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19.08.2014

14:43 Uhr

Der Transformer

Die zwei Welten des Internets

VonNico Lumma

Dagi Bee, Sami Slimani oder Y-Titty: Die Stars der neuen Medienkanäle kennen nur die wenigsten, die dem Jugendalter entwachsen sind. Werbetreibende sollten sich dennoch mit den neuen Formaten auskennen.

Nico Lumma ist freier Berater und gehört zu den wichtigsten Internet-Köpfen in Deutschland.

Nico Lumma ist freier Berater und gehört zu den wichtigsten Internet-Köpfen in Deutschland.

Wenn mehr als 10.000 junge Leute in die Lanxess Arena in Köln strömen, um Stars zu bejubeln, von denen man als Vater nur von seinen Kindern gehört hat, dann sind wieder die Videodays in Köln. Die Veranstaltung am vergangenen Wochenende war das größte Youtuber-Treffen Europas und zeigt damit eindrucksvoll die Entwicklung der Reichweite von Youtube auf. 

Die Videodays machen jedes Jahr wieder deutlich, was wir eigentlich schon seit vielen Jahren wissen: Die klassischen Gatekeeper für Inhalte bekommen immer mehr Konkurrenz, weil es Amateuren immer leichter gemacht wird, professionelle Inhalte zu erstellen und für eine Verbreitung zu sorgen.

Die dadurch entstehenden Nischen sind für die jeweilige Zielgruppe hochrelevant, für alle anderen eher egal. Das Kontrastprogramm dazu sieht man in den öffentlich-rechtlichen Sendern, die ihre Jugendformate in eigene Spartenkanäle auslagern, wo sie niemand sieht und das Hauptprogramm für die Generation 60 plus senden. Das sieht man schon allein am Werbeblock vor der „Heute“-Sendung.

Diese Zersplitterung ist allerdings nichts Schlimmes, sondern sorgt nur für ein vielfältigeres Medienangebot, was natürlich traditionellen, am Mainstream orientierten Medienhäusern zu schaffen macht. Für die Nutzer hingegen bedeuten die neuen Formate, dass sie immer mehr Zeit jenseits der Massenmedien verbringen und sich dennoch sehr gut unterhalten fühlen. 

Man kann natürlich auch kulturpessimistisch zu Werke gehen und diese Entwicklung ablehnen. Nach dem Motto, dass die Jugend von heute einen anderen Geschmack hat als wir damals, als alles besser war und wir nichts hatten.

Es ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Aufmerksamkeitsökonomie dafür sorgt, dass wir alle das Web unterschiedlich nutzen und durch unsere Verknüpfungen unterschiedlichsten Inhalten Aufmerksamkeit schenken. Man kann das Entstehen neuer Formate auf Youtube quasi in Echtzeit mitverfolgen, denn sie sind immer auch gleich für alle verfügbar, was man von den nachgefragten Inhalten zu meiner Jugendzeit nicht immer behaupten konnte.

Was vor zehn Jahren in Deutschland mit Blogs begann, wird nun auf Youtube reichweitenstark ausgebaut: Es entstehen neue Formate, die von Nutzern erstellt werden und die damit neue, zielgruppengerechte Medienmarken schaffen.

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