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19.02.2014

13:40 Uhr

Der Ver(un)sicherer

Die Lebensversicherer vor dem Abstieg

VonAxel Kleinlein

Fußballvereine darf jeder kritisieren, auch ohne Trainerdiplom. Bei den Versicherern ist das anders. Aus ihrer Sicht müssen Kritiker bessere Alternativen bieten, wenn sie Missstände beschreiben.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Die eine Hälfte der Hamburger Sportfans hat es derzeit schwer. Der HSV ist ja auf dem direkten Weg in die zweite Bundesliga. Vielleicht schafft es der Traditionsverein noch auf den Relegationsplatz. Dann kann es sogar zum Duell gegen den anderen Hamburger Verein, St. Pauli kommen. Kein Wunder, dass derzeit viele Kommentatoren, Kritiker und HSV-Fans die Arbeit des bisherigen Trainers van Marwijk heftig kritisierten.

Van Marwijk und die Mannschaft mussten viel einstecken. Sie mussten sich viel herbe Kritik und Beschimpfungen anhören. Die Fans waren bitter enttäuscht. Jetzt darf Slomka (Mirko, nicht Marietta) versuchen, die Kritiker zu beruhigen.

Dabei sind die Kritiker selbstverständlich meist selbst keine Trainer, geschweige denn Profispieler. Die Kritiker erlauben sich Kritik zu üben, einfach nur aus der Tatsache heraus, dass sie sich für den Verein interessieren, dass sie Fans sind oder aber zukünftig Aktionäre des Profivereins.

Das ist schon ein seltsames Phänomen, dass die Kritiker es wagen Kritik zu üben, ohne es selbst persönlich besser machen zu können! Und derartige Kritik gibt es auch in ganz anderen Sparten! Und meist wird von den hochgerühmten Kritikern nicht erwartet, dass sie es besser könnten, egal ob bei Literaturkritikern (selbst Marcel Reich-Ranicki hat sich nicht als Prosaschaffer profiliert), Kinokritikern (es gibt keinen einzigen Film von „Kino-Knut-Elstermann“) oder bei Küchenkritikern (Wolfram Siebeck hatte nie ein eigenes Restaurant). Und genauso auch beim Fußball, wo keiner erwarten würde, dass der erboste HSV-Fan auf dem Platz jetzt als Stürmer das Ruder rumreißen könnte.

Nach Ansicht der Versicherungswirtschaft gibt es aber eine Ausnahme: Verbraucherschützer, die die Versicherer kritisieren. Die sollen gefälligst nur dann kritisieren, wenn sie die Produktentwicklung besser können. Das lese ich regelmäßig als Kommentare auf meine Kolumne (Danke zum Beispiel an Helge H. von letzter Woche) oder es wird mir auf einer Podiumsdiskussion vorgeworfen, ganz im Stile von: „Herr Kleinlein, wenn Sie immer so viel zu kritisieren haben, dann sagen Sie doch, wie man die Produkte besser machen kann!“

Das kann ich nicht. Ich kann keine Antwort darauf geben, wie man kapitalgedeckt Altersvorsorge vernünftig organisieren kann. Ich kann aber auf einige Punkte hinweisen, warum es mit den vorliegenden Angeboten nicht richtig klappt. Ich kann auch auf Ungereimtheiten und Widersprüche in den Angeboten hinweisen oder herausarbeiten, wo die Kunden mittels Intransparenz in die Irre geführt werden.

Wer verlangt, dass der Kritiker auch gleichzeitig eine Lösung präsentiert und es „besser“ können muss, der hat nicht verstanden, welche Aufgabe Kritik hat. Wer verlangt, dass der Verbraucherschutz das repariert, was die Branche verbockt hat, der hat auch nicht verstanden, dass Verbraucherschutz eben keine Produktentwicklung ist.

Kommentare (13)

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Mazi

19.02.2014, 13:52 Uhr

" „Herr Kleinlein, wenn Sie immer so viel zu kritisieren haben, dann sagen Sie doch, wie man die Produkte besser machen kann!“"

Schreiben Sie's doch!

Wer keine Lebensversicherung abschließt spart seinen Beitrag u.a. für die Bonizahlungen der Versicherungen. 100% seines "Beitrags" bleiben in seiner Hand.

Somebody

19.02.2014, 14:11 Uhr

Richtig. Und macht statt dessen was mit seinen 100% der Beiträge? Wieder richtig. Der Großteil zahlt davon laufende Rechnungen oder leistet sich mal was Tolles. Dummerweise ist das Rentenalter dann überraschend da. Von daher halte ich die Kritik für richtig und wichtig, erwarte aber auf Grund der Breitenwirkung für die nicht so gut informierte Bevölkerung de noch einen Verbesserungsvorschlag. Das ist vielleicht ein stückweit vergleichbar mit Politik, aber keinesfalls mit Entwicklungen beim Fußball. Oder schätzen Sie Ihre Kritik ebenfalls als so subjektiv ein, wie es der durchschnittliche Fußballfan oder -nichtfan hält, Herr Kleinlein?

Max5780

19.02.2014, 14:21 Uhr

Herr Kleinlein,
schön dass Sie sich mit Fußballkritiker und sonstigen Leuten, die mit Kritik ihr Geld verdienen sowie mit Nicht-ausgebildeten-nicht-Fachleuten, etwa Fußballfans, auf eine Stufe stellen. Ich hätte mehr von Ihnen erwartet als es sich so einfach zu machen. Schon in der Grundschule lernt man, das die einzig sinnvolle Kritik die konstruktive Kritik ist und nicht das völlige Zerreißen eines Referats, einer Übung oder in Ihrem Fall der Altersvorsorge und anderen Themen. Es kommt mir so vor, als wenn Sie einfach nur destruktive Lobbyarbeit leisten und nicht das tun was Sie eigentlich sollten: Im Interesse der Versicherten argumentieren, den Versicherten helfen und nicht Verunsicherung streuen und somit am Ende für den Verbraucher alles nur noch schlimmer machen. Kritik ist angebracht, aber was Sie tun ist einfach lächerlich. Also: Kritisieren Sie, tun Sie dies aber zumindest mit einem Ansatz von Verbesserungsvorschlag, schreiben Sie doch mal was gut läuft bei Versicherungen. Da wird es doch was geben, was man zusätzlich stärken und noch besser machen kann, das würde dem Versicherten auch helfen!

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