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12.08.2014

10:24 Uhr

Der Transformer

Algorithmen in der Grundschule

VonNico Lumma

Revolution an der Schule: England macht Programmieren zum Pflichtfach. Auch in Deutschland wäre das nötig – schon damit die Kinder verstehen, was die Welt bestimmt. Doch hier wird das Geld lieber in Papier investiert.

Nico Lumma ist freier Berater und gehört zu den wichtigsten Internet-Köpfen in Deutschland.

Nico Lumma ist freier Berater und gehört zu den wichtigsten Internet-Köpfen in Deutschland.

In England beginnt mit dem neuen Schuljahr etwas, was in Deutschland derzeit undenkbar ist: Es wird für alle Schülerinnen und Schüler zwischen 5 und 15 Jahren verbindlich das Schulfach Programmieren geben.

Dieser Schritt erfolgte vor allem aus zwei Gründen. Die konservative (sic!) Regierung in Großbritannien hatte erkannt, dass die Schülerinnen und Schüler in internationalen Vergleichen immer weiter den Anschluss verlieren. Der zweite Grund ist allerdings noch viel naheliegender: Untersuchungen hatte ergeben, dass die klassische Art des Informatikunterrichts vor allem die Vermittlung von Office-Kenntnissen beinhaltete und dies sowohl die Schülerinnen und Schüler, als auch die Lehrer langweilte.

Also verkündete Education Secretary Michael Gove im Juli vor einem Jahr einen neuen Lehrplan mit einem Pflichtfach Programmieren. Gove hat zwei Kinder im Teenager-Alter und weiß daher vermutlich recht gut, wie der Unterricht in der Praxis aussieht.

In Deutschland wäre so etwas nicht möglich, nicht nur wegen des föderalen Systems, sondern weil der Druck von Elterninitiativen, Lehrerverbänden und anderen Besitzstandswahrern viel zu groß werden würde. Auf den Stress können die meisten Bildungspolitiker verzichten. Daher werden auch 2014 lieber Pilotschulen vorgestellt, die mit Tablets ausgestattet werden, anstatt mal wirklich etwas Neues zu wagen.

Dabei sorgt eine frühe Beschäftigung mit dem Programmieren für die Lösung eines Problems, das dieser Tage angeregt diskutiert wird: Es gibt zu wenig Frauen, die programmieren können. Dementsprechend gibt es auch viel weniger Frauen, die im IT-Bereich Start-ups gründen und einen generellen Männerüberhang in vielen Berufsfeldern der Kreativwirtschaft.

Führt man Mädchen und Jungen frühzeitig an das Programmieren heran, bekommen sie nicht nur ein Verständnis davon, wie sehr Software viele Aspekte des Lebens bereits jetzt schon beeinflusst, sondern nähern sich dem Thema spielerisch und unvoreingenommen, ohne in überkommende Rollenmuster zu verfallen.

Kommentare (8)

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Herr Jens Kaup

12.08.2014, 11:34 Uhr

Warum Programmieren nicht Unterrichtsfach ist, daß habe ich mich schon zu meiner Schulzeit gefragt. Ich bin Jahrgang 1965. Dabei müßte das erstellen von eigenen "Apps" doch für Schüler hochattraktiv sein.

G. Nampf

12.08.2014, 11:51 Uhr

"Es ist geradezu lächerlich, dass immer noch nicht jedes Kind ein Tablet zur Verfügung gestellt bekommt."

Damit sie sich von klein auf ans Überwacht-werden gewöhnen und vor dem Tablet ers abstumpfen und dann verblöden. Ansonsten könnten sie ja auf die Idee kommen, eigene Gedanken zu entwickeln und sich zu mündigen Bürgern zu entwickeln.

Vielleicht sehen Sie die Dinge doch ein bißchen zu stark aus der Nerd-Perspektive.

Herr Hans Kammerer

12.08.2014, 11:55 Uhr

Die Wahrheit ist doch, dass wir in Deutschland die Lehrpläne der Schüler mit vielen unnützen Pflichtfächern zugemüllt haben. Wahlmöglichkeiten gibt es nur sehr beschränkt.
Wozu auch solch unnütze Dinge wie Informatik, Rechtskunde, Finanzen, Betriebswirtschaft, Strafrecht, etc. lehren wenn man stattdessen doch von der 1. bis zur 10. Klasse Musik, Bildende Kunst, Religion lehren kann.
Da lobe ich mir das System der Amerikaner. Auch diese haben einen gewissen Pflichtfachkatalog. Daneben kann man jedoch schon ziemlich früh diejenigen Fächer, die einen wenig interessieren beiseite legen und stattdessen sich auf dies konzentrieren, was einem auch wirklich Spaß macht. So entstehen Mathe, Chemie und Physik - Cracks.

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