Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.01.2015

09:00 Uhr

Der Ver(un)sicherer

China ist auch keine Hilfe

VonAxel Kleinlein

Die Deutschen werden immer älter – und es gibt auch immer weniger Junge. Die Demographie sorgt für ein Dilemma in der Altersvorsorge, sowohl bei staatlicher wie privater Rente. Gibt es einen Ausweg?

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Wir haben in Deutschland ein demographisches Problem. Klar ist, dass unsere Gesellschaft im Schnitt immer älter wird. das hat Auswirkungen. In dem Umlagesystem der staatlichen Rente sind immer weniger Menschen aktiv in Lohn und Brot. Und diese Wenigen müssen dann immer mehr ältere Mitbürger finanzieren. Da müssen dann entweder die Aktiven auf Geld verzichten, oder aber die Älteren bekommen weniger Rente.

In dieser Situation klingt doch die Kapitaldeckung der privaten Altersvorsorge, in der jeder seine persönliche Rente selbst anspart, nach einer pfiffigen Lösung: Diejenigen, die später im Alter weniger Rente befürchten, legen heute das Geld an und bekommen dann durch Zinsen eine Zusatzrente.

Dann ist das mit der niedrigeren Rente durch das Umlagesystem auch nicht mehr so schlimm und die zukünftigen Generationen müssen keine übermäßigen Abzüge befürchten.

Aber ist das so einfach? Leider nicht. Bei der Kapitaldeckung privater Vorsorge ist der vermeintliche Kniff ja gerade, dass die Rentenzahlungen aus dem Umlagesystem durch Zinszahlung aus der Kapitaldeckung ersetzt werden sollen. Während bei der Umlage die zukünftig Aktiven geschröpft werden, wäre dies bei den Zinszahlungen ja nicht der Fall – so der Volksglaube.

Stimmt das wirklich? Und wer zahlt dann die Zinsen? Die Zinserträge sind ja kein virtuelles Geld. Sie müssen irgendwie aus der Realwirtschaft abgezwackt werden, wenn sie als echte Rentenzahlungen dann auch verbraucht werden sollen.

Irgendjemand muss also im echten Wirtschaftsleben Erträge, Gewinne als Zinszahlungen an die Rentner überweisen (dann meist über den Umweg einer Bank oder Versicherung).

Zukünftig steht dieses Geld dadurch aber der Realwirtschaft nicht mehr zur Verfügung. Das führt zum Beispiel zu niedrigeren Löhnen für die dann aktiv Erwerbstätigen. Oder aber es finden weniger Investitionen statt und es gibt weniger Arbeitsplätze. Auf jeden Fall fehlt das Geld im normalen Wirtschaftsleben. Die zukünftige Realwirtschaft wird durch die Zinszahlungen belastet. So funktioniert das Kapitaldeckungsverfahren.

Es ist also ein Dilemma: Im Umlageverfahren der staatlichen Rente müssen die Aktiven zukünftig mehr Geld an die dann Alten überweisen und im Kapitaldeckungsverfahren der privaten Vorsorge müssen die Aktiven zukünftig eine um die Zinszahlungen an die Alten geschwächte Realwirtschaft ertragen.

Was also tun?

Kommentare (13)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Fred Meisenkaiser

08.01.2015, 09:21 Uhr

Wieso führt das zu einem Dilemma? Die Bürger erarbeiten in ihrem Arbeitsleben doch auch immer höhere Werte!
Das eigentliche Dilemma ist, das sie von dieser Wertschöpfung immer weniger erhalten.
Man sehe sich dazu die Vermögensentwicklung der Reichen an! Und diese zu geringen Einkommen führen zu geringen Renten. Hinzu kommt noch die Absenkung des Rentenniveaus - zugunsten der Gewinne der Unternehmenseigner!
In 2020 werden 40% der Rentner nur noch Grundsicherung bekommen.
Die Riesterrente dient nur den Gewinnen der Versicherungskonzerne - die staatlichen Zulagen versickern nachgewiesenerweise in deren Provision. Und eine echte Vorsoreg kann kaum einer zahlen!

Es gibt keine Alternative zu einer umlagefinanzierten Rente - die Reichen müssen nur über Steuern an deren Finanzierung beteiligt werden!

Frau Helga Trauen

08.01.2015, 09:26 Uhr

Die jedes Jahr neu importierten Migranten werden sicherlich gern dazu beitragen, die alten Deutschen zu finanzieren. So gut werden sie schon sein... also: Schleusen weiter auf für die Zuwanderung! Denn nur die Migranten, die zu uns kommen, werden fleißig in Deutschland arbeiten und den alten Deutschen die Rente sichern! Vielen Dank im voraus!

Frau Ich Kritisch

08.01.2015, 09:40 Uhr

Das funktioniert aus ganz anderen Gründen nicht.
Die derzeit Beschäftigten sollen und müssen die umlagenfinanzierte gesetzliche Rente zahlen - und sollen nun zusätzlich Geld sparen für die eigene Rente. Dieses Geld steht nicht mehr für den Konsum zur Verfügung. Damit schwächen wir heute bereits unsere Wirtschaft.
Hat mal irgendjemand ausgerechnet um wie viel der Konsum steigen würde ohne Rürup und Riester?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×