Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.04.2014

15:16 Uhr

Der Finanzlotse

Nie mehr in Rente

VonHerbert Walter

Die Zahl der Berufstätigen im Rentenalter steigt weltweit. Das hat nicht nur finanzielle Gründe. Die in die Jahre gekommenen Babyboomer definieren ihren dritten Lebensabschnitt neu.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Warren Buffett (83) macht es, George Soros (83) ebenso wie Karl Lagerfeld (80) und Hartmut Mehdorn (71). Sie arbeiten, obwohl sie längst das Rentenalter erreicht haben - und sie denken nicht daran aufzuhören. Das könnte man als Marotte einiger superreicher alter Männer abtun, die nicht loslassen können, die ihre Arbeitswelt brauchen wie eine Droge, um weiter als wichtige und bedeutsame Person öffentlich wahrgenommen zu werden.

Tatsächlich ist das aber alles andere als eine elitäre Marotte, sondern ein weltweit verbreitetes Phänomen. Sogar in Deutschland, wo vor wenigen Wochen noch über die von der Großen Koalition eingeführte Rente mit 63 gejubelt wurde. Natürlich ist der Jubel erklärbar, weil die Rentenreform handfeste finanzielle Vorteile bietet. Allerdings ist damit nicht gesagt, dass die davon Begünstigten automatisch nicht mehr arbeiten und mit 63 nur das Rentnerdasein genießen möchten.

Deutlich zeichnet sich ab, dass die starren Regeln beim Eintritt in das Rentenalter immer mehr Menschen nicht passen. Rund 1,3 Millionen Menschen im Rentenalter sind hier zu Lande berufstätig, mehr als doppelt so viele wie vor zehn Jahren. Die stereotype Antwort der Gewerkschafter und Sozialpolitiker, das sei doch nur Folge der Leistungskürzungen bei der gesetzlichen Rente, ignoriert vollkommen, dass es auch andere wichtige Gründe für eine längere Berufstätigkeit gibt.

Wissenschaftliche Studien von Universitäten und viele andere Untersuchungen zeigen, dass sich die meisten Menschen Illusionen über die Wonnen des Ruhestands machen, selbst wenn er finanziell gut abgesichert ist. Die Aussicht auf 20 oder gar 30 Jahre Freizeit mag für einen heute Berufstätigen äußerst verlockend sein. Aber das scheint sich dann doch recht rasch zu ändern. Bereits ein Jahr nach dem Wechsel in die Rente konnten sich laut einer Untersuchung der Universität Bremen deutlich mehr finanziell abgesicherte Facharbeiter eines großen Unternehmens gut vorstellen, wieder berufstätig zu werden.

Woran auch immer es liegen mag, dass Rentner im Schnitt nicht zufriedener sind als andere Altersgruppen. Außer finanziellen Aspekten spielen Kontakte, Wertschätzung und die Möglichkeit, berufliche Erfahrungen weiterzugeben, eine zunehmend wichtigere Rolle bei der Entscheidung, länger zu arbeiten.

Kommentare (10)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

01.04.2014, 16:14 Uhr

Völlig richtiger Artikel. Auf den flexiblen Übergang kommt es an, nicht auf das sture Pochen auf ein "Renteneintrittsalter". Menschen, die lange arbeiten können und wollen, sollen Unterstützung erfaren und positive Anreize finden.

Wer sich dagegen trotz bester Gesundheit mit 63 aus dem Staub macht, soll nicht der jungen Generation auf den Taschen liegen dürfen. Und sogar um so doller, je weniger für das Alter selbst vorgesorgt wurde.

Wir hören ständig von Erziehungszeiten und von den hart arbeitenden Menschen, die es nach 63 körperlich nicht mehr schaffen, weiter zu machen. Auch diese Gruppen haben jedoch das Recht und die Pflicht vorauszudenken und für das Alter beiseite zu legen. Attraktive Möglichkeiten gibt es doch mittlerweile genug, und auch steuerlich gefördert.

Was machen die Gewerkschaften, um ihre Mitglieder besser abzusichern? Die halten bei der nächsten Generation die Hand auf, anstatt tariflich vorzusorgen. Ein zukunftsfähiges Modell sieht für mich anders aus.

Account gelöscht!

01.04.2014, 16:35 Uhr

Zitat : Warren Buffett (83) macht es, George Soros (83) ebenso wie Karl Lagerfeld (80) und Hartmut Mehdorn (71). Sie arbeiten, obwohl sie längst das Rentenalter erreicht haben

- diese Herren arbeiten auch nicht als Fliesenleger, als Dachdecker, als Metzger, Becker, etc. !

Was für ein dämliches Statement von diesem Bänkster !

Account gelöscht!

01.04.2014, 16:39 Uhr

@Notar

Dieser Kommentar musste ja kommen!

Lies doch erst mal den Artikel fertig, bevor du an die Tasten stürzt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×