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25.03.2014

12:00 Uhr

Der Finanzlotse

Schnurstracks am Problem vorbei

VonHerbert Walter

Die aufgeregte Debatte über G8 oder G9 verdeckt, dass deutsche Schüler die Schule als wirtschaftliche und finanzielle Analphabeten verlassen. Das zu ändern, wäre viel wichtiger als die Dauer der Schulzeit.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Glaubt man Umfragen, dann wollen 75 Prozent der Deutschen, dass die Gymnasialzeit wieder auf neun Jahre aufgestockt wird. So eine Quote löst bei Politikern stets einen starken Impuls zum Handeln aus – wie jetzt aktuell in Niedersachsen. Dort wird die auf acht Jahre verkürzte Gymnasialzeit abgeschafft, weil G8 doch „frappierende Nebenwirkungen“ habe. Abiturienten brächten zum Beispiel nicht mehr dieselbe Reife mit wie vorher, als noch neun Jahre am Gymnasium geschult wurde.

Mal abgesehen davon, dass es höchst betrüblich wäre, wenn unsere Kinder mit 17 oder 18 Jahren schon „ausgereift“ wären, und sie ihre Jugendlichkeit bereits über Bord geworfen hätten; die Debatte über G8 oder G9 geht aus meiner Sicht schnurstracks am wahren Kern des Problems vorbei.

Wenn denn der alte Spruch „Nicht für die Schule lernen wir, sondern für das Leben“ auch heute noch gilt, dann kann die Dauer der Schulzeit nie und nimmer ausschlaggebend dafür sein, wie wir später im Leben zurechtkommen.

Dafür verantwortlich sind in erster Linie die Lernziele, die dann natürlich auch die Lerninhalte maßgeblich bestimmen. Doch darüber, ob die heute amtlich vermittelten Lernziele und -inhalte den jungen Menschen das notwendige Rüstzeug mitgeben, um in ihrem späteren Leben gut zurechtzukommen, wird in der breiten Öffentlichkeit längst nicht so intensiv diskutiert.

Ich kann und will an dieser Stelle nicht zu einem Rundumschlag ausholen, sondern mich auf ein Thema konzentrieren, das bei den Herausforderungen im beruflichen wie privaten Leben eine gewichtige Rolle spielt: Die wirtschaftliche und finanzielle Bildung unserer Kinder.

Es ist nahezu gleichgültig, welche Untersuchung man zu Rate zieht, das Ergebnis ist immer ernüchternd. Die Wirtschafts- und Finanzkompetenz der jungen Menschen (und nebenbei: auch die der erwachsenen Bevölkerung) ist grottenschlecht. So schlecht, dass das Kompetenzniveau in Untersuchungen gar als wirtschaftliches und finanzielles Analphabetentum bezeichnet wird.

Zwei von drei jungen Menschen können sich unter dem Prinzip von Angebot und Nachfrage nichts vorstellen, mehr als die Hälfte kann die Begriffe Inflation oder Rendite nicht erklären und 80 Prozent haben keine Ahnung davon, was an der Börse vor sich geht und wozu die überhaupt da ist. Erschreckend dabei ist, dass sich die Ergebnisse von aktuellen Untersuchungen und denen von vor mehr als zehn oder zwanzig Jahren bestenfalls in Nuancen unterscheiden.

Kommentare (4)

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25.03.2014, 13:12 Uhr

100% Zustimmung! Neben den aufgeführten Argumenten kann man noch anführen, dass Bildung bzgl. Wirtschaft und Finanzen das beste Mittel zum Verbraucherschutz ggü. Finanzdienstleistern aller Art darstellt. Weiterhin wäre es wirklich sozial gerecht (i.S. von Chancen – nicht Verteilungsgerechtigkeit), die Menschen mit dem nötigen Wissen auszustatten. Manchmal kommt mir die deutsche Gesellschaft i.S. Finanzen vor, wie die Menschen im Mittelalter vor der Reformation! Die brauchten auch die römische Kirche zum Lesen der Bibel und durften sich keine eigene Meinung bilden. Leider gibt es aber im Bereich der „Wissenden“ zu viele, die an der Dummheit der anderen gut verdienen und weiterhin viel Arroganz bei den „Bildungsbürgern“, den „Finanzkram“ als Bildungsnotwendigkeit zu akzeptieren.

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25.03.2014, 13:13 Uhr

100% Zustimmung! Neben den aufgeführten Argumenten kann man noch anführen, dass Bildung bzgl. Wirtschaft und Finanzen das beste Mittel zum Verbraucherschutz ggü. Finanzdienstleistern aller Art darstellt. Weiterhin wäre es wirklich sozial gerecht (i.S. von Chancen – nicht Verteilungsgerechtigkeit), die Menschen mit dem nötigen Wissen auszustatten. Manchmal kommt mir die deutsche Gesellschaft i.S. Finanzen vor, wie die Menschen im Mittelalter vor der Reformation! Die brauchten auch die römische Kirche zum Lesen der Bibel und durften sich keine eigene Meinung bilden. Leider gibt es aber im Bereich der „Wissenden“ zu viele, die an der Dummheit der anderen gut verdienen und weiterhin viel Arroganz bei den „Bildungsbürgern“, den „Finanzkram“ als Bildungsnotwendigkeit zu akzeptieren.

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25.03.2014, 13:24 Uhr

Tja Herr Walter, leider muss auch ich Ihnen zustimmen, was die Folgen fehlender Unterrichtsinhalte zu Wirtschaft und Finanzen angeht. Auch zu meiner Schulzeit kamen diese Themen im Unterricht nicht vor. Und es ist sozial außerordentlich ungerecht, dass ein großer Teil der Bevölkerung bei diesen Themen unmündig bleiben muss. Manchmal habe ich jedoch den Eindruck, dass dies so auch gewollt ist, da der Sozialstaat den unmündigen und hilflosen Bürger braucht.
Aber was wollen Sie denn dagegen unternehmen? Bitte beachten Sie, dass Lehrer in Deutschland gemeinhin Beamte sind. Die meisten haben nach der Schule studiert und sind dann wieder an die Schule. Wenn man Glück hat, kam ein Lehrer während seiner Wehr- oder Zivildienstzeit mit der Realität da draußen in Berührung. Ansonsten müssen Beamte weder für irgendwas vorsorgen, noch brauchen sie sonst irgendwelche wirtschaftliche Kompetenz. Beamtete Lehrer sind daher vollkommen ungeeignet, der Jugend auch nur irgendwas zum Thema Wirtschaft und Finanzen beizubringen. Leider gilt dies auch für viele andere Kenntnisse, die man im wirklichen Leben später braucht.

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