Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.01.2011

10:56 Uhr

Der Globalist

Warum Walter Eucken der Star von Davos wäre

VonTorsten Riecke

Amerika hat weder wirtschaftlich noch moralisch den Schwellenländern viel entgegenzusetzen .Höchste Zeit, dass Deutschland für eine Soziale Marktwirtschaft wirbt.

Torsten Riecke ist Korrespondent in Zürich. Quelle: Nik Hunger

Torsten Riecke ist Korrespondent in Zürich.

Es ist wieder so weit: Die globale Elite aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft versammelt sich in der kommenden Woche im Schweizer Bergort Davos zum 41. World Economic Forum (WEF). Viele der 2500 Teilnehmer wollen in vier Tagen das nachholen, wozu sie im hektischen Alltag meist nicht kommen. Nachdenken, diskutieren, zuhören. Aufmerksam zuzuhören wird in diesem Jahr besonders wichtig sein. Geht es doch nach dem Willen des Forums darum, gemeinsame globale Normen zu finden, um die Welt wieder in Ordnung zu bringen.

Dabei werden östliche und westliche Wertvorstellungen erstmals auf Augenhöhe aufeinanderprallen. Das höfliche Ringen diese Woche zwischen dem chinesischen Präsidenten Hu Jintao und Barack Obama um Handelsdefizite, Währungsdumping und Menschenrechte gab bereits einen Vorgeschmack darauf. Sowohl jetzt in Washington als auch nächste Woche in Davos wird deutlich, dass sich mit der wirtschaftlichen auch die moralische Macht von West nach Ost und von Nord nach Süd verschiebt.

Dass sich der Westen nach der von ihm ausgelösten Finanzkrise in der Defensive befindet, wird sich auch auf den Podien in Davos widerspiegeln. Wurde das Treffen in früheren Jahren von angelsächsischen Vertretern mit ihrer Agenda "So viel Markt wie möglich, so wenig Staat wie nötig" dominiert, geben jetzt Vertreter aus den Schwellenländern den Ton an. Und der heißt allzu oft: "So viel Staat wie möglich, so wenig Markt wie nötig."

Amerika hat dem im Moment nur wenig entgegenzusetzen. Nicht Obama hält die Eröffnungsrede in Davos, sondern der russische Präsident Medwedjew. Auch das ist ein Zeichen. Dabei wäre es gerade heute wichtig, da der Staat wieder überall auf dem Vormarsch ist, dass sich die Führungsmacht des Westens in der Debatte über neue Werte zu Wort meldet. Nicht arrogant, aber doch selbstbewusst sollte Amerika daran erinnern, dass geistige Freiheit die Voraussetzung für wirtschaftliche Freiheit ist. Dass Unternehmertum und Erfindungsgeist nur in einer Demokratie gedeihen können. Der österreichische Ökonom Friedrich August von Hayek hat in diesem Zusammenhang von der Interdependenz der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ordnung gesprochen.

Da Amerika aber innerlich zerrissen und zerstritten ist, kommt es auf Europa an. Doch bislang ist die Stimme des Kontinents kaum vernehmbar. Dabei hätten Europa und allen voran Deutschland durchaus etwas einzubringen in die Wertedebatte. Nicht nur weil Deutschland wirtschaftlich weitaus besser dasteht als die meisten Industrieländer. Sondern weil wir mit der Sozialen Marktwirtschaft ein bewährtes Modell anbieten können.

Wie wäre es, wenn sich Angela Merkel, Wolfgang Schäuble und Rainer Brüderle in Davos auf Walter Eucken und die Freiburger Schule beriefen und einen Staat forderten, der zwar die Spielregeln setzt, sich ansonsten aber aus der Wirtschaft heraushält?

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Asoziale Neocons Marktwirtschaft

23.01.2011, 15:21 Uhr

Aber bitte für die soziale Marktwirtschaft der alten vor dem Mauerfall bundesrepublik Deutschland, nicht die, welche die iNSM propagiert und die nur der Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft durch Leiharbeit und Menschenhandel dient und nur den Profit zum Mittelpunkt jedes wirtschaftlichen Handelns stellt. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, alles andere ist eine große Schweinerei und untergräbt die Sozial- und Rentensysteme.

Hans

23.01.2011, 23:46 Uhr

Wunderbar! jetzt, nachdem der Staat bzw. die Stuerzahler die banken und Anleger gerettet haben, kann sich der Staat wieder raushalten. Dümmer gehts wohl nicht Herr Riecke. Wer heute noch an die Wirksamkeit des Marktes glaubt, dem ist nicht mehr zu helfen. Deutschland steht, wenn man die Gewinnmarsche der Unternehmen mit dem allgemeinen Wohlstand vergleicht eben nicht gut da. Deutschland ist zudem zu sehr von der Weltkonjunktur abhängig. Ebenso irreführend ist es, wenn man behaupten würde, in Deutschland sei die Soziale Marktwirtschaft Grundlage unseres Wirtschaftshandelns. Deutscland hat mit seiner Politik der letzten 10 Jahre den Sozialstaat und seine Grundlagen immer mehr erstört. Wäre es nicht zu der Finanz- und Wirtschaftskrise gekommen, hätte der marktradikale irrweg sich weiter fortgesetzt. Der Staat muss sich von seinen rein ordnungspolitischen Aufgaben verabschieden und der Finanz- und Wirtschaftwelt einen Rahmen geben, der einen nachhaltigen sozialen Ausgleich gewährleistet. Die Vorstellungen, der Markt würde alles von selbst regeln hat sich als schädlich und naiv herausgestellt. Die Jahre der Dumpglöhne und Sozialkürungen haben n Deutschland zu Armut und sozialen Verwerfungen geführt. Die seit Jahren betriebene Umverteilung von niedrigen und mittleren Einkommen hin zu hohen Einkommen, haben gerade zu der Finanzkrise geführt, weil diese Anhäufung von Kapital in bereits volle Kassen zur Eröffnung der weltweiten Finanzkasinos fühen musste. Dies als Vorbild für wirtschaftliches Handeln in Davos zu presentieren wäre eine Verhöhnung der Steuerzahler und der Menschen, die die verzockten Renditen erwirtschaftet haben und weiter erwirtschaften müssten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×