Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.01.2015

17:07 Uhr

Der Ver(un)sicherer

Die Frauenprobleme der Versicherer

VonAxel Kleinlein

Die Versicherungswirtschaft erklärt uns in zahllosen Publikationen die Welt. Heute geht es um die Frauen. In einem Heftchen über das angeblich schwache Geschlecht blamiert sich der Branchenverband bis auf die Knochen.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Der Deutsche Lobbyverband bemüht sich immer wieder redlich, uns die besonders brisanten Themen nahe zu bringen. Im aktuellen „trendbrief altersvorsorge“ des Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) geht es nun um das weibliche Geschlecht.

„Frauen haben besondere Vorsorgebedarfe für das Alter“, erklärt Alexander Erdland, Präsident des GDV gleich zu Anfang. Ein guter Anlass, sich in dieser Kolumne wieder einmal mit dem Weltbild der mächtigen Versicherungslobby zu beschäftigen.

Die These, dass Frauen einen „erheblichen Nachholbedarf“ beim Thema Altersvorsorge haben, ist der Einstieg in die Debatte. Wie das bei Männern ausschaut wird nicht thematisiert. Natürlich gewinnt der geneigte Leser so den Eindruck, dass besonders bei Frauen einiges im Argen liegt. Zumal das „Vorsorgeverhalten der Frauen“ zweifelhaft sei.

Es würde eben nicht wiederspiegeln, dass die Frauen eigentlich „finanzielle Unabhängigkeit, auch im Alter“ erwarten würden. Die Damen wissen halt nicht so richtig, wie man das richtig macht.

Das Problem liegt darin, dass Frauen den Wunsch nach Unabhängigkeit nicht in konkretes Handeln umsetzen würden. Dies liegt zwar zum einen an ökonomischen Grenzen, ist „zum anderen psychologisch begründet“. Wer also die Probleme unzureichender Altersvorsorge bei Frauen verstehen will, der muss auch die Psyche des schwachen Geschlechts analysieren.

Herr Erdland erklärt: „Nach wie vor verlassen sich viele Frauen bei dem Thema auf den Partner. Das funktioniert auch bei vielen“. Gott sei Dank! Denn wenn sich der Partner um dieses brisante Thema kümmert, dann muss Frau sich natürlich weniger Sorgen machen. Dennoch dürfe eine „gute Altersvorsorge“ nicht davon abhängen, ob Ehe oder Partnerschaft ein Leben lang halten oder nicht. Deshalb gilt „… für Frauen und Männer gleichermaßen, dass mehr zusätzliche Vorsorge notwendig wird.“

Eine Studie des GDV offenbart nun auch verblüffende Ergebnisse. „Fast die Hälfte der befragten Frauen macht sich Sorgen um ihre Altersvorsorge,“ weiß Erdland. Umgekehrt heißt das aber, dass mehr als die Hälfte sich keine Sorgen macht. Größtenteils gehen die Frauen also sorgenfrei in ihre Alterszukunft! Warum also die Diskussion? Doch darüber erhalten wir keine Aufklärung.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Peter Mette

15.01.2015, 18:38 Uhr

Bei allem Stirnrunzeln über den (nicht überraschenden) Chauvinismus des GdV ist das ja schon ein reales Problem, oder? Wie sieht denn Ihr Vorschlag aus? Männerquote für Tierärzte und ETFs statt Kindergeld?

Frau Brigitte Ommeln

16.01.2015, 14:32 Uhr

Ja, ja, die Frau das unbekannte Wesen... beim Lesen des ganzen Trendbriefes des GDV fühlte ich mich als Männchen.... pardon Weibchen vom Mars ... und irgendwie nicht angekommen im Jahre 2015. Doch wer die Versicherungsbranche und Vermittlerbranche kennt, weiß um die männliche Arroganz. Denn "die wirklich wichtigen Entscheidungen" trifft ja schließlich nur "der Mann" und die "Frau" darf den Kaffee servieren.

Solange das männliche Vermittler-Bewusstsein die Frau immer noch als irgendwie anders empfindet, die besondere Produkte benötigt (warum eigentlich?), wird sich der Vertrieb auch nicht ändern (Studie hin oder Studie her). Ich bin mir auch nicht sicher, ob Frauen-Finanz-Dienste hier die bessere Lösung sein können. Ich glaube vielmehr, dass es gerade die geschlechtertypische Betrachtung ist, die hinderlich ist. Wenn allen - Mädchen wie Jungen, Frauen wie Männern- schon in jungen Jahren, am besten in der Schule, ein Finanzbewusstsein vermittelt wird, wenn der Umgang mit Geld, Versicherungen, Aktien, Fonds etc. zur Selbstverständlichkeit wird, dann sind solche Studien auch nicht notwendig. Dann hört der Chauvinismus ganz von selbst auf.

In diesem Sinne: lieber Policen statt Pumps.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×