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30.09.2014

15:12 Uhr

Der Transformer

Wie Menschen mit schlechten Manieren das Netz beherrschen

VonNico Lumma

Im Rahmen der Aktionswoche „Macht das Social Web sozialer!“ von Handelsblatt Online erklärt Kolumnist Nico Lumma, warum Online-Diskussionen „kaputt“ sind und „Menschen mit schlechten Manieren“ die Debatten beherrschen.

Nico Lumma ist freier Berater und gehört zu den wichtigsten Internet-Köpfen in Deutschland.

Nico Lumma ist freier Berater und gehört zu den wichtigsten Internet-Köpfen in Deutschland.

Als ich 1995 meine ersten Schritte im Netz machte, fiel mir in den damals weit verbreiteten Newsgroups ziemlich schnell der Begriff „Flamewar“ auf. Ein „Flamewar“ entsteht, wenn sich viele Nutzer durch provokative Antworten gegenseitig hochschaukeln. Um sich dagegen zu schützen, schrieben die Teilnehmer von Diskussionen gerne, dass sie sich jetzt einen Asbest-Anzug anziehen würden. Denn im Schutz der Pseudonymität wurden alle guten Manieren völlig vergessen. Man drosch auf Menschen mit anderer Meinung ein, als wäre man der Held eines First-Person-Shooters. Ich dachte mir damals, dass das Medium Internet noch neu sei und dass wir alle noch lernen müssen, die Diskussion anständig zu führen. 

Aktionswoche: „Macht das Web sozialer –  wider den rauen Ton im Netz!“

Aktionswoche

„Macht das Web sozialer – wider den rauen Ton im Netz!“

Im Netz lässt der Umgangston oft zu wünschen übrig. Die Aktionswoche des Handelsblatts „Macht das Social Web sozialer!“ dreht sich um die Frage, warum bei Facebook und Co. oft eine Kultur des Gegeneinanders gelebt wird.

Damals legten wir sehr viel Wert auf die Einhaltung der Netiquette, einen Begriff, von dem man lange schon nichts mehr gehört hat. Denn auch knapp 20 Jahre später finden die Diskussionen im Netz vielfach noch so statt, dass sie mich bestenfalls staunend zurücklassen.

Menschen mit zu viel Zeit und schlechten Manieren dominieren die Debatten im Netz, egal wo man mitliest. Zu den schlechten Manieren kommt ein zweifelhaftes Demokratieverständnis hinzu, denn andere Meinungen werden ungern toleriert, Parteien und Politiker werden verbal beleidigt und bekämpft – alles nur, um in den Kommentaren zu einem Artikel zu zeigen, dass man Recht hat. 

Kommentare (3)

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Frau Ich Kritisch

30.09.2014, 16:07 Uhr

Zitat: "Menschen mit zu viel Zeit und schlechten Manieren dominieren die Debatten im Netz"

Tja, warum haben diese Leute wohl soviel Zeit? Arbeitslos - Frührentner - Freigestellt? Schlicht frustriert. Da kann man sich im Internet endlich mal trauen - all das schreiben was man sich nie zu sagen wagen würde. Endlich mal blindwütig um sich schlagen - immer feste druff - in der Hoffnung hinterher fühlt man sich wohler...
Leider ist es wie mit dem Alkohol - der Kater (einer der dagegenhält in der Diskussion) kommt nur noch viel schneller.

Meine Erfahrung ist simpel - wer im Internet Toleranz fordert ist selbst sehr intolerant. Wer im Internet Demokratie fordert möchte das die Minderheit siegt.
Man muss sehr viele Kommentare in Diskussionen von "hinten" lesen um zu begreifen welcher Mensch dahinter steckt - oft versteht man es dann besser und läßt die Diskussion mit demjenigen sein. Er hat seine Meinung und ich meine. Nicht mit jedem möchte ich einen Konsenz - im realen Leben ja auch nicht :-)

Herr Horst Hamacher

30.09.2014, 16:22 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Martin Zuehlke

01.10.2014, 11:22 Uhr

Ein kurzer aber treffender Kommentar.Beitrag von der Redaktion editiert.

Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette


Vor ein paar Wochen gabs einen Artikel in der SZ (glaube ich) in der einer dieser Trolle vorgestellt wurde. Er war arbeitslos und sagte selbst, dass es ihm nicht um Diskussion geht sondern nur darum zu provozieren. Und so sind es eben die, mit viel Zeit und wenig Bildung die vorwiegend das "race to the bottom" verantwortlich sind. Herr Hamachers Kommentar war ja ein wunderbares Beispiel dafür. Völlig aus dem Zusammenhang gerissenes rumgepöbel ohne jedweden Hintergrund.

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