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21.01.2014

09:58 Uhr

Der Finanzlotse

Kein gutes Zeichen

VonHerbert Walter

Die geplante Rentenreform steht auf brüchigem Eis. Dafür sorgt die demographische Entwicklung in Deutschland. Zusammen mit den Staatsschulden droht der nächsten Generation ein gewaltiges Finanzierungsdesaster.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Es ist selbstverständlich, dass politische Entscheidungen nicht ausschließlich unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten gefällt werden können. Aber da, wo wirtschaftliche Entwicklungen beachtet werden müssen, ist es schlicht und einfach dumm und kurzsichtig, diese zu ignorieren.

Genau so ist es aber beim ersten Projekt der großen Koalition, der von Bundesgesundheitsministerin Andrea Nahles (SPD) geplanten Rentenreform. Sozialpolitisch lässt sich sicherlich gut begründen, die Renten für Mütter zu erhöhen, ebenso die so genannte Erwerbsminderungsrente für Kranke, die nicht mehr arbeiten können.

Viele Menschen werden es auch als soziale Wohltat begrüßen, wenn aus der Rente mit 67 eine mit 63 wird. Wenn aber die langfristige Finanzierung dieses Vorhabens auf brüchigem Eis steht, dann muss man fragen, ob aus der gut gemeinten Tat heute nicht eine Belastung wird, die für die morgen lebenden Menschen erdrückend werden kann.

Wie viele Milliarden auch immer das Rentenpaket kosten wird, schon heute steht fest, dass zunehmend Steuermittel aufgewendet werden müssen, um die zusätzlichen Rentenleistungen auch zu bezahlen zu können.

Das ist vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung in Deutschland kein Pappenstiel. Niemand zweifelt daran, dass die Zahl der Deutschen in Zukunft spürbar kleiner und die Bevölkerung im Schnitt deutlich älter ist. Besonders alarmierend ist dabei, dass die Zahl der potenziell Erwerbstätigen im Alter zwischen 25 und 64 Jahren noch viel stärker zurückgehen wird.

Nach einer umfangreichen Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung wären das 2030 immerhin schon mehr als sechs Millionen potenzielle Lohn- und Einkommensteuerzahler. Das ist ein Minus von rund 15 Prozent – unter den Bedingungen der Rente mit 67 wohlgemerkt. Bei Rente mit 63 wird der Rückgang zwangsläufig noch stärker ausfallen.

Das wirft aus ökonomischer Sicht wenigstens zwei Fragen auf: Kann man immer weniger Steuerzahlern immer höhere Lasten für die Versorgung der älteren Generation zumuten?

Ist angesichts der Bevölkerungsentwicklung auf Dauer überhaupt mit einem nennenswerten realen Wirtschaftswachstum zu rechnen, welches dem Staat mehr Spielraum bei den Ausgaben einräumt?

Kommentare (14)

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Matthes

21.01.2014, 10:51 Uhr

Ach wie schlimm ist doch diese Rentenreform. Weil gelegentlich Steuergelder zugeschossen werden müssen. Da wäre es aber viel wichtiger sich einmal Gedanken über die Beamtenpensionen zu machen, die voll aus Steuern finanziert werden! Jemand mit Sachverstand müsste da schon die richtigen Prioritäten erkennen können!

Account gelöscht!

21.01.2014, 10:54 Uhr

Bei der Rente gibt es zwei Probleme. Zum ersten wurde der Generationenvertrag aufgekündigt. Es zahlen die Kinder also nicht nur die Rente für ihre Eltern sondern auch für alle Kinderlose.
Zum anderenleben wir in einer Zeit, in der die Einkommen edr Arbeitnehmer zugunsten riesiger Vermögen weniger Reicher sinken. Dies führt zu einem Austrocknen der Rentenkassse. Dies schreit danach, dass auch die Profiteure der Arbeitswelt, die Aktionäre und Firmeneigner über die Steuern an der Rentenfinanzierung beteiligt werden müssen. Und nur so kann die Rentenkasse wetterfest gemacht werden.

graintrader

21.01.2014, 11:00 Uhr

Ausgerechnet Herr Walter befasst sich mit dem Thema Rente für Arbeitnehmer. Da redet ein Blinder von der Farbe, denn keines dieser Themen wird ihne jemals auch nur im geringsten tangieren; er liegt in einer gut abgesicherten Hängematte.
Das viele Ältere gerne über 65 hinaus arbeiten würden scheint ihm nicht klar zu sein, nur dass es eben keine Arbeit gibt. Für ihn garnicht vollstellbar !
Es geht hier nicht um Wohltaten, sondern schlicht um den Ertrag nach 45 Arbeitsjahren; in manchen handwerklichen Berufen kann schlichtweg auch nicht länger a´gearbeit werden. Oder wer möchte einen 72 jährigen noch aufs Dach schicken oder auf dem Bau arbeiten lassen ?
Auch dürfte es eine schlechte Wahl sein, sich Ratschläge vom "Finanzlotsen" Walter zu holen. Sein Institut hat als einzige deutsche Großbank die Finazkrise nicht überlebt.
Tolle Führung ! Aber seine Rente ist sicher.

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