Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.10.2013

13:37 Uhr

Der Finanzlotse

Flucht? Zwecklos!

VonHerbert Walter

Die SPD wollte Reiche stärker belasten. Am Ende wird eine Große Koalition Millionen von Anlegern zur Kasse bitten. Denn es drohen höhere Steuern auf Kapitaleinkünfte. Die Politik verschärft so das Anlage-Dilemma.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Die SPD hat auf ihrem Konvent am Wochenende ein Zehn-Punkte-Papier verabschiedet, in dem die wesentlichen Forderungen für die anstehenden Koalitionsverhandlungen mit CDU und CSU zusammengefasst sind. Und siehe da: Von der Forderung nach einer Erhöhung der Einkommensteuer oder Wiedereinführung der Vermögensteuer ist kein Wort mehr zu lesen.  Das sorgt bei vielen Bürgern und Unternehmern für Erleichterung, bei einigen SPD-Linken jedoch für Verdruss. War doch eine höhere Belastung für Besserverdienende ein (wenn auch mäßig erfolgreicher) Wahlkampfschlager.

Aber es gibt gute Gründe zu der Annahme, dass die drei Parteien doch noch Wege finden werden, um Mehreinnahmen für den Staat zu generieren. Sie werden das nur etwas diskreter machen als über eine plumpe Anhebung der Einkommenssteuer. Zum Beispiel, indem sie die Abgeltungssteuer auf Zins- und Dividendenerträge erhöhen.

Wer sich an die Verhandlungen über eine große Koalition von 2005 erinnert, dem schwant dabei nichts Gutes. Damals verlangte die Union eine Erhöhung der Mehrwertsteuer um zwei Prozentpunkte. Am Ende wurden es satte drei.

Ich habe den starken Verdacht: Ähnlich wird es mit der Abgeltungssteuer laufen. Die SPD verlangt hier in ihrem Wahlprogramm 32 statt bisher 25 Prozent. Es würde mich nicht wundern, wenn sie nun mit der Forderung in die Koalitionsverhandlungen geht, in Zukunft sogar den persönlichen Steuersatz zugrunde zu legen. Das hätte eine Anhebung auf maximal 47,5 Prozent inklusive Soli zur Folge. Anschließend kann sie sich von der Union wieder ein wenig herunterhandeln lassen und im Gegenzug etwa den flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn durchsetzen.

Klar, mag der ein oder andere Bürger denken, die Börsenzocker werden doch wohl noch ein paar Euro mehr bezahlen können. Die Abgeltungssteuer trifft allerdings nicht nur sogenannte „Heavy Trader“ vom Schlage eines Uli Hoeneß, sondern Millionen Bürger, die privat etwas für die Zukunft zurücklegen und den jährlichen Freibetrag von 801 (Ledige) beziehungsweise 1602 (Verheiratete) Euro in einem Jahr überschreiten.

Ein Beispiel: Wer als Lediger einen Investmentfonds nach zehn Jahren mit einem Gewinn von 5000 Euro verkauft, zahlt darauf schon heute inklusive Soli und Kirchensteuer mehr als 1100 Euro an Vater Staat. Ein Einzelfall? Mitnichten! Alleine die Höhe des Steueraufkommens  zeigt, dass der Staat hier nicht nur bei ein paar Zockern kassiert: 6,9 Milliarden Euro flossen aus der Abgabe alleine in den ersten neun Monaten dieses Jahres in die öffentlichen Kassen – das ist mehr als aus der Kfz-Steuer!

Kommentare (12)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

muunoy

22.10.2013, 14:05 Uhr

Ist doch logisch. Der Beamtenstaat braucht immer mehr Geld. Daher hat man erst die staatliche Rente drastisch gekürzt und die Leute aufgefordert, zusätzlich fürs Alter vorzusorgen. Jetzt machen das inzwischen genügend Leute, um dort auch noch signifikant abgreifen zu können. Und das geht so immer weiter. Es gibt jedoch Möglichkeiten, dem kleptokratischen Staat zu entkommen. Entweder man verdrückt sich komplett aus Deutschland, was derzeit noch legal ist und ohne neue Mauer auch schwer zu unterbinden. Oder man lagert seine Ersparnisse zumindest zum Teil aus. Dies ist mehr oder minder illegal. Selbst wenn man seine im Ausland erzielten Kapitaleinkünfte ordentlich deklariert, unterliegt man sofort einer besonderen Beobachtung durch die Steuer-Stasi. Dennoch denke ich, dass in Zukunft eine Säule der Altersvorsorge in einem ordentlichen Depot im Ausland liegen wird. Das weiß auch die Politik, die daher ja jetzt massiv Propaganda gegen Leute betreibt, die dies bereits gemacht haben.
Übrigens liegt hier ein weiterer Nachteil von Immobilien. Sie sind nun einmal immobil. Und wenn man sich die letzten Steuererhöhungsorgien bei Grunderwerbs- und Grundsteuern ansieht, erkennt man zum Einen, dass der Staat einer der Hauptmietpreistreiber ist und zum Zweiten, dass man mit einer Immobilie definitiv nicht dem gefräßigen Staat entkommen kann. Vielleicht müssen wir bald alle einen Lebensstiel a la Berggruen anstreben, wenn das nötige Kleingeld vorhanden ist. Also, keinen festen Wohnsitz mehr, sondern Leben in Hotels und ständiges Reisen.

vandale

22.10.2013, 14:21 Uhr

In Deutschland gibt es ca. 5 Bio. € Immobilienvermögen und 5 Bio. € Geldvermögen.

Für sozialistische Politiker, Fr. Merkel und die EU ist das wie ein duftender Braten für einen Hungrigen.

Aktuell werden Kapitalerträge aus festverzinslichen Anlagen mit ca. 160% besteuert. 2,5% Nominalzins, 2% Geldentwertung, 27% Abzug, entsprechend 0,8% Steuern, entspricht 160% des Ertrages.

Fr. Merkel billigt den Kurs der EZB die die Zinsen unter der Rate der Geldentwertung hält. Sparer werden dadurch zugunsten der europäischen Staatshaushalte enteignet.

Der IWF hat der EU vorgeschlagen 10% der Kapitalvermögen als Vermögensabgabe einzuziehen um so die EU Schuldenkrise zu lösen. Quelle: Handelszeitung Schweiz

Alle Systemparteien streben danach die Sparer zu enteignen.

Der Grund ist, dass es sehr viele Sparer gibt. Diese sind nicht organisiert. Viele sind zu alt um ihre Interessen wirksam zu vertreten. Für die meisten Menschen ist es auch viel zu komplex, dass sie persönlich über Lebensversicherung, Pensionskasse von dieser Enteignung betroffen sind.

Vandale

WILHER

22.10.2013, 14:31 Uhr


Die Gewinne von Dax-Unternehmen werden heute schon hoch besteuert, erst mit der Körperschaftssteuer, die übirg gebliebenen Gewinne mit der Abgeltungssteuer.
Der Staat ist kein Aktionär, trägt kein Risiko, sackt sich aber fast die Hälfte des Gewinns der AG ein.
ich finde das ist schon zu viel, weit über meinem persönlichen Grenzsteuersatz.
Da ich gern auch mal Wertpapierkredite in Anspruch nehme, wird die Plünderei durch den Staat auf die Spitze getrieben. Die Zinsen können höher sein als die Dividende selbst, trotzdem muss man die Dividenden versteuern als ob es reine Gewinne wären, dabei werden in Wirklichkeit Verluste besteuert.
Es reicht, irgendwann wandere ich aus.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×