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17.12.2013

13:49 Uhr

Der Finanzlotse

Was läuft da schief?

VonHerbert Walter

Wir Deutsche schuften wie die Ameisen, wir sparen wie verrückt, aber reich sind wir deshalb noch lange nicht. Das liegt an falschen Sparstrategien. Aber auch an der Politik, die sich für Sparer kaum auszahlt.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Auf 185 Seiten hat die neue Bundesregierung aufgeschrieben, was sie sich für die nächsten fünf Jahre vorgenommen hat. Ganze eineinhalb Zeilen widmet sie dabei einem Problem, unter dem zig Millionen Sparer in Deutschland nun schon seit Jahren leiden: Dem extrem niedrigen Zinsniveau. Man wolle, so heißt es im Koalitionspapier von Schwarz-Rot, Lösungsvorschläge zum Umgang mit den Folgen eines lang anhaltenden Niedrigzinsumfeldes erarbeiten.

Was auch immer darunter konkret zu verstehen ist, notwendig wären Lösungsvorschläge schon. Allenthalben kann man lesen, dass Deutschlands Wirtschaft die leistungsstärkste in Europa ist. Leider gilt das nicht für das Privatvermögen der Deutschen. Gleichgültig wie das nun berechnet wird, mehr als über einen Mittelplatz kommen wir in Europa nicht hinaus.

Spitze in Europa, aber wenig auf der Hohen Kante, wie kann das sein? Dafür gibt es mehrere Gründe: Mit aktuell knapp 46 Prozent ist die Eigentumsquote bei Wohnimmobilien in Deutschland vergleichsweise niedrig. Dadurch ist zwangsläufig auch das Gewicht des Immobilienvermögens im Gesamtvermögen relativ geringer. Hier zu Lande haben Immobilien einen Anteil von rund 50 Prozent am Gesamtvermögen, in vielen Ländern Ost- und Südeuropas liegt diese Quote bei weit über 70 Prozent.

Das allein kann aber die schwache Vermögensposition der Bundesbürger nicht erklären. Das schon deshalb nicht, weil sie ja im Vergleich zu ihren europäischen Nachbarn seit Jahrzehnten nicht weniger, sondern mehr sparen. Mit 16,5 Prozent war die deutsche Sparquote im vergangenen Jahr die höchste in Europa, sie lag rund 50 Prozent über dem EU-Durchschnitt.

Ein Blick in die Statistiken der Deutschen Bundesbank gibt Aufschluss darüber, warum die Deutschen zwar Sparweltmeister sind, aber dabei offensichtlich nicht allzu viel herauskommt. Das Geldvermögen von gut 5000 Milliarden Euro besteht zu mehr als 40 Prozent aus Bargeld und Bankeinlagen. Davon sind allein 720 Milliarden Euro aktuell auf Sparbüchern oder in Sparbriefen angelegt.

Dazu kommen noch Ansprüche der Bundesbürger gegenüber Versicherungen und Pensionskassen in Höhe rund 2000 Milliarden Euro hinzu, die etwa zu 80 Prozent ebenfalls zinsabhängig angelegt sind.

Für Aktien und Anleihen bleibt da nicht mehr viel übrig. Sie haben in den Portfolios der Deutschen nur einen Mickeranteil von fünf beziehungsweise vier Prozent. Einschließlich aller Fonds kommen die börsennahen Anlagen nur auf einen Anteil von weniger als 20 Prozent des gesamten Geldvermögens.

Kommentare (7)

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WILHER

17.12.2013, 14:09 Uhr


Irgendwie wundert mich das nicht. Die Deutschen wählen ja auch immer noch noch diejenigen mit Mehrheit, die den Euro eingeführt haben.
So ganz weit her kann es also nicht mit der Intelligenz der Deutschen bestellt sein.
Und dann bringe man mal der Mehrheit der Deutschen Begriffe wie KGV, KBV etc und deren Interpretation bei.
Da muss man ja verzeifeln.

prestele

17.12.2013, 14:37 Uhr

Sollte Herr Walter vergessen haben, dass der normale Bundesbürger im Rahmen der Privatisierung der Telekomm sowohl von der Regierung wie von den Banken schwer auf's Kreuz gelegt wurden. Haben Banken denn ihren Teil dazu beigetragen in unserem Lande eine Aktienkultur zu entwickeln?

curiosus_

17.12.2013, 14:49 Uhr

@ Herbert Walter

Zitate: „Allenthalben kann man lesen, dass Deutschlands Wirtschaft die leistungsstärkste in Europa ist. Leider gilt das nicht für das Privatvermögen der Deutschen. .. mehr als über einen Mittelplatz kommen wir in Europa nicht hinaus.“

„Spitze in Europa, aber wenig auf der Hohen Kante, wie kann das sein?“

„sie ja im Vergleich zu ihren europäischen Nachbarn seit Jahrzehnten nicht weniger, sondern mehr sparen. Mit 16,5 Prozent war die deutsche Sparquote im vergangenen Jahr die höchste in Europa, sie lag rund 50 Prozent über dem EU-Durchschnitt.“

Bitte erklären Sie mir mal was „dass Deutschlands Wirtschaft die leistungsstärkste in Europa ist“ mit der Höhe des „Privatvermögens der Deutschen“ zu tun haben soll?

Da hätte ich eine logischere Antwort auf Ihre rhetorische Frage „wie kann das sein?“:

Eine exportorientierte Wirtschaft („leistungsstärkste in Europa“) führt über exorbitante Leistungsbilanzüberschüsse (2002 bis 2013: 1600 Mrd. €, derzeit > 7% des BIPs) zu vergleichbar hohen Netto-Kapitalexporten (2002 bis 2013: 1800 Mrd. €). Wen die sich aber nicht in den Privatvermögen niederschlagen (z.B. weil sie in Form von Unternehmensinvestitionen getätigt werden) ist folglich auch das „Privatvermögen der Deutschen“ nicht hoch – und das TROTZ der „leistungsstärksten Wirtschaft in Europa“!

„wie kann das sein?“ - Ganz einfach kann das sein: Eine hohe Quote von wenig (Sparquote vom Einkommen) führt eben nicht zu einem hohen Vermögen! Und die deutsche Wirtschaft ist genau deshalb die „leistungsstärkste in Europa“, weil sie über ein extrem niedriges Preis/Leistungsverhältnis verfügt.

Niedrige Löhne/Gehälter -> niedrige Preise -> niedriges Preis/Leistungsverhältnis -> leistungsstarke Wirtschaft -> hohe Exportüberschüsse.

Niedrige Löhne/Gehälter bei hoher Sparquote -> niedriges Vermögen.

Klingt doch um einiges stringenter als Ihre Ausführungen (auch wenn die für einen Banker durchaus Sinn machen), oder?

Auf Ihre Erwiderung bin ich mal gespannt …..

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