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15.01.2014

13:26 Uhr

Der Ver(un)sicherer

Die Erotik der Inflationsangst

VonAxel Kleinlein

Was Herr Draghi so als Perversion empfindet. Und warum dieses perverse Vergnügen für die Versicherungswirtschaft in den letzten zwei Jahrzehnten ein Quell der Freude und Abzocke geworden ist.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Notenbankpräsident Mario Draghi und eine ehemalige Pressesprecherin einer ehemaligen grünen Lokalpolitikerin (sie schreibt heute bei der taz, die ehemalige Pressesprecherin) haben überraschend eine echte inhaltliche Gemeinsamkeit: Beide haben festgestellt, dass „die Deutschen“ ein etwas verqueres Verhältnis zur Inflation haben.

Der Hüter des Euro greift sogar zu recht deftigen Bildern, indem Herr Draghi uns eine „perverse Angst“ unterstellt. Eigentlich meint er natürlich ein perverses Vergnügen an der Angst und zwar an der Angst vor der Inflation. Und vermutlich hat Draghi Recht. Nicht vergnüglich ist aber, dass dieses perverse Vergnügen für die Versicherungswirtschaft in den letzten zwei Jahrzehnten ein Quell der Freude und Abzocke geworden ist.

Wie ich durch die Journalistin lernen durfte, üben wir Deutsche seit ziemlich genau zwei Jahrzehnten einen deutlichen Lohnverzicht. Angesichts der gestiegenen Gewinne und der Produktivität wäre er aber nicht notwendig gewesen. Ursächlich für diesen Lohnverzicht war bereits damals eine eigentümliche Melange aus Politikern, Gewerkschaftsfunktionären, Unternehmern und Neoliberalen. Sie argumentierten immer nach der Devise: Wir müssen die Löhne unten halten, damit wir im Weltmarkt (und im europäischen Vergleich) weiterhin unsere führende Rolle behalten. Ansonsten drohe uns „INFLATION“

Es war wie ein feuchtes Prickeln, wenn die Prediger damals (wie auch heute) diesen Lohnverzicht mit dem Grausen vor der Inflation begründen: „Könnt Ihr Euch daran erinnern, wie sich Eure Großeltern daran erinnerten, wie sich deren Eltern an die Inflation in den 20ern erinnerten? Ganze Säcke voll Papiergeld mussten damals für ein Brot bezahlt werden! Wollt Ihr das wieder?“ Im Chor antworten dann alle mit dem wohligen Schaudern: „Nein! Das wollen wir nicht!“, um dann das Dogma der neuen sozialen Marktwirtschaft zu hören: „Übt Lohnverzicht und bannt die Inflation!“

Diese Strategie hat auch geklappt. Wir sind im internationalen Vergleich unglaublich wirtschaftsstark. „Uns“ kann kaum jemand das Wasser reichen. Von Inflation keine Spur! Sieg! Sieg?

Kommentare (2)

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Aber_Hallo

15.01.2014, 13:42 Uhr

Langweilig, lächerlich. Aus welchem Markoökonomischen Thema machen Sie als nächstes einen Pauschalvorwurf an die bösen, bösen Versicherer? Einwanderung? Staatsschulden? Und wieso fielen Ihre Beiträge wärend Ihrer kurzen Auszeit als Vorstand beim BdV weitaus wenige plakativ und undifferenziert aus? Verfassen Sie Ihre Beiträge vlt. zum Selbstzweck? Inhalt egal, hauptsache stehen am ende Versicherer wieder als die Bösen dar? Sie widern mich an.

Anarchosprueche

15.01.2014, 14:41 Uhr

Is ja schön, dass das Handelsblatt auch mal nen Anarchisten zu Wort kommen lässt, der mit dem Währungssytem Probleme hat? Wo sind denn Ihre Lösungen, Herr Kleinlein? Nicht nur stänkern, sonder klotzen!

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