Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.09.2014

14:13 Uhr

Der Transformer

Der Tag, an dem das Internet gebremst wird

VonNico Lumma

Wenn's mal wieder länger dauert, liegt das manchmal an der Internetverbindung. Viele prominente Websites wollen morgen auf das Problem aufmerksam machen – und demonstrieren gegen das Zwei-Klassen-Internet.

Nico Lumma ist freier Berater und gehört zu den wichtigsten Internet-Köpfen in Deutschland.

Nico Lumma ist freier Berater und gehört zu den wichtigsten Internet-Köpfen in Deutschland.

Warten, warten, warten: Auf vielen Websites wird morgen ein rotierender Kreis zu sehen sein – er zeigt Nutzern gewöhnlich an, dass sie noch Geduld haben müssen. Dabei laden die Inhalte nicht langsamer als sonst, den Betreibern von Reddit, Foursquare, Video und Wordpress geht es um etwas anderes. Am „Internet Slowdown Day“ wollen sie davor warnen, Überholspuren im Internet einzuführen – sie fordern die Bewahrung der Netzneutralität.

Das Prinzip ist ein Fundament des heutigen Internet. Darunter wird die Gleichbehandlung aller Daten im Netz verstanden: Internet-Anbieter wie die Deutsche Telekom müssen alle Datenpakete gleichberechtigt durch ihre Leitungen schicken, unabhängig von Herkunft und Inhalt. Doch die Konzerne fordern eine Abkehr von diesem Prinzip, um priorisierte Dienste anbieten zu können: Wer mehr zahlt, hat auf der Daten-Autobahn Vorfahrt. Andere müssen womöglich warten. Auch in Deutschland tobt die Debatte – dabei hätte die Politik diese verhindern können.

Früher wollten die Internetanbieter dafür sorgen, dass möglichst viele Menschen „drin“ sind. Mittlerweile müssen sie die Nachfrage nicht mehr stimulieren, laut der aktuellen ARD/ZDF Online-Studie sind 79,1 Prozent der Bundesbürger online. Nun stehen Telekom, Vodafone und Co aber vor einer anderen Herausforderung: Immer mehr Daten fließen durch die Leitungen, die Infrastruktur wird immer mehr ausgelastet. Also fordern Telekommunikationsanbieter immer wieder die Aufweichung der Netzneutralität.

Eigentlich müsste es die Debatte um die Netzneutralität in Deutschland gar nicht geben, wenn die Politik in den letzten zehn Jahre mehr für die digitale Infrastruktur getan hätte. Nun will die Bundesregierung zumindest eine flächendeckende Bandbreite von 50 Megabit pro Sekunden (Mbit/s) gewährleisten.

Dieses unterambitionierte Ziel erreicht Kabelminister Dobrindt allerdings nur, wenn die Provider mitziehen. Denn allen Beteuerungen zum Trotz, wie wichtig die digitale Infrastruktur doch sei, hat Dobrindt es nicht geschafft, Finanzminister Wolfgang Schäuble davon zu überzeugen, die notwendigen Milliarden aus dem Bundeshaushalt für Investitionen bereitzustellen. Also ist Dobrindt darauf angewiesen, dass die Provider mehr investieren. 

Die Provider allerdings koppeln das an die Frage der Netzneutralität. Unter dem Deckmantel der Servicequalität bzw. der Einführung neuer Spezialdienste wollen sie mehr Umsätze mit ihren Kunden machen und gleichzeitig die Möglichkeit bekommen, Inhalte-Anbieter zur Kasse zu bitten. In den USA hat Netflix bereits mit zwei Providern Zuleitungsverträge abschließen müssen, weil ansonsten die Bandbreite für die Nutzer nicht gesichert gewesen wäre. Obwohl die EU in einer Verordnung das Zwei-Klassen-Internet verhindern will, versuchen die Provider derzeit alles, um die Bundesregierung zur Aufweichung der Netzneutralität zu bewegen.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Fred Meisenkaiser

09.09.2014, 14:19 Uhr

"Nun will die Bundesregierung zumindest eine flächendeckende Bandbreite von 50 Megabit pro Sekunden (Mbit/s) gewährleisten. "
Im Sinne der Netzbetreiber setzt sie dabei aber auch auf Funk. Und dort ist das Überlastungsproblem prekär. Es dürften nur Kabellösungen gefördert werden!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×