Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.05.2014

09:27 Uhr

Der Ver(un)sicherer

Die Niedrigzinsen sind nur der Sündenbock

VonAxel Kleinlein

Niedrige Renten dank niedriger Zinsen? Von wegen. Eigentlich sind es schlecht kalkulierte Produkte, die die Rentenauszahlungen bei der Lebensversicherung drücken. Versicherer rechnen mit überzogenen Lebenserwartungen.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Die Versicherungsunternehmen haben ein ernsthaftes Problem: Vor zehn, zwanzig Jahren haben sie der Politik versprochen, dass sie das mit der Altersvorsorge richtig gut können und auch ganz großartige Angebote dafür hätten. Das Schlüsselwort war dabei immer die „Kapitaldeckung“, die ja anders funktioniert, als die vom kleinen Arbeitsminister propagierte Umlagerente. Dieses Versprechen konnten sie aber nicht halten. Sie mussten es brechen.

Das Problem waren und sind die Produkte: Früher gab es hauptsächlich die Kapitallebensversicherung. „Altersvorsorge“ war damit eigentlich nie richtig möglich. Denn bei diesem Produkt gibt es – wenn man nicht zwischenzeitlich gekündigt hat oder verstorben ist – zum Vertragsende genau eine Summe Geld. Auf einen Schlag. Ein Aufpeppen der Rente ist das aber nicht. Sicherlich ist es schön, wenn es geklappt hat, eine gute Summe anzusparen. Zu einer immerwährenden regelmäßigen Zahlung bis zum Tod führt so ein Vertrag aber nicht. Echte Altersvorsorge? Fehlanzeige.

Später haben dann die Vertriebe die klassischen Rententarife propagiert. Die sind von der Grundkonstruktion her schon mal eher als Altersvorsorge anzusehen. Es gibt am Schluss ja eine lebenslange Rente. Hier dann aber die große Schwierigkeit: Enorme Biometriekosten. Das heißt, die Kunden müssen auf einiges an Rente verzichten, weil die Versicherer mit überzogenen Lebenserwartungen kalkulieren. Und die Unternehmen können das auch immer wieder nachjustieren.

Weil nun aber die Kostenbelastung bei diesen Renten so hoch ist, spielen die anderen Kalkulationsgrundlagen eine immer geringere Rolle. Wenn schließlich ein Drittel der Beiträge nur dazu verwendet werden, einen Langlebigkeitspuffer aufzubauen, dann fehlt dieses Geld im gesamten Sparprozess. Da ist es dann schon fast egal, ob der Kunde drei, vier oder fünf Prozent an Verzinsung auf seinen Sparbeitrag bekommt. Je nachdem hat der Durchschnittskunde besonders viel oder eher weniger verloren. Dass er zu den Verlierern gehört, dafür sorgen die hohen Kosten.

Nachdem diese unrentablen Tarife nur über ein Jahrzehnt lang mit Hochdruck in den Markt gepresst wurden, merken mehr und mehr Kunden, dass sie eigentlich einen schlechten Vertrag abgeschlossen haben. Und sie stellen sich die Frage: Warum ist mein Vertrag so miserabel?

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

22.05.2014, 09:41 Uhr

Nicht so viel schwätzen: Rechnen Sie doch konkret etwas vor!

Account gelöscht!

22.05.2014, 10:18 Uhr

Man kann noch ein bißchen tiefer in die Materie einsteigen, aber das soll nun keinesfalls eine Kritik an Herrn Kleinlein sein.

Die Kapitallebensversicherung ist eigentlich auch nicht das, was der Name verspricht, sondern eine Art Doppelpack. Nämlich ein Sparplan plus Risikolebensversicherung. Beides könnte man ebensogut getrennt abschliessen. Mit dem Sparplan wäre man jedoch wahrscheinlich woanders, z.B. einer Bank oder einem Rentenfond besser aufgehoben. Dort sind hohe Abschlussgebühren unbekannt, und die Verfügbarkeit ist flexibler. Steuerliche Gesichtspunkte könnten jedoch letztendlich das Bild verschieben.

Die Risikoversicherung ist gemessen am Gesamtwert des Pakets billig zu haben, eher eine Dreingabe, die jedoch von den Versicherungen gerne nach vorn geschoben wird, um dahinter ihre Gebühren zu verstecken.

Die kapitalgedeckte Rentenversicherung ist auch ein unhandliches Doppelpack aus Ansparphase und Rentenphase. Was hindert einen daran, zunächst einen Sparplan aufzulegen bis zum Renteneintritt, und dann mit dem Auszahlungsbetrag eine Rentenversicherung mit Einmalbeitrag abzuschliessen? Dabei kann man sich sogar für beides den günstigsten Anbieter aussuchen oder seine Mittel auf zwei verteilen.

mondahu ist so verfahhren und hat sogar auf die Risikolebensversicherung verzichtet (die überglücklichen Erben bekämen ja eh' die Ansparsumme). Insgesamt war das der bei weitem vorteilhafteste deal.

Herr Kleinlein, übernehmen Sie das Wort.

Account gelöscht!

22.05.2014, 10:48 Uhr

Sehe ich auch so.
Ich hätte gerne mal einen Vergleich zwischen der günstigsten Kapitallebensversicherung am Markt, dem günstigstens Banksparplan am Markt und einen vom Risiko vergleichbaren Investmentfonds vorgerechnet. Dabei sollte man außerdem nicht vergessen, dass man bei einem Banksparplan zusätzlich dem Pleiterisiko der Bank ausgesetzt ist, das ich in unserer aktuellen Lage viel höher als das eines stabilen Lebensversicherers einschätze.

Alles schlecht zu reden ist leicht. Aber Herr Kleinlein beweist seine Aussagen nicht und zeigt auch keine konkrete Alternative (z.B. Banksparplan X von Bank Y).

Zur Rentenversicherung und Risikolebensversicherung gibt es keine Alternative. Die private Rentenversicherung ist wegen des sich zuspitzenden demographischen Problems unverzichtbar.

Außerdem unterstellt Herr Kleinlein der Lebensversicherungsbranche, dass ihr die Niedrigzinsphase gelegen käme. Das ist wirklich zynisch!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×