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30.04.2014

15:10 Uhr

Der Ver(un)sicherer

Achtung, ab dem nächsten Klick sind Sie eine Ware!

VonAxel Kleinlein

Wenn man sich im Internet über Versicherungen schlau machen will, rutscht man gerne von der Rolle des Kunden in die Rolle der Ware – ohne es zu merken. Zum Beispiel bei Vergleichsplattformen.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Die „neue Welt“ des Internets hat eine seltsame Neuentwicklung gebracht. Die Grenze zwischen Kunde und Ware verschwimmt mehr und mehr. Und oft erkennt man selbst gar nicht, dass man gar kein Kunde mehr ist, sondern dass man bereits selbst zur Ware mutierte.

Zum Beispiel diese Social-Media-Plattform namens Facebook. Sich anzumelden, kostet nichts. Die verschiedenen Funktionen zu nutzen, kostet auch nichts. Immer wieder an Neuentwicklungen der Plattform teilzuhaben, kostet wiederum nichts. Wie verdienen die also ihr Geld?

Nur mittels Werbung rechnet sich das Ganze für Herrn Zuckerberg und die vielen anderen, die mit ähnlichen Internet-Angeboten Geld verdienen wollen. Und wenn ein „Allround-Herrenausstatter“ für mich auf Facebook Werbung macht, dann wird der dafür gutes Geld zahlen, dass seine Werbung genau bei solchen Menschen aufpoppt, die zur Zielgruppe gehören.

Aus Sicht von Facebook bin ich also ein toller Nutzer, den man als potentielles Werbeopfer an den Herrenausstatter verkaufen kann. Ich bin also kein Kunde von Facebook, sondern ich bin eine Ware, die Facebook verkauft! Wer bei Facebook einen Account hat und sich trotzdem als Kunde von Facebook fühlt, der ist also einem Trugschluss aufgesessen. Und eigentlich kann man bei allen derartigen Angeboten im Internet sagen: Ist es umsonst, dann bist Du die Ware.
Besonders wenn man sich im Internet über Versicherungen schlau machen will, dann rutscht man gerne von der Rolle des Kunden oder des einfachen Nutzers in die Rolle der Ware – ohne es zu merken. Zum Beispiel bei Vergleichsplattformen, wenn Sie sich etwa für eine Rentenversicherung interessieren: Ist die Internetpräsenz gut aufgebaut, dann haben Sie in kürzester Zeit alle wichtigen Eckdaten der eigenen Person eingegeben und hoffen im Gegenzug auf schnelle und exakte Informationen.

Das Ergebnis kann dann so ausschauen, dass Sie erst einmal ein vermeintlich gutes Angebot in Aussicht gestellt bekommen. Dafür wäre aber eine zusätzliche „persönliche Beratung“ notwendig, die Sie selbstverständlich umsonst und unverbindlich bekämen. Klicken Sie dann auf „OK“, dann haben Sie sich verkauft.

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