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05.08.2014

13:27 Uhr

Der Transformer

Schnelles Internet, oder: Autobahnschild am Feldweg

VonNico Lumma

Alle reden drüber, aber nichts passiert: Deutschland braucht flächendeckend schnelles Internet. Doch die Ziele der Bundesregierung sind lächerlich. Die Politik muss investieren – und zur Not die Netze verstaatlichen.

Nico Lumma ist freier Berater und gehört zu den wichtigsten Internet-Köpfen in Deutschland.

Nico Lumma ist freier Berater und gehört zu den wichtigsten Internet-Köpfen in Deutschland.

Es ist lange her, dass Boris Becker die epische Frage stellte: „Bin ich schon drin?“ Aber drin sein, das reicht im Zeitalter des allgegenwärtigen Internets nicht mehr – auf die Geschwindigkeit kommt es an. Auch allen Internetministern der Großen Koalition ist das mittlerweile klar geworden. Daher wird kein Anlass ausgelassen, auf die Wichtigkeit des Breitbandausbaus innerhalb der Digitalen Agenda hinzuweisen. Schade nur, dass nichts passieren wird.

Verkehrsminister Dobrindt soll den Breitbandausbau voranbringen. Doch selbst das höchstens mittelmäßige Ziel von flächendeckend 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) bis 2018 wird er nicht schaffen. Wie denn auch? Dobrindt kann vielleicht zu Netzallianz einladen und nochmals alle Provider ganz lieb bitten, den Ausbau zu forcieren. Geld allerdings hat er keins, wenn man mal davon absieht, dass der Verkauf von Mobilfunk-Frequenzen noch einige Milliarden Euro in die Kassen spülen soll.

Selbst wenn Dobrindt dieses Ziel erreichen sollte: Es ist lächerlich, dass eine führende Wirtschaftsnation das für eine große Leistung hält.

In diesem Land hat es, wie anderswo auch, in mehreren großen Anstrengungen immense Sprünge bei der Grundversorgung gegeben. Zuerst die Kanalisation, dann Elektrizität, dann Telefon und Kabelfernsehen, später ISDN. Aber beim breitbandigen Internet, dem Treiber für Wachstum und Beschäftigung, da versagen die Politik und der Markt.

Die Telekom hat gerade verkündet, wie sie die Breitband-Versorgung angehen will: Sie wird weiterhin versuchen, mit Kupferdrähten als Basis VDSL noch effizienter zu gestalten, so dass 100 Mbit/s möglich sein werden. Vectoring – so der Name des Verfahrens – bringt zwar mehr Tempo. Aber eigentlich wissen alle Beteiligten, dass Deutschland eine bundesweite Verkabelung mit Glasfaser benötigt. Derzeit sind weniger als drei Prozent der Haushalte mit einem Glasfaser-Anschluss versorgt, denn Kupfer ist praktischer: Es liegt schon überall. Nur leider hat Kupfer Limitierungen, die Glasfaser nicht hat. 

Das Bundeswirtschaftsministerium hat letztes Jahr errechnen lassen, was der Breitbandausbau in Deutschland kosten würde. Die minimale Variante würde 20 Milliarden Euro kosten, der große, zukunftssichere Wurf würde mindestens 85 Milliarden Euro kosten. Dobrindt hat in dieser Legislaturperiode, den geplanten Verkauf der Frequenzen miteingerechnet, noch nicht einmal eine Milliarde für den Breitbandausbau zur Verfügung.

Kommentare (6)

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Herr Tom Beck

05.08.2014, 14:52 Uhr

bin ich schon drin? ist anders als hier dargestellt leider immer noch eine aktuelle Frage, zumindest wenn man nicht stationär arbeitet. Ich bin viel mit der Bahn unterwegs trotz Kooperation mit T-Mobile und T-Mobile Business Tarif ist es nicht etwa so das man durchgängig eine schnelle Internetverbindung hätte. Wir leben technologisch in der Steinzeit. Ich sehe aber bei dem Altersdurchschnitt im Bundestag nicht, dass man dort die Ernsthaftigkeit einer Kommunikationsinfrastruktur erkannt hat. Bei uns werden viel zu sehr Pfründe verteidigt statt in der Sache voran zu gehen, wir müssten in allen Technologiefeldern führend in der Welt sein, da wir kein Produktionsstandort sind und nur wenig Rohstoffe haben.

Herr Peter Kempf

05.08.2014, 17:52 Uhr

Was soll eine Verstaatlichung der Netze bringen, wenn der Staat kein Geld hat? Vielmehr sollte man Investitionsbremsen wie die überzogene Regulierung des Telekommarkets lösen. Diese hat den Endkunden niedrige Preise beschert, jedoch für die Telekom-Unternehmen Investitionen in die Infrastruktur unattraktiv gemacht.

Herr Thomas Klüppel

05.08.2014, 18:36 Uhr

Dass eine unregulierte Marktwirtschaft nicht zu den erforderlichen Ergebnissen führt ist offensichtlich: "Derzeit liegt Deutschland beim Breitband-Ausbau im europäischen Vergleich noch hinter Rumänien" Daher muss der Staat aktiv werden, sei es regulatorisch oder durch Verstaatlichung. Güter der allgemeinen Versorgung - und dazu zählt das performante Internet - dürfen nicht kurzfristigen betriebswirtschaftlichen Überlegungen von Managern überlassen werden sondern müssen durch weitsichtige Politiker gesteuert werden.

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