Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.01.2014

10:34 Uhr

Der Finanzlotse

Zurück auf Los?

VonHerbert Walter

Ein solides Fundament ist immer die beste Absicherung gegen Erschütterungen. Wenn Europa die Krise bewältigen will, müssen die Dinge in Ordnung gebracht werden, die verantwortlich für deren Ausbruch waren.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

An diesem Donnerstag wird die Europäische Zentralbank (EZB) die Öffentlichkeit über ihren weiteren geldpolitischen Kurs informieren. Auch wenn es dabei wie gewöhnlich nur um die nächsten Monate gehen dürfte, schießen die Spekulationen doch kräftig ins Kraut.

Was mich an diesen Mutmaßungen irritiert, ist die manchmal kaum verborgene Sympathie dafür, dem Kurs der Notenbanken in den USA, in Großbritannien und Japan zu folgen. Der besteht aus drei Eckpfeilern: Die Druckerpressen sind so geschaltet, dass sie den Banken jede Menge Liquidität quasi zum Nulltarif liefern. Die Währungspolitik ist auf eine Abwertung der heimischen Währung ausgerichtet und die himmelhoch verschuldeten Regierungen werden durch den hemmungslosen Kauf von Staatsanleihen vor dem Bankrott gerettet.

Bei Punkt eins gibt es kaum Unterschiede zwischen EZB und den anderen drei Notenbanken, bei den nächsten beiden Punkten tut sich die EZB aus strukturellen  und politischen Gründen deutlich schwerer.

Oberflächlich betrachtet scheint der Kurs von Fed und Bank of England erfolgreich zu sein. Janet Yellen, die neue Fed-Chefin, hat bereits angekündigt, den geldpolitischen Krisenmodus zu korrigieren, und ihr britischer Kollege, Mark Carney, wird sich demnächst diesem Thema stellen müssen. Nur in Japan will das noch nicht so recht funktionieren, dort ist die Krisenstarre anscheinend unüberwindlich.

Was ich mich nur frage: Ist es eigentlich völlig egal, ob bei einer angestrebten Rückkehr zur geldpolitischen Normalität Staat und Banken auf einem soliden Fundament stehen oder eben nicht? Nein, weil Wirtschaftswachstum ohne wettbewerbsfähige Strukturen und Konditionen im Staats- und Finanzbereich nicht möglich ist.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

07.01.2014, 10:49 Uhr


Zitat : Die öffentlichen Haushalte müssen auf ein belastbares Fundament gestellt werden. Sie müssen wenigstens verkraften können, dass ein Zinsanstieg nicht zu einem unkontrollierbaren Risiko für ihre Finanzlage wird.

- um diesen Zustand zu erreichen, müssten aber vorerst die Staaten "Entschuldet" werden, damit die Zinslast sie nicht erdrückt !

Zu dieser Zielsetzung hat sich neuerdings auch der IWF Gedanken gemacht :

http://www.geolitico.de/2014/01/06/iwf-angriff-aufs-volksvermoegen/


Mazi

07.01.2014, 11:43 Uhr

"„Zurück auf Los“ ist einfach keine Lösung. Wir müssen die Dinge in Ordnung bringen, die verantwortlich für die jüngsten Krisen sind."

Sehr richtig! Aber wo ist "Los"?

Ist "Los" dort, wo die Verschuldung des Staates gesucht wird oder ist "Los" dort, wo fähige Leute auf den verantwortungsvollen Positionen sitzen. Leute, die eigenständig denken können und sich nicht von Lobbyisten treiben lassen?

Es ist eine Unsitte geworden immer wieder Berater für alles Mögliche einzusetzen. Es darf doch niemanden wirklich wundern, wenn sich die Lobbyisten gefordert fühlen.

Letztlich sind wir mit unserem Wirtschaftssystem dort gelandet, wo wir hingehören aber nicht hin gehen wollten.

Wenn Ihre Anlayse, Herr Walter, wirklich stimmt, dann ist doch die Frage, ob unser heutiges Wirtschaftssystem eher einem marktwirtschaftlichen oder kommunistischen Wirtschaftssystem ähnelt? Faktisch haben wir eine DDR 2.0 erreicht. Wollten wir das?

dot

07.01.2014, 20:23 Uhr

Hallo Hr. Walter,

Sie denken sehr europäisch. Sie machen sich um das grosse ganze - in meinen Augen zu Recht - Sorgen. Und ihre Konklusion, die Staatsfinanzen wieder nachhaltig / tragfähig zu halten ist ohne genau das, was jeder interssierte Bürger eh spürt.

Aber Sie sind mir zu europäisch. Zu gross in ihren Hoffnungen!

Die deutschen Banken sollten sich Ihres Klumpenrisikos "Euro" bewusst werden und "deutsch" denken. Die EZB ist zu einer gigantischer Kredit-/Boni-Mischmaschine verkommen. Mit Verlaub! Jedes Giroguthaben deutscher Banken bei EZB ist deshalb in Gefahr abgeschrieben werden zu müssen, falls die Staaten nicht bereit sind die Anleihen zu bedienen,

Deshalb wäre in meinen Augen der erste wichtige Schritt "deutsch" zu denken und alle Giroguthaben deutscher EZB-Einleger abzuziehen und alternativ zu investieren.

Deutsche Banken, die Euro-Guthaben bei der EZB haben, laufen sonst Gefahr sich ähnlich wie bei der US-Subprime Krise mit AAA-bewertete Euros andrehen zu lassen, obwohl dahinter ein Sammelsurium dieverser Bonitäten ist.

Denken Sie bitte an Deutschland. Und danach erst an den Euro und Europa oder die Welt!

MFG

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×