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25.11.2014

16:46 Uhr

Der Transformer

Ein eigener Chef fürs Digitale

VonNico Lumma

Die digitale Revolution macht vor den Chefetagen nicht halt. Das erkennt man daran, dass ein Vorstandsposten immer mehr in Mode kommt: der Chief Digital Officer. Sein Job ist es, sich überflüssig zu machen.

Nico Lumma ist freier Berater und gehört zu den wichtigsten Internet-Köpfen in Deutschland.

Nico Lumma ist freier Berater und gehört zu den wichtigsten Internet-Köpfen in Deutschland.

Die Jobbezeichnung dürfte für viele noch ungewöhnlich klingen: Chief Digital Officer, kurz CDO. Doch eine Reihe von Unternehmen hat diese Position bereits eingeführt, zuletzt auch der Dax-Konzern SAP: Beim Software-Konzern ist der bisherige Marketingchef Jonathan Becher künftig als CDO für den neu geschaffenen Geschäftsbereich SAP digital zuständig.

Natürlich fragt man sich, warum 25 Jahre nach der Erfindung des World Wide Web nun ein Chief Digital Officer die Digitalisierung in den Unternehmen vorantreiben soll, wo es doch bereits den Posten des Chief Technology Officer und des Chief Information Officer gibt. Die Gefahr ist durchaus vorhanden, dass sich ähnlich wie beim Thema Innovation nun alle zurücklehnen und den dafür zuständigen Vorstand machen lassen.

Aber es gibt einen guten Grund, warum der Posten des CDO für große Unternehmen immer relevanter wird: Das digitale Geschäft wird immer komplexer. Daher ist immer häufiger eine zentrale Instanz von Nöten, die dafür sorgt, dass nicht nur die Technik funktioniert, sondern auch die Produkte und die Kundenansprache so abgestimmt sind, dass sie über alle digitalen Produkte hinweg eine gewisse Kohärenz bieten. Die Chief Digital Officer sorgen also für eine Bündelung von Themen, die sonst in den jeweiligen Spezialdisziplinen separat betrachtet werden.

Wir werden in den nächsten fünf Jahren sehen, dass erst die Nachfrage nach Chief Digital Officers steigen wird und immer mehr große Unternehmen diesen Posten schaffen. Sobald der CDO etabliert ist, macht er sich allerdings nach und nach überflüssig, denn mit zunehmendem Grad der Digitalisierung der Unternehmen werden die Prozesse im Unternehmen automatisch besser auf die digitalen Herausforderungen abgestimmt.

Gerade der deutsche Mittelstand ist gut beraten, durch die Schaffung eines CDO Vorstandsposten die Digitalisierung des Unternehmens mit allerhöchster Aufmerksamkeit voranzutreiben, ohne die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen.

Nico Lumma arbeitet als selbstständiger Berater und Autor in Hamburg und ist Mitglied der Medien- und netzpolitischen Kommission des SPD Parteivorstandes. Er bloggt auf lumma.de.

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