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08.04.2014

13:39 Uhr

Der Finanzlotse

Nie mehr in Rente, die Zweite

VonHerbert Walter

Die Rente mit 63 belegt eines: Die Politik will den demografischen Wandel nicht wahrhaben. Dabei überlebt unser umlagefinanziertes Rentensystem nur, wenn die Deutschen länger arbeiten. Anreize dafür müssen endlich her.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Das jüngste Politbarometer vom ZDF hat es erneut bestätigt: 73 Prozent der Bundesbürger finden die Rente mit 63 gut. Damit ist die Sache auf längere Sicht aber noch nicht in trockenen Tüchern. Das bittere Ende wird kommen, wenn in den nächsten fünf bis zehn Jahren immer mehr der so genannten Babyboomer in Rente gehen. Wie gewagt die Rente mit 63 ist, zeigt ein Blick in die vom Statistischen Bundesamt herausgegebenen demografischen Daten bis 2030.

Bis dahin wird die Zahl der arbeitsfähigen Bundesbürger zwischen 20 und 65 um 7,5 Millionen oder 15 Prozent abnehmen. Dagegen wächst die Zahl der über 65-Jährigen um ein sattes Drittel oder fast sechs Millionen. So gewaltig hat sich die deutsche Bevölkerungsstruktur in so kurzer Zeit noch nie verändert. Das wird zwangsläufig gravierende Auswirkungen auf unser Rentensystem haben.

Als Folge davon wird sich das Verhältnis von Arbeitnehmern zu Rentnern von aktuell etwa vier zu eins auf zwei zu eins verringern. Soll das Leistungsniveau der gesetzlichen Rente erhalten bleiben, müssten sich rechnerisch die Rentenbeiträge der Arbeitnehmer von derzeit knapp 20 Prozent auf etwa 40 Prozent verdoppeln.

So etwas anzunehmen, ist vollkommen unrealistisch, wer wollte unter solchen Bedingungen denn überhaupt arbeiten? Aber daran zeigt sich deutlich, dass unser Rentensystem Renovierungsbedarf hat und zwar einen ganz anderen, als die Rente mit 63.

Um einen Kollaps des Rentensystems ohne weitere große Leistungseinbußen zu vermeiden, gibt es theoretisch nur drei Möglichkeiten: Verbreiterung der Finanzierungsbasis, mehr Einwanderung, längere Arbeitszeiten.

Aktuell zahlen in Deutschland rund 30 Millionen Arbeitnehmer in die Sozialversicherungen ein. Das Heer der Beamten und die Selbständigen gehören nicht dazu. Die mit zur Finanzierung heranzuziehen, hat aber noch keine Bundesregierung gewagt.

Auch Einwanderung scheint kein Weg aus dem Dilemma zu sein. Die Bundesregierung geht davon aus, dass bis 2030 nur drei Millionen Menschen nach Deutschland kommen. Selbst wenn alle arbeiten würden, könnte der Arbeitskräfteschwund so nicht einmal zur Hälfte ausgeglichen werden.

Bleibt also die dritte Lösung: Viele von uns werden mehr arbeiten müssen und erst später in Rente gehen können. Dazu gehört aber unweigerlich, dass es für Menschen, die im Rentenalter arbeiten können und wollen, attraktiv sein muss, das auch zu tun.

Das ist aber in Deutschland längst nicht der Fall. So darf ein Betrieb einen Rentner nur dann befristet einstellen,  wenn er neu von außen kommt.  Dort, wo er zuvor jahrelang gearbeitet hat, ist eine Befristung nicht erlaubt. Politik und Gewerkschaften wollen so alles schön im Griff behalten. Die Regelung wirkt heute aber fatal: staatlich gefördert werden ältere, arbeitswillige Menschen ausgegrenzt.

Kommentare (6)

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08.04.2014, 14:20 Uhr

Von einem Arbeitskräftemangel ist kaum was zu sehen. Die Löhne müssten in einem solchen Fall steigen, tun sie aber nicht. Wir haben über 5 Mio Arbeitslose Menschen und weitere Millionen in prekären Arbeitsverhältnissen bzw. bei Sklavenhändlern. Die sind gerne bereit, für gute Bezahlung zu arbeiten!

Eine Befreiung der Arbeitgeber von den Rentenversicherungskosten für Rentner würde nur zu einer verstärkten Einstellung von Rentnern zu Lasten der Jüngeren führen - mehr nicht!

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08.04.2014, 14:38 Uhr

Die Politik muss Lösungen auf die Probleme unserer Zeit finden. Dass das geht, haben die letzten Jahrzehnte gezeigt. Beim aktuellen Thema der Rente, habe ich jedoch das Gefühl, dass die Generation Y keine Lobby hat. Dabei wird diese Generation wahrscheinlich am stärksten von den Änderungen im Rentensystem betroffen sein. Dies gilt es zu ändern!

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08.04.2014, 14:51 Uhr

Und warum macht man nicht etwas gegen die Geburtenarmut? Ein Familiensplitting wäre das mindeste, ebenso wie eine größere Wertschäftung für Mütter und für Frauen, die Kindern zuliebe auf Karriere verzichten.

Zudem muss man dringend unser sozialistisches Rentensystem verändern. Würden z.B. die Rentenzahlungen direkt an die Beiträge der Kinder gekoppelt, wäre jeder für sich und seine Rente selbst verantwortlich, dann müsste jeder nicht nur Kinder bekommen, sondern sich auch um deren Ausbildung kümmern. Klar, das ist weniger Schlaraffenland, aber üblicherweise funktionieren Systeme eben besser, wenn jeder eigenverantwortlich ist, als solche, wo sich jeder auf alle anderen verlässt und es am Ende fehlt. Sozialismus ist in der Vergangenheit immer gescheitert.

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