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18.09.2014

16:15 Uhr

Der Ver(un)sicherer

Die Gretchenfrage der Versicherer

VonAxel Kleinlein

Die Regierung möchte die Abschlusskosten bei Lebenpolicen senken. Den Gesetzesentwurf können die Versicherer aber mit einigen Rechentricks umgehen. Besteht die Branche den Gewissenstest?

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Der Gesetzgeber hat nicht nur Böses im Sinn. Zuweilen möchte er ja auch etwas Gutes tun. Etwas Gutes für Verbraucher sollte das das vielgescholtene Lebensversicherungsreformgesetz bringen.

Unter der Devise „Die Kosten zu Vertragsbeginn sollen sinken“ gab es erst einmal einen Versuch, dieses Ziel über die Offenlegung der Provisionen der Vermittler zu forcieren. Diese gute Idee wurde dann aber flugs fallengelassen. Stattdessen sollen nun die „Effektivkosten“ ausgewiesen werden. Das ist eine Kostengröße, die eigentlich niemand versteht, zuweilen negativ wird und zudem nichts mit den Abschusskosten zu tun hat.

Der zweite Versuch, etwas Gutes zu tun, war die Idee die Abschlusskosten zu senken. Das geht im Gesetz nun über einen Umweg, über die sogenannte „Zillmerung“. Nach dem Zillmerverfahren setzen die Versicherer bei klassischen Verträgen zu Beginn hohe Kosten in der Kalkulation an. In der Praxis zahlt der Versicherte bei Lebenspolicen mit seinen Beiträgen in den ersten Jahren unter anderem die Abschlussprovision des Vermittlers.

Das birgt finanzmathematische Nachteile für den versicherten. Denn mit dieser Methode sinkt das Vertragsguthaben am Anfang des Vertrages erst einmal stark ab. Wenn aber wenig Guthaben da ist, dann gibt es auch nur wenig, was verzinst wird. Vor allem bei Verträgen mit langer Laufzeit wirkt der Zinseszinseffekt. Das ist schon mal schlecht.

Schlecht ist auch: Wenn der Kunde kündigt, dann fällt auch noch der Rückkaufswert niedrig aus. Im schlechtesten Falle verlieren schnelle Kündiger fast ihre gesamten gezahlten Beiträge. Auch aus diesem Grund ist die Zillmerung also schlecht für die Verbraucher.

Warum machen die Versicherer das dann überhaupt – diese „Zillmerung“?

Die Versicherungsunternehmen müssen irgendwie berücksichtigen, dass zu Vertragsbeginn meist hohe Kosten anfallen, zum Beispiel für die Provisionen der Vermittler. Das sollte sich auch in der Kalkulation niederschlagen. Und dafür gibt es eben dann die „Zillmerung“.

Die Regierung wollte aber etwas Gutes tun. Und deshalb wähnte sich der Gesetzgeber besonders pfiffig, als er beschloss, die Maximalhöhe der Zillmerung deutlich zu begrenzen. Er ging dabei von der Devise aus, dass, wenn die Kalkulation keine hohen Abschlusskosten vorsehen, dann sinken auch die Provisionen und das politische Ziel ist erreicht.

Kommentare (1)

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Herr Hubert Gierhartz

19.09.2014, 11:44 Uhr

Die Gretchenfrage der Versicherer

Provisionen offen legen ist kein Problem. Jeder Bauspavertrag ist mit einer Abschlussgebühr belegt, die
jeder Bausparer ohne Murren zahlt.

Sie fordern ständig Transparenz. Legen Sie doch einmal die Einkünfte der BdV Verwaltungs GmbH offen. Gehen Sie mit einem guten Beispiel voran.

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