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10.06.2014

09:54 Uhr

Der Transformer

ARD und ZDF springen gefesselt in die Zukunft

VonNico Lumma

Die öffentlich-rechtlichen Sender verschlafen die Zukunft. Diskutiert wird über die Tagesschau-App, aber nicht über innovative Formate. Dabei könnten ARD und ZDF wichtige Dienste leisten – etwa als Facebook-Ersatz.

Nico Lumma ist freier Berater und gehört zu den wichtigsten Internet-Köpfen in Deutschland.

Nico Lumma ist freier Berater und gehört zu den wichtigsten Internet-Köpfen in Deutschland.

Das Verhältnis zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland ist schon paradox. Einerseits ist das Wehklagen über die Haushaltsabgabe groß, andererseits wird den Anstalten der Sprung ins digitale Zeitalter nur mit zusammengebundenen Schnürsenkeln erlaubt.

Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) kümmert sich vornehmlich um die Realisierung von Einsparpotentialen und sorgt damit beispielsweise für eine Umgewichtung von angestellten Redakteuren hin zu freien Mitarbeitern. Sie nutzt aber nicht die Möglichkeiten des Finanzrahmens, um den Sender neue Perspektiven zu ermöglichen.

Idiotischerweise gehen wir in Deutschland sogar noch weiter und beschneiden die öffentlichen-rechtlichen Anstalten, indem sie zur sogenannten Depublizierung von Inhalten verpflichtet werden – Videos müssen nach einiger Zeit wieder aus dem Netz verschwinden. Das zeugt gleichermaßen von einem geringen Verständnis von der Digitalisierung der Medien wie von einem Kotau vor den ebenfalls auf dem Markt agierenden Medienhäusern.

Klassische Verlage und private Fernsehsender entwickeln sich zu crossmedialen Medienhäusern, das sollte man auch von ARD und ZDF nicht nur erwarten, sondern aktiv vorantreiben.

Wenn wir die Perspektive eines zahlenden Nutzers einnehmen, dann ist es lange überfällig, dass wir anfangen zu diskutieren, wie denn der öffentlich-rechtliche Rundfunk in der Zukunft aussehen sollte. Dabei geht es um mehr als die Frage, ob die Tagesschau eine App haben darf und wie viel Text-Anteil diese haben kann, sondern generell um die Herausforderung, aus einem großen Apparat heraus in immer schneller werdenden Zyklen innovative Formate zu entwickeln.

Die deutschen Medienhäuser sind da vergleichsweise fein raus, sie gründen Inkubatoren oder Acceleratoren, um Start-ups zu unterstützen. So binden sie frühzeitig junge, innovative Menschen an das Unternehmen und lassen diese neue Formate entwickeln, die zum Angebot eines Medienhauses neuer Prägung passen können.

Derweil wird in der Politik und in den Führungsetagen der öffentlich-rechtlichen Anstalten diskutiert, ob wir einen eigenen Jugendsender in Deutschland benötigen. Natürlich nicht: Während die jugendliche Zielgruppe lineare Formate immer weniger wahrnimmt und die Kombination von Whatsapp und Youtube für zeitnah kuratierte Inhalte sorgt, wird weiter versucht, mit der Denke des 20. Jahrhunderts auf die Bedürfnisse einer Zielgruppe zu reagieren. Das kann nur schiefgehen.

Kommentare (4)

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10.06.2014, 10:13 Uhr

GEZ Gebühren abschaffen und diese besonderen anstalten in den freien Wettbewerb schicken, dann wären genau diese Probleme gelöst.

Account gelöscht!

10.06.2014, 10:21 Uhr

von der Rückzahlung der Zusatzeinnahmen würde niemand profitieren ?
Naja, ausser allen Beitragszahlern eben.
Und die Bürger sollen politische Themen nicht mehr frei sondern
nur noch auf staatlichen Platformen diskutieren ? Am besten
mit der bereits bei den Foren von ARD/ZDF installierten Zensur
die bei Kritik an der Regierung und der EU Kommentare entfernt
oder das Kommentieren gleich ganz abschaltet.

Account gelöscht!

10.06.2014, 10:42 Uhr

Die Einnahmen von ARD und ZDF sind mehr als ausreichend, um ihre Auftrag nachzukommen. Leider ziehen es diese Sender vor den Privatsendern nachzueifern und den Quoten hinterher zu laufen.

Wer Zwangsgebühren erhält sollte Klasse statt Masse liefern.

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