunderts die globale Wirtschaft dreimal in den Krisenmodus zwangsversetzt hat, sich über die Wirtschaftspolitik anderer Länder entrüstet.

So aber geschah es, als die USA kürzlich den Bericht für den US-Kongress über die internationale Wirtschafts- und Währungspolitik veröffentlichten. In ungewöhnlich scharfer Form wurde Deutschland angegriffen: Mit seinen Exportüberschüssen belaste Deutschland die gesamte EU, das Land habe nur ein anämisches Wachstum, eine viel zu schwache Binnennachfrage und mache es dadurch den Nachbarländern schwer, ihrerseits wirtschaftspolitische Erfolge verzeichnen zu können.

„Ergänzt“ wird diese Schelte jetzt durch die Mahnung des Vizechefs der Weltbank, Deutschland solle sich verpflichten, seine Exporte zu begrenzen. Sogar die EU-Kommission überlegt nach Zeitungsberichten, Deutschland wegen seiner Exportlastigkeit mit einer Rüge und/oder einem Bußgeld zu belegen. Kein Zweifel, die Exporterfolge der deutschen Wirtschaft stehen derzeit am Pranger.

Nun kann man darüber diskutieren, wie berechtigt oder unberechtigt eine solche Kritik ist. Das geschieht auch ausgiebig, wobei die jeweiligen politischen Positionen der Experten klar erkennbar sind. Gewerkschaftsnahe Volkswirte nutzen die Gelegenheit, höhere Löhne zu fordern, arbeitgebernahe Experten verweisen darauf, dass Deutschland nur deswegen so gut durch die Krise gekommen sei, weil es sich seine internationale Wettbewerbsfähigkeit durch mutige Reformen hart erkämpft habe.

Bedauerlich bei diesem Pro und Contra ist nur, dass eine grundsätzliche Frage der Marktwirtschaft dabei völlig außer Acht gelassen wird, nämlich die nach der Orientierung in einem System, dessen Kern eine Wettbewerbsordnung ist. Geben da die Besten den Takt vor oder bestimmt das Mittelmaß den Lauf der Entwicklung?

Ob wir wollen oder nicht, wir stehen mit den anderen Ländern dieser Erde nun mal im Wettbewerb. Wenn es uns gut gehen soll, das heißt, wenn wir ausreichend Arbeit und Brot haben wollen, müssen wir uns in diesem Wettbewerb behaupten. Das ist die maßgebliche Aufgabe für die Wirtschaft wie auch für die Politik.

Basis eines jeden wirtschaftlichen Erfolges in der Marktwirtschaft sind immer international wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen für die Wirtschaft. Die aber müssen von der Politik geschaffen werden, wozu manchmal auch unangenehme Entscheidungen in Sachen Standortqualität gehören.

Kommentare (17)

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Dipl.-Ing.

05.11.2013, 10:31 Uhr

Der Klügere gibt so lange nach, bis er der Dümmere ist! Deutschland wird auch im Bundestag (!) von einem Beamtenheer verwaltet, dem jeglicher Bezug zur Volks- und Betriebswirtschaft fehlt! Erste Zeichen der Verarmung Deutschlands gibt es schon, die jedoch mit statistischen Taschenspielertricks verschleiert werden. Ohne Zweifel: "Deutschland schafft sich ab!"

Account gelöscht!

05.11.2013, 10:38 Uhr

Es steht nicht das erfolgreiche Deutschland am Pranger, sondern die Export Ü B E R S C H Ü S S E.
Überschüsse die mittels Lohndumping, Vermögensabbau und Subventionen durch den Steuerzahler entstehen.
Aber villeicht haben Sie, Herr Henkel, ja noch ein paar Rezepte wie man die Löhne, bei gleichbleibenden ARbeitsstunden, noch ein bischen weiter senkt, dem Immobilien-Markt noch ein paar Arbeiterkasernen abnimmt, der Industrie, die keine ist, noch mehr Stromgeld schenkt, was ebenfalls die Bürger bezahlen, die eh schon keine Lohnerhöhungen erwarten dürfen.
Und das alles für Exportüberschüße?
Wie weit vom falschen Ende kann man denn noch diskutieren? Voll ökononomisch, aber zur Ökonomie gehört schon noch ein bischen mehr, als den geprügelten Hund zu spielen und sich weiter beleidigt subventionieren zu lassen. Marktwirtschaft ist auch das nicht.

Account gelöscht!

05.11.2013, 10:40 Uhr

Meine Güte, wieder so ein schlechter Artikel. Was bedeuten denn diese Leistungsbilanzüberschüsse, Herr Experte ? Man schaue auf die Leistungsbilanzüberschüsse der letzten Jahre und vs. Kapitalbilanz, d.h., unser Exporterfolg basiert auf riesigen Kapitalexporten (privat bzw. TARGET2)oder anders ausgedrückt, in den Büchern türmen sich fragwürdige Forderungen gegenüber Pleitestaaten ! Toller Erfolg, Herr Experte. Wer letztedlich bluten wird (der IWF hat da ganz tolle Ideen), ist wohl eindeutig.

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