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04.02.2014

13:38 Uhr

Der Finanzlotse

Unwissen ist Ohnmacht

VonHerbert Walter

Eine stattliche Mehrheit der Deutschen hat in Finanzfragen keine Ahnung, für sie ist das ein absolutes Tabuthema. Die Politik muss dafür sorgen, dass Finanzwissen schon in den Schulen vermittelt wird.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Warum nur kommen wir beim Thema „persönliche Finanzen“ und unserem Wissen darüber nicht wirklich weiter? Seit Jahrzehnten wird hier zu Lande darüber geklagt, dass die weit überwiegende Mehrheit der Bürger keine Ahnung von Finanzdingen hat. Zudem tragen die Folgen der Finanzkrise aktuell zu diesem Thema bei.

Immer wieder bekommt es medialen Auftrieb, wenn - wie gerade jetzt im Falle Prokon - ein Unternehmen seine vermeintlich „sicheren Anlagen“ nicht zurückzahlen kann. Was hat Prokon denn prinzipiell anders gemacht als weiland Rudolf Münemann mit seiner Darmstädter Getreidehandelsbank?

Münemann bot in den 60er Jahren Unternehmen Kredite mit einer Laufzeit von bis zu 30 Jahren zu einem festen Zinssatz an, die er über kurzfristige Darlehen refinanzierte. Prokon finanzierte Anlagen mit einer Laufzeit von ebenfalls rund 30 Jahren mit kurzfristig kündbaren Genussrechten. Bei Münemann ging das gut, solange die kurzfristigen Zinsen unter den langfristigen lagen, bei Prokon, solange den Anlegern keine Zweifel an der Solidität dieser Finanzierung kamen.

Man muss wirklich kein ausgefuchster Finanzexperte sein, um zu erkennen, dass die kurzfristige Refinanzierung langfristiger Forderungen oder Investitionen mit einem großen Risiko behaftet ist.

Aber nicht nur spektakuläre Pleiten, auch ungezählte Untersuchungen führen uns unser unterentwickeltes Verständnis von elementaren Finanzfragen vor Augen. So kann sich die Mehrheit der Bundesbürger unter dem Zinseszinseffekt nichts vorstellen. Sie weiß nicht, welche Auswirkungen die Inflation auf die Kaufkraft ihres Vermögens oder ihre zukünftige Rente hat.

Bei Bagatellen nehmen wir gern das Sorglos-Paket, wenn es zum Beispiel um Smartphone, Urlaubskoffer oder Brillen geht. Die versichern wir Sicherheitsfanatiker natürlich gegen Diebstahl oder Verlust. Wenn es aber um wirklich wichtige Risiken geht, dann zögern und zaudern wir. Nicht einmal 10 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland haben eine eigenständige Berufsunfähigkeitsversicherung. Kaum besser sieht es bei der Privathaftpflicht aus.

Natürlich hat jeder eine Erklärung dafür parat, warum er bestimmte Risiken nicht abdeckt, nicht für das Alter vorsorgt oder eine falsche Anlageentscheidung getroffen hat: Das teure Leben, das geringe Gehalt, die große Unsicherheit, der falsche Berater und überhaupt etwas, woran andere Schuld sind.

Damit könnte man es bewenden lassen, wenn es nicht seit langem zwei klar erkennbare Trends gäbe: Die Politik verlagert die Risikoabsicherung immer mehr weg vom vordem fürsorglichen Staat hin in den privaten Bereich. Die Leistungsfähigkeit der sozialen Sicherungssysteme lässt kontinuierlich nach, wie es zum Beispiel insbesondere in der gesetzlichen Altersvorsorge zu spüren ist.

Kommentare (11)

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04.02.2014, 13:56 Uhr

Ja - Wissen !!

Solange ein Rürup sich hier produzieren kann mit der idiotischten aller behauptungen -

Geld sei ein Tauschmittel -

solange ist ohnehin alles zu spaet - diesem unterbelichteten Volk ist nicht mehr zu helfen!

jos

Account gelöscht!

04.02.2014, 14:01 Uhr

Einen Teufel wird unsere Regierung tun, weil dann jeder Grundschüler verstehen würde, wie uns Merkel und Schäuble mittels EU und EZB in den ökonomischen Abgrund steuern.

Account gelöscht!

04.02.2014, 14:03 Uhr

"Man muss wirklich kein ausgefuchster Finanzexperte sein, um zu erkennen, dass die kurzfristige Refinanzierung langfristiger Forderungen oder Investitionen mit einem großen Risiko behaftet ist.

Nichts anderes als das, macht doch der Staat.

Er finanziert seine zeitlich gesehen unendlichen Schulden, die niemals zurückgezahlt werden, indem er kontinuierlich neue zeitlich befristete Bonds auflegt. Sobald sich keine neuen "Investoren" finden ist der Staat sofort Pleite.

Ponzi at its best...

Wichtiger als Finanzbildung wäre die Vermittlung von echten konservativen Werten, wie sie früher den Kindern mitgegeben worden sind:
- wer den Pfennig nicht ehrt...
- spare in der Zeit...

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