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18.11.2014

15:05 Uhr

Der Transformer

Die Banken schaffen sich ab

VonNico Lumma

Während wir uns in Europa noch immer erstaunt wundern, wie man die Einführung von IBAN und BIC als verbraucherfreundlichen Fortschritt verkaufen kann, wird im Silicon Valley die Bank an sich in Frage gestellt. 

Nico Lumma ist freier Berater und gehört zu den wichtigsten Internet-Köpfen in Deutschland.

Nico Lumma ist freier Berater und gehört zu den wichtigsten Internet-Köpfen in Deutschland.

Bisher kannte man Snapchat vor allem für kompromittierende Fotos, die sich selbst löschten, oder für spaßige Nachrichten, die keine lange Halbwertszeit benötigen. Nun werden die Snapchat-Nutzer in den USA in die Lage versetzt, sich auch kleine Geldbeträge per Nachricht zu schicken. Möglich wird das durch eine Kooperation mit Square Cash, einem amerikanischen Dienstleister für bargeldloses Bezahlen. Die Kooperation hat Potential: Snapchat hat 100 Millionen monatliche Nutzer, Square Cash hat jahrelange Erfahrung mit der Abwicklung von Geldgeschäften.

Es ist eine Allianz, die vor allem die klassischen Banken herausfordert. Während die Branche über die Sicherheit von eTAN, iTAN, SmartTAN diskutiert, entwickeln Internetkonzerne wie Apple, Google und Paypal, aber auch Start-ups die Zahlverfahren der Zukunft.

Dabei mögen es die Kunden auch bei der Bezahlung vor allem praktisch. Nutzwert hat die Sicherheit als wichtigsten Kriterium für die Anbieterwahl abgelöst. Besonders wenn es - wie bei Snapcash - nur um kleine Beträge geht, die von einer Guthabenkarte abgebucht werden können. Wie anachronistisch wirken da im Vergleich die immer noch weit verbreiteten horrenden Gebühren beim Abheben an Geldautomaten oder die Überweisungsformulare, die kein @-Zeichen zulassen!

Weil sie den Anschluss an das moderne Banking verpassen, drohen die klassischen Banken auch den direkten Kontakt zu ihren Kunden zu verlieren. Diese wollen zwar bargeldlos zahlen, aber nicht so, wie die Bank es gerne hätte. Darum greifen sich auf die neuen Bezahlsysteme zurück - von Paypal über Apple Pay bis zu Snapchat. Die Bank rückt in den Hintergrund, wird zur Schnittstelle, zum Abwickler - und verliert ihr Gesicht.

Die herkömmlichen Kontoauszüge dokumentieren, dass die Banken immer noch in einer anderen Welt leben. Einer Welt, bei der das Zahlen per Cash die Normalität ist. Es fällt schwer, auf einem klassischen Kontoauszug den Überblick über die unzähligen Mikrotransaktionen im Monat zu behalten. Und längst haben sich andere Marktteilnehmer aufgemacht, dieses Problem für die Banken zu lösen, wie z.B. das Startup Figo

Damit wird der bargeldlosem Zahlungsverkehr über Smartphones und Apps auch in Deutschland künftig an Akzeptanz gewinnen. Noch sind Verbraucher hierzulande zurückhaltend, aber auch die Deutschen mögen es praktisch. Darum wird das Bargeld in der Geldbörse seltener, stattdessen werden kleine Beiträge einfach so mit dem Smartphone bezahlen. Reagiert die Branche jetzt nicht, droht sie sich selbst abzuschaffen - die Türme in Frankfurt werden noch ordentlich wackeln.

Nico Lumma arbeitet als selbstständiger Berater und Autor in Hamburg und ist Mitglied der Medien- und netzpolitischen Kommission des SPD Parteivorstandes. Er bloggt auf lumma.de.

Kommentare (8)

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Herr Bernd Mayer

18.11.2014, 15:26 Uhr

"Während wir uns in Europa noch immer erstaunt wundern, wie man die Einführung von IBAN und BIC als verbraucherfreundlichen Fortschritt verkaufen kann"
Ganz einfach weil man mit uns dummen Europäer alles machen kann !! Siehe TTIP, CETA usw...

Hermann Froesch

18.11.2014, 15:34 Uhr

Das mag ja alles richtig sein und für IT-Freaks gelten und für die Leute im Silicon Valley. Der Durchschnitts-USA-Bürger lebt noch im Zahlsystem der Steinzeit. Er bezahlt seine Rechnungen überwiegend mit Schecks. Z. B. erhalten die Versorgungsbetriebe am Monatsende die Schecks lastwagenweise.

G. Nampf

18.11.2014, 15:45 Uhr

Ich werden nicht im Traum daran denken, jede meiner Bezahlungen so zu gestalten, daß Apple und Google den Überblick über meine Kauf-Gewohnheiten bekommen, auch nicht, wenn irgendwelche Nerds glauben, man müsse das so machen, weil es modern ist.

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