Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.11.2013

12:40 Uhr

Der Ver(un)sicherer

Der moralische Absturz der Debeka

VonAxel Kleinlein

Ein großer Versicherer ist sich nicht zu schade, vom Adresshandel zu profitieren. Der Skandal zeigt: Auch bei der Debeka mussten Versicherungsvertreter vor allem eines: Verkaufen.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Dank Debeka haben wir ihn mal wieder: Den regelmäßigen Skandal um die Verkaufspraktiken der Versicherer. Diesmal der Saubermann-Versicherer aus Koblenz, der unsere Fantasie anregt. Zugegeben, die Fantasie zeichnet nicht solche grellen und schrillen Bilder wie bei der Budapest-Affäre. Aber die Vorstellung von privaten „Schnipsel-Partys“ der Debeka-Mitarbeiter ist skurril.

Groteske Partys, bei denen die Vorgesetzten frisch erworbene Adressen an ihre Mitarbeiter verkaufen; Adressen, die auf geheimen Wegen an die Debeka gelangten. Muss man sich das so geruhsam wie eine Tupperware-Party vorstellen? Oder muten diese Treffen eher an die Praktiken eines Mehmet Göker an? Wer den einen oder anderen Manager aus Koblenz kennt, der kann sich weder das eine noch das andere wirklich vorstellen.

Faszinierend ist die Idee dieser „Schnipsel“, auf denen die Adressdaten notiert sind. Kistenweise wurden anscheinend (oder werden?) diese Schnipsel von Behörden an Debeka-Vorgesetzte und dann weiter an Mitarbeiter verhökert. Die einzelne Adresse wird so zum echten Wertpapier. Die privaten Daten der angehenden Beamten können so richtig zu Geld gemacht werden. Und das schon zu einer Zeit, als Computer noch lange kein Standardwerkzeug in der Vermittlung waren, als man in Sachen Datenschutz mehr Angst vor dem Staat hatte als vor den großen Versicherungen und Konzernen.

So plastisch wie die Debeka hat uns also noch kaum jemand vor Augen geführt, wie wichtig Datenschutz eigentlich ist. Und es zeigt auch, welche Macht die Behörden als Adressverwalter haben. Es gibt immer wieder Skandale um das Gebaren der staatsnahen Akteure, wenn es um Adressen geht.

Der Debeka-Skandal hat aber eine andere Qualität: Hier sollte gefälligst die Staatsanwaltschaft in alle Richtungen ermitteln. Es geht nicht um kleine Fehltritte einzelner kleiner grauer Beamten. Wenn die Adress-Schnipsel kistenweise verhökert wurden, dann hat das den Geruch von organisiert-kriminellem Gebaren.

Was aber gleichermaßen erschreckt: Ein großer Versicherer, sogar ein Verein auf Gegenseitigkeit, ist sich nicht zu schade, von diesem Adresshandel zu profitieren. Wie viel Geschäft der Debeka auf diese Machenschaften zurückzuführen ist, kann im Moment wohl keiner abschätzen. Ich befürchte, dass es wohl auch nie ganz aufgedeckt werden wird.

Kommentare (15)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

06.11.2013, 13:50 Uhr

"Auch bei der Debeka mussten Versicherungsvertreter vor allem eines: Verkaufen."

Was müssen Autoverkäufer? Sitze putzen?
Was müssen Küchenplaner? Kuchenrezepte empfehlen?
Was müssen Verkäufer wohl tun? Was erwarten Sie?

manduvel

06.11.2013, 14:11 Uhr

Bravo Herr Kleinlein, endlich mal differenzierend !

iozak

06.11.2013, 14:18 Uhr

Bei der Debeka bekommen die Vermittler null Bestandsprovision. Also jeder Absch(l)uss zählt ...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×