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29.07.2014

10:13 Uhr

Der Transformer

Uber expandiert im Stile eines Eroberers

VonNico Lumma

Der Mitfahrdienst Uber will das Taxigewerbe aufmischen. Dabei setzt sich das US-Unternehmen aber über Regeln zum Schutz der Fahrer und Gäste hinweg. Die Politik ist gut beraten, die Standards nicht aufzugeben.

Nico Lumma ist freier Berater und gehört zu den wichtigsten Internet-Köpfen in Deutschland.

Nico Lumma ist freier Berater und gehört zu den wichtigsten Internet-Köpfen in Deutschland.

Es ist nicht lange her, da wurde das Taxigewerbe in Deutschland ordentlich durchgeschüttelt. Eine kleine App namens MyTaxi brachte Innovation in einen Markt, der bis dahin kaum erkennbar auf eigene Impulse setzte, in vielen Städten durchaus zum Leidwesen der Kunden.

Während MyTaxi vor allem Taxifahrern ohne Vermittlungszentrale zusätzliche Fahrten vermittelt und damit den Markt durchwirbelt, geht der Konkurrent Uber als global agierendes Unternehmen (mit 213 Millionen Dollar Umsatz in 2013) anders vor. Uber setzt auf zwei Standbeine, die eigentlich schon lange bekannt sind, die aber durch den Einsatz mobiler Apps einfacher und leichter zu nutzen sind: Mietwagen mit Fahrer, genannt Uber Black, und die Mitfahrgelegenheit, genannt Uber Pop.

An Uber Pop scheiden sich derzeit die Geister: Die professionelle Vermittlung von Fahrten über die App verstößt gegen das Personenförderungsgesetz, da weder die Fahrer einen Personenbeförderungsschein noch Uber eine Taxikonzession besitzen. Die Folge ist, dass viele Städte Uber Pop verbieten – nicht nur in Deutschland, sondern etwa auch New York City, wo man sich letztendlich den rechtlichen Begebenheiten unterworfen hat. Neben Uber gibt es in den USA den Konkurrenten Lyft und in Deutschland Wundercar, die ähnlich versuchen, das Ridesharing – also per App vermittelte Fahrgemeinschaften – zu etablieren.

Ganz im Stil eines Eroberers verkündet nun Uber, was in Deutschland zu geschehen habe: „Uber fordert die Gesetzgeber in Hamburg dazu auf, die bestehenden Richtlinien an innovative Transportmöglichkeiten wie Ridesharing anzupassen, um die Stadt entsprechend dem 21. Jahrhundert zu gestalten.“ Mal ganz davon abgesehen, dass es der Taxi-Branche auch mal ganz gut tut, über Innovation nachzudenken und jeder kollektive Streik der Taxifahrer einer Stadt nur für mehr Downloads der Uber-App sorgt, ist das Vorgehen von Uber durchaus mit Vorsicht zu genießen. 

Uber Pop soll günstiger als das Taxi sein, dafür wird in Kauf genommen, dass die Uber-Pop-Fahrer rechtlich kaum abgesichert sind und damit das finanzielle Risiko überwiegend auf ihnen lastet. Die Taxifahrer gehören jetzt schon nicht zu Großverdienern und sollen künftig im Preis noch unterboten werden - das rüttelt den Markt nicht nur auf, sondern soll ihn zerstören, damit er danach auf einer neuen Basis wieder aufgebaut werden soll.

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