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27.11.2013

14:50 Uhr

Der Ver(un)sicherer

Ein Geheimnis und Selbstverständlichkeiten

VonAxel Kleinlein

Es scheint für „Insider“ in der Versicherungsbranche selbstverständlich zu sein, dass Beamte bestechlich sind. Und dass anscheinend ein Netzwerk der Gefälligkeiten innerhalb der Beamtenstrukturen besteht.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Ich gebe es zu, ich bekenne. Ich bin ein Verbraucherschützer, der sich eben der Sache der Verbraucher verschrieben hat. Wenn ich in meiner Funktion als Verbraucherschützer unterwegs bin, wenn ich als Verbraucherschützer Kolumnen schreibe oder in einer Podiumsdiskussion meine Meinung sage, dann tue ich das als Verbraucherlobbyist.

Als Vorstandssprecher des Bundes der Versicherten fühle ich mich meiner Aufgabe des Verbraucherschutzes verpflichtet und: Ich bin dabei nicht immer vollkommen objektiv! Besonders wenn ich Kolumnen schreibe.

Die Vorwürfe aus meiner Verbrauchernähe wiegen hart, besonders in Hinblick auf die Diskussion rund um das Debeka-Debakel: Da wird mir vorgeworfen, dass ich „populistisch“ argumentieren würde. Meine Worte seien „deftig“ und ich würde in einem „emotionalen Irrgarten“ die Fakten missachten. So die gnadenlose Bewertung in einem „Insidermagazin“, das sich besonders auch an „Führungskräfte der Assekuranz“ wendet.

Anstatt mit hohem Blutdruck ausschließlich gegen den vermeintlichen Populismus zu wettern, wäre es interessant zu wissen, wie denn dieses „Insidermagazin“ die skandalösen Vorgänge in der Beamtenschaft bewertet. Dazu aber kein Wort.

Es scheint für die „Insider“ also selbstverständlich zu sein, dass Beamte bestechlich sind, dass sich die Versicherungswirtschaft dieser bestechlichen Beamten bedient und dass anscheinend ein Netzwerk der Gefälligkeiten innerhalb der Beamtenstrukturen besteht.

Auch jenseits des „Insiderreports“ wird in einem wichtigen Fachmagazin der Versicherungswirtschaft gewettert. Hier ohne Namensnennung gegen einen „Verbraucherfunktionär“ der als Ver(un)sicherer nicht die Aufklärung, „sondern das Tribunal“ suchen würde.

Ich vermute, dass damit wohl meine Person gemeint sein soll. Und ich gebe zu, dass meine Kolumnen nicht den Anspruch haben mit „differenzierender journalistischer Distanz“ geschrieben zu sein. Im Deutsch-Leistungskurs habe ich schon als Abiturient gelernt, dass eine Kolumne zu den meinungsbildenden Schrifterzeugnissen gehört. Und nun das Geheimnis: Ich möchte in meiner Kolumne eine Meinung äußern und keine wissenschaftliche Abhandlung abliefern!

Kommentare (5)

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ExHBLeser

28.11.2013, 09:11 Uhr

Lieber Herr Kleinlein,
dass Sie vorgeben, die Interessen der Versicherten zu vertreten ist ja nichts Neues. Als Debeka-Versicherter fühle ich mich aber gerade von Ihnen nicht vertreten, und zwar noch nie. Ich verfolge gelegentlich Ihre Kolumne und wunderte mich früher darüber, wie ein ausgebildeter Versicherungsmathematiker so an den Fakten vorbei schreiben kann. Aber Sie haben ja heute zugegeben, dass es Ihnen nur um Meinungsmache geht. Das scheint dann wohl eben Ihr Geschäftsmodell bzw. das des Bundes der Versicherten zu sein. Nun, dafür habe ich natürlich Verständnis, denn jeder muss ja sehen, wo er bleibt. Dass in der Versicherungsbranche - wie vermutlich in jeder anderen Branche auch - Missstände vorkommen, ist, denke ich, nichts Überraschendes. Und dass Missstände angeprangert gehören selbstverständlich auch. Was mich in der Debatte um den angeblichen Debeka-"Skandal", der sich im Moment zu einem generellen Versicherer-"Skandal" auszuweiten scheint, stört, ist die Voreingenommenheit in bestimmten Zeitungen, insb. des Handelsblatts. Aber auch das ist ja einem Geschäftsmodell geschuldet, nicht wahr? Selbstverständlich gehört es aufgedeckt, wenn Beamte bestochen werden. Aber bevor man unreflektierte Vorverurteilungen rausposaunt, sollte man die zuständigen Stellen (BaFin, Staatsanwaltschaft, etc.) vielleicht erst mal ihren Job machen lassen und abwarten, was raus kommt. Es ist im Übrigen nichts Verwerfliches daran, neue Kunden zu werben und dafür eine Prämie zu bekommen, das geschieht bei Zeitungsabos im Übrigen genauso. Das System der Debeka und das anderer Versicherer, die sich auf bestimmte Zielgruppen fokussiert haben oder aus Ihnen hervor gegangen sind ist historisch gewachsen und im Ergebnis offenbar sehr erfolgreich, aber deswegen noch lange nicht anrüchig oder illegal. Dass dieses Thema genau in der Zeit der Koalitionsverhandlungen auftaucht, ist sicher auch keine Zufall. Ich würde gerne noch mehr schreiben, aber die Zeichen gehen aus... MfG Max Meier

Account gelöscht!

28.11.2013, 09:48 Uhr

wenn ein Beamter personenbezogene Daten an ein privates Unternehmen gibt und hier Geld erhält
ist das verwerflich ? überhaupt nicht, denn es tun
ja viele - und zum Vorteil des Unternehmens und natürlich auch zum Vorteil derer, deren Daten weitergegeben werden. Alles so einfach in Bananien ...

Merkur

28.11.2013, 10:02 Uhr

Ich kann mich noch gut an meine Zeit am Bankschalter erinnern, als es noch "Berater" gab und nicht nur "Verkäufer". Wie oft habe ich von Kunden, die im öffentlichen Dienst oder als Beamte arbeiteten, bei der Ansprache von der Anlage der vermögenswirksamen Leistungen (VL) gehört, dass ihr direktet Chef oder sogar noch ein darüber angeordneter Chef als Vermittler für das BHW oder die DEBEKA arbeitete und sie Repressalien im Job befürchten, wenn Sie Ihre VL nocht dort anlegen. Nicht selten kam es vor, dass nicht direkt der chef sondern seine Ehefrau ocer auch die Kinder offiziell als Vermittler auftragen; aber die erste Ansparache und auch die Einhilung der Unterschriften erfolgte immer durch dden Chef direkt.
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