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10.12.2013

10:02 Uhr

Der Finanzlotse

Kontrolle der Banken ist nicht alles

VonHerbert Walter

Wertpapiergeschäft und Investmentbanking sind Reizwörter für die Politik. Sie will diese beiden Banken-Sparten an die ganz kurze Leine nehmen. Das aber wäre von zweifelhaftem Nutzen.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Was waren das noch für Zeiten, als in den achtziger Jahren in Deutschland über die „Macht der Banken“ gestritten wurde. Das war eine von Gegnern wie Befürwortern dieser These auf einem hohen intellektuellen Niveau geführte facettenreiche Debatte. Sie führte auch zu einem konkreten Ergebnis, nämlich zum Ende der verkrusteten Deutschland AG.

Wie anders geht es da zu beim aktuellen Streit über die Kontrolle der Banken. Der mutet eher an wie eine ungute Mischung aus Polemik und Schuldzuweisungen, die keinen Schritt weiter führen. Für Politiker wie Wolfgang Schäuble ist die Sache klar: Wir brauchen mehr und härtere Kontrollen, weil Banken ja doch immer versuchen, diese zu umgehen. Außerdem sollten diejenigen, die schuld an dem ganzen Krisenschlamassel sind, mal schön den Mund halten und kuschen.

Es ist keine Frage, dass Banken in den Vorkrisenjahren gewaltige Fehler gemacht haben. Ebenso klar ist, dass Manipulationen von Zinssätzen, Devisenkursen oder Edelmetallpreisen in Investmentbank-Abteilungen es nahelegen, die Wertpapierindustrie gleiche einem Spielsalon im Wilden Westen voller skrupelloser Betrüger und Blender. Das gilt ganz besonders für Deutschland, dessen Kreditinstitute weit überwiegend in der historisch gewachsenen Kreditkultur leben. Die kann mit dem Auf und Ab der Märkte, den schnellen Umschwüngen bei Kursen und Preisen wenig anfangen. Schon das ist Grund genug für die Forderung nach immer schärferen Kontrollen und härterer Regulierung.

Aber sind härtere Kontrollen durch Beamte und Politiker ein Allheilmittel gegen derartige Machenschaften? Wohl eher nicht, wenn man an die überwiegend politischen Kontrolleure bei den in der Krise besonders arg gebeutelten Instituten wie IKB, WestLB oder SachsenLB denkt. Zu fragen wäre auch, welche europäischen Politiker denn die bis über die Ohren verschuldeten Staaten wie Griechenland, Italien, Spanien und Portugal rechtzeitig gedrängt haben, sich bei der Neuverschuldung zurückzuhalten? Es war doch der Markt und nicht die Politik, der die Notbremse gezogen und diesen Ländern neue Kredite verweigert hatte.

Was bei dieser Art der Kontrolldebatte völlig unter den Tisch fällt, ist aber die viel wichtigere Frage, wohin die Reise überhaupt gehen soll. Im Mittelpunkt steht dabei das Wertpapiergeschäft im Allgemeinen und das Investmentbanking, als dessen zentraler Bestandteil, im Besonderen.

Kommentare (6)

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Aktionaer

10.12.2013, 10:09 Uhr

Trennt das Banking vom Zocken und das Problem wäre gelöst.

Account gelöscht!

10.12.2013, 10:24 Uhr

Sehr guter Artikel. Gibt es das Plädoyer von Herrn Grillo auch zum nachlesen? Google hilft mir gerad nicht dabei...

staatsbuerger

10.12.2013, 10:40 Uhr

Das Beispiel mit den Autos ist gut: Wie viel Vorschriften zu Sicherheit und Umwelt gibt es für Autos heute? Und das Beste: Nur wenn ein Auto eine entsprechende Zulassung hat, darf es auf dem Europäischen Markt verkauft werden. Wo bleibt denn die Forderung des Kommentators nach einem Finanzmarkt-TÜV?

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