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26.11.2013

11:05 Uhr

Der Finanzlotse

EZB macht taktische Klientelpolitik

VonHerbert Walter

EZB-Chef Mario Draghi will bei der Bilanzprüfung die Risiken von Staatsanleihen auch künftig außen vor lassen. Das hilft vor allem Italien, kratzt aber weiter an der Glaubwürdigkeit der Notenbank.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Mit einem gewaltigen Aufwand geht die Europäische Zentralbank nun an eine hehre Aufgabe: Sie prüft die Bilanzen von 128 europäischen Banken, danach wird die Widerstandsfestigkeit der Banken gegen Krisenszenarien getestet. Beides sind die notwendigen Vorarbeiten für die „Grundsanierung des europäischen Bankensektors“ (EZB-Direktor Yves Mersch).

Die wiederum sei Voraussetzung dafür, dass Vertrauen in den Bankensektor zurückkehre, so EZB-Chef Mario Draghi, und das brauche man, damit die Wirtschaft in den Ländern der Eurozone wieder Fahrt aufnehmen könne.

Wohl niemand möchte diese überzeugende Prozesskette durchkreuzen.

Aber einer tut es doch – und das ist ausgerechnet der EZB-Chef selbst. Draghi macht das weniger mit Worten als vielmehr mit Entscheidungen, die immer wieder Zweifel aufkommen lassen, ob denn am Ende des Prozesses tatsächlich neues Vertrauenskapital für den Bankensektor gewonnen ist.

Jüngstes Beispiel: Der Europäische Ausschuss für Systemrisiken hatte der EZB vorgeschlagen, bei der anstehenden Bilanzprüfung den privilegierten Status von Staatsanleihen in Bankbilanzen zu verringern. Hohe Bestände an Staatspapieren sollten nicht länger als vollkommen risikofrei behandelt und dementsprechend vorsorglich mit Eigenkapital unterlegt werden.

Dieser Vorschlag ging postwendend zurück an den Absender. Beim Bilanzcheck zählen auch die Staatsanleihen der europäischen Krisenländer zur Kategorie der risikofreien Forderungen – basta.

Der Grund wird schnell klar, wenn man einen Blick in die Bilanzen - insbesondere des italienischen Bankensektors – wirft. In den vergangenen zwei Jahren kauften italienische Banken heimische Staatsanleihen im Volumen von 175 Milliarden Euro, das ist ein Anstieg um 73 Prozent.

Damit haben italienische Banken mit 415 Milliarden Euro fast ein Viertel der Staatschulden Italiens in ihren Büchern, mit einem Anteil von rund zehn Prozent an der Bilanzsumme. Nur Spanien kann da mit einem noch höheren Anstieg der Staatspapiere in den Bankbilanzen um 81 Prozent „kontern“.

Kommentare (4)

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Eddie

26.11.2013, 11:29 Uhr

Selbstverstaendlich zaehlen auch die Staatsanleihen der europäischen Krisenländer zur Kategorie der risikofreien Forderungen - u.a. dank EZB und ESM. Diese Anleihen als riskant zu bewerten wuerde die Anleger verunsichern, die Zinsen steigen lassen und die Schuldenkrise wieder anfachen. Wieso sollte ausserdem die EZB dem heimischen Bankensektor und der Wirtschaft schaden (hoeheres Eigenkapital = weniger Rendite, weniger Kredite)? Nur falls es da eine internationale Regelung (Basel IV?) geben sollte, sollten die Banken auch fuer Staatsanleihen Risiko-Vorsorge treffen muessen...

TomXXX

26.11.2013, 12:26 Uhr

Was soll er in dem Fall auch machen? (ohne ihn und seine prinzipielle Politik zu verteidigen).

Das faire und korrekte Verfahren würde ergeben, dass das System pleite ist. Das weiss aber auch jeder, der nicht ganz doof ist.

Aber es gibt noch den Schwachsinn von angeblich nervösen Märkten oder verunsicherten Anlegern. Die Wahrheit ist, dass es da einmal die institutionellen Anleger gibt (die kennen die Bilanzen, hängen selbst davon ab und reagieren gar nicht emotional oder nervös.

Dann gibt es die Privatanleger (so wie wir): ich habe keine italienischen Staatsanleihen und will auch keine. Mir ist vollkommen egal ob irgend jemand mit erzählt ich wäre da nervös... für mich gibt es keinen Grund diese Anlageklasse zu kaufen. Punkt!

Und dann gibts die Comupterprogramme... die sind überhaupt nicht nervös...

also unterm Strich: es ist niemand da, der den Anleihenmüll dieser Staaten haben will, selbst die eigenen Banken nicht. Wenn man den Staatsbankrott aber nicht viel, muss der Müll irgendwie gelagert werden.

Das Spielchen mit einem transparenten Verfahren Vertrauen zu schaffen, hilft nur guten Systemen! Schlechten Systemen eben nicht!

Account gelöscht!

26.11.2013, 12:53 Uhr

Anstatt massig Banken zu retten...

hätte man einfach jedem Bürger in der EU 25.000 Euro zur Freien Verfügung drucken sollen, das hätte sicher die Konjunktur der Länder beflügelt und wäre nicht in die Börse gewandert...^^

Zudem Wäre Draghi dann super beliebt..^^

hahah...

Aber mal ohne spass teurer als das aktuelle Schmieren - Theater wäre es auc nich gewesen..

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