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16.07.2014

14:37 Uhr

Der Ver(un)sicherer

Das Missverständnis Provision

VonAxel Kleinlein

Die Provisionsoffenlegung bei Lebenpolicen ist vom Tisch – aber nur fürs erste. Denn bald könnte Brüssel erneut fordern, was Berlin gerade abgetan hat. Spätestens dann wird man hierzulande merken: Chance vertan!

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Sehr geehrter Herr G.,

Sie sind Makler und haben mir ein paar engagierte Fragen gestellt. Sie sind mit unserer Forderung nach einer Offenlegung der Provisionen nicht einverstanden. Sie fühlen sich als Vermittler nicht richtig behandelt und fordern mich nach der Devise „Gleiches Recht für alle“ dazu auf, mein Gehalt offen zu legen. Mit dieser Haltung und dieser Forderung stehen Sie nicht alleine da. Viele Vermittler wenden sich mit ähnlichen Ansinnen an mich oder andere Verbraucherschützer.
Leider ist Ihre Bitte von ein paar Missverständnissen geprägt. Und leider haben Sie zusammen mit Ihren Kollegen nun selbst dafür gesorgt, dass zukünftig die Offenlegung umso schlimmer kommen wird, ein klassisches Eigentor. Hierzu im Einzelnen:
Das Vermengen von Provision und Gehalt ist offenbar das erste Missverständnis. Denn anders als ein Gehalt ist eine Provision ja eine einmalige Zahlung für eine einmalige Dienstleistung. Und genau darauf bezieht sich ja der Wunsch einer Provisionsoffenlegung. Es war ja nicht geplant, dass sie alle Provisionen in Summe ins Internet stellen sollten oder gar auch andere Einkünfte offenzulegen hätten. Das interessiert keinen.

Das nächste Missverständnis zeigt sich darin, wer von der Provisionshöhe erfahren sollte. Die Planungen umfassten ja nur, dass ein Vermittler nur gegenüber dem einzelnen konkreten Kunden die Provision hätte offen legen müssen. Dritte hätten keinen Informationsanspruch gehabt. Es geht ja nicht darum, eine Neiddebatte zu entfachen oder Sie in Ihrem Tun bloßzustellen. Es geht darum, in einem Interessenskonflikt allen Beteiligten die Interessenslage deutlich zu machen.
Es ist nun mal schwierig wenn Sie zum einen dem Kunden gegenüber verpflichtet sind, eine möglichst gute Beratung zu liefern und zum anderen auch Ihrem Portemonnaie verpflichtet sind, genug Geld zu verdienen. Es besteht die Gefahr, dass ein Vermittler in Versuchung kommt, ein etwas schlechteres Produkt dem Kunden angedeihen zu lassen, weil er womöglich für das ungünstigere Angebot mehr Provision erhält. Dieses Problem lässt sich nicht leugnen, es ist Interessenskonflikt, der sich nicht einfach wegdiskutierten lässt. Wir sollten versuchen einen möglichst guten Umgang mit diesem Konflikt zu finden. Und das müssen wir sogar.

Natürlich können wir so tun, als wäre jetzt alles geklärt, die Provisionen bleiben versteckt und alles bleibt beim Alten, Vogel-Strauß-Politik. Aber die Realität sieht anders aus. In Brüssel wird mittlerweile eigentlich nicht mehr darüber diskutiert, OB eine Offenlegung der Provisionen kommen soll. Es wird vielmehr darüber gestritten WIE die Provisionen aufgedeckt werden sollen.

Kommentare (6)

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Herr Bankmensch Insider

16.07.2014, 16:43 Uhr

Natürlich, Herr Kleinlein - man kann sich schön herausreden. Wenn der Versicherungsvermittler sein Gehalt (und seine Provision stellt im Wesentlichen oder manchmal sogar voll sein Gehalt dar) offenlegen soll, dann bitte jeder Bäcker, Autoverkäufer, sog. Verbraucherschützer, ... Denn bei all diesen kann es Interessenskonflikte geben. Beispiel Stiftung Finanztest: Hier werden Verbraucher immer wieder dazu angeleitet, Banken zu suchen, die kostenlose Konten, kkostenlose Kreditkarten, hohe Zinsen, ein dichtes GAA-Netz anbieten. Da stellt sich mir die Frage - wieso ist das STiftung Finanztest Heft nicht kostenlos??? Auf Sie bezogen: Warum arbeiten Sie nicht kostenlos? Wahrscheinlich durch Steuergelder finanziert...

Herr Frieder Maier

16.07.2014, 18:12 Uhr

Das war mal ein richtig guter Artikel. Vielen Dank.
Mich erstaunt, dass die bisherigen Leserbriefschreiber der ARgumentation in diesem Beitrag nicht folgen können: Jeder Versicherte möchte wissen, wieviel Euro davon beim Agenten bleiben. Ist der Betrag niedrig, dann darf ich als Versicherter auch nur eine schwache Leistung verlangen, ist sie dagegen nach meinem Dafürhalten zu hoch, würde ich mich nach einem Alternativangebot umschauen.

Jeder Handwerker ist es gewohnt, dem Interessenten im Vorhinein mitzuteilen, wieviel er für seine Leistung persönlich in Rechnung stellt.

Herr Frieder Maier

16.07.2014, 18:12 Uhr

Das war mal ein richtig guter Artikel. Vielen Dank.
Mich erstaunt, dass die bisherigen Leserbriefschreiber der ARgumentation in diesem Beitrag nicht folgen können: Jeder Versicherte möchte wissen, wieviel Euro davon beim Agenten bleiben. Ist der Betrag niedrig, dann darf ich als Versicherter auch nur eine schwache Leistung verlangen, ist sie dagegen nach meinem Dafürhalten zu hoch, würde ich mich nach einem Alternativangebot umschauen.

Jeder Handwerker ist es gewohnt, dem Interessenten im Vorhinein mitzuteilen, wieviel er für seine Leistung persönlich in Rechnung stellt.

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