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22.01.2010

08:00 Uhr

Der Globalist

Der „Davos Man“ braucht dringend eine Denkpause

VonTorsten Riecke

In der nächsten Woche beginnt im Schweizer Bergort Davos das alljährliche Brainstorming der globalen Elite. Das diesjährige Motto des World-Economic-Forums „Rethink, Redesign, Rebuild“ zeugt von großer Leere in den klügsten Köpfen auf dem Globus.

In der nächsten Woche beginnt im Schweizer Bergort Davos das alljährliche Brainstorming der globalen Elite. Das diesjährige Motto des World-Economic-Forums „Rethink, Redesign, Rebuild“ zeugt von großer Leere in den klügsten Köpfen auf dem Globus. Hatte man sich ein Jahr zuvor noch zum Ziel gesetzt, die Welt nach der Krise zu formen, geht man in diesem Jahr zwei Schritte zurück und will noch einmal von vorn beginnen.

Zunächst hatten Manager, Politiker und Wissenschaftler noch gehofft, man könnte nach einem halbwegs erfolgreichen Krisenmanagement an die goldenen Zeiten des vergangenen Booms anknüpfen. Allmählich wächst jedoch die Einsicht, dass es damit nicht getan ist. Zu viele vermeintliche Gewissheiten sind ins Wanken geraten.

Vor einem Neubeginn steht vor allem die Ökonomie als Wissenschaft. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat so viele Glaubenssätze der einstmals herrschenden Lehre aus den Angeln gehoben, dass unsere Wissenslücke über das Funktionieren der Märkte größer denn je erscheint. Oder um es mit Sokrates zu sagen: Die Ökonomen sollten jetzt wissen, was sie nicht wissen. Klar scheint nur, dass die Finanzmärkte nicht effizient, geschweige denn rational funktionieren. Will die Ökonomie einen Erkenntnisgewinn erreichen, der für das Leben der Menschen relevant ist, muss sie sich vom Leitbild der Naturwissenschaften verabschieden. Wirtschaft ist eine soziale Veranstaltung. Hat man das einmal akzeptiert, kann sich die Ökonomie ohne Berührungsängste ihren Nachbarwissenschaften wie der Psychologie öffnen.

Neu nachdenken muss die Elite auch über ihr Verhältnis zur Ethik. Nicht erst in der Finanzkrise ist vielen Managern der moralische Kompass abhanden gekommen. Schon in der Dotcom-Ära und während der Bilanzskandale rund um den US-Konzern Enron zeigte sich, dass das Berufsethos in der Wirtschaft vielerorts zum Fremdwort geworden ist. Erlaubt ist, was nicht verboten ist. Nach diesem Motto wird auch heute noch gehandelt. Die unselige Debatte über die Boni der Banker zeigt das deutlich. Es ist jedoch ein Irrglaube, der Staat könnte ethisches Verhalten in der Wirtschaft mit unzähligen Regeln erzwingen. Nur wenn es die Spitzenmanager schaffen, ein neues Berufsethos zu entwickeln und dieses dann auch persönlich vorzuleben, wird die Wirtschaft auf den rechten Pfad zurückfinden. Dies ist für die globale Elite kein Luxusproblem, sondern eine Überlebensfrage. Ohne eine neue Wirtschaftsethik verliert die Führungsschicht ihre gesellschaftliche Akzeptanz.

In sich gehen muss in Davos auch der Westen. Noch hat er seine neue Rolle in einer Weltwirtschaft nicht gefunden, in der sich das Machtzentrum langsam, aber sicher nach Osten verschiebt. Ungeklärt ist vor allem sein Verhältnis zur aufstrebenden Supermacht China. Das bisherige Kalkül, mit der wirtschaftlichen Freiheit würden im Reich der Mitte auch die persönlichen Freiheiten wachsen, geht jedenfalls nicht auf. Europäer und Amerikaner halten zwar öffentlich gern die Fahne der Menschenrechte hoch, hinter dem Rücken jedoch die wirtschaftliche Hand auf. Peking hat diese Doppelzüngigkeit längst durchschaut. Google versucht mit seiner Drohung, sich aus China zurückzuziehen, jetzt erstmals, westliche Werte mit wirtschaftlichen Interessen wieder in Einklang zu bringen. Ob das gelingt, hängt davon ab, ob andere dem Beispiel folgen. Nur wenn der Westen gegenüber China bereit ist, seine Interessen selbstbewusst durchzusetzen, wird er trotz abnehmender wirtschaftlicher Bedeutung auch künftig eine führende Rolle in der Welt spielen.

Kommentare (6)

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Manfred

22.01.2010, 12:19 Uhr

Klar, es sind die klügsten Köpfe der Welt.Genau wie alle Spitzenpolitiker dieser Welt studierte,erfahrene und klügsten Köpfe der Welt sind.Trotzdem herrscht auf der gesamten Welt Chaos,Krieg,Korruption und Hilflosigkeit.Warum und wieso, wo doch die klügsten und besten Köpfe weltweit regieren? Weil unter ihnen nicht einer, nicht ein einziger ist der Weisheit und Erkenntnis hat.

Dingeldein

22.01.2010, 13:52 Uhr

Nun, ich denke, Google zieht sich zurück weil es in China wirtschaftlich nicht so erfolgreich sind wie sie sein möchten. Da bildet die politische Szenerie eine gute Abgangsmöglichkeit.

morchel

22.01.2010, 18:30 Uhr

Davos Man !
Europa vesinkt ökonomisch,wachstum asien china indien hut ab.wir sollten uns noch weiter mit uns der krise und den kollaps nach der gier beschäftigen,die zeit ist über uns hinweg gegangen ach das wisst ihr schon also geht wieder heim es gibt schon genug redner die nichts zu sagen haben.lasst uns einfach weiter altern die pfründe der vergangenheit verprassen und der jugend das leben so schwer wie möglich machen,innovation fehlanzeige,worüber reden ältere menschen so ab 40 zählt man schon in der arbeitswelt dazu arbeitslosigkeit hartz 4 billiglohn angst vor der zukunft verlogene politik krieg perspektiven die es nicht gibt profit macht geld alles prikeld,also auf zu neuen ufern jugend bezahlt die hinterlassenschaften der atomenergie der bänker und lobbyisten,wachstum findet woanders statt

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