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18.12.2013

13:29 Uhr

Der Ver(un)sicherer

Eine stabile Null

VonAxel Kleinlein

Stabilität gilt als Erfolgsnachweis. Nach dem Motto: „Stabiler Flugbetrieb auf neuem Berliner Flughafen.“ Die Versicherungswirtschaft beherrscht diesen Kniff hervorragend, wie ihre Zinsgutschriften zeigen.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Wer hätte das gedacht! Stabilität wohin man blickt! Sie glauben mir das nicht? Aber es stimmt! Sie müssen nur einen kleinen logischen Kniff anwenden, den Sie bei der Versicherungswirtschaft abgucken können.
Dort heißt es nämlich derzeit in den Pressemitteilungen, dass die Unternehmen glücklich seien, dass sie die Überschussbeteiligung „stabil“ halten könnten.

Zum Beispiel gewährt ein großer Deutscher Versicherer (mittlerweile im Run-Off) seinen Kunden noch eine laufende Überschussbeteiligung von 3,0 Prozent. Hinzu kämen Schlussüberschüsse bzw. die Beteiligung an den Bewertungsreserven.

Letztere Überschüsse will die Branche ja stark zusammenstreichen, sobald die Große Koalition (GroKo) da mitspielt. Sicher ist für die Kunden also nur das, was als laufende Überschussbeteiligung gegeben wird. Und die beträgt nun mal nur 3,0 Prozent.

Nebenbei erwähnt der Versicherer, dass der Garantiezins natürlich immer bedient wird, auch wenn dieser größer wäre als die laufende Überschussbeteiligung. Das heißt: Wer einen Garantiezins von drei Prozent oder mehr hat, der bekommt den Garantiezins und nichts zusätzlich aus der laufenden Überschussbeteiligung.

Wen das betrifft? Alle, die ihre Verträge vor 2007 abgeschlossen haben. Für den genannten Run-Off-Versicherer betrifft das etwa 93 Prozent aller Kunden (gemessen am Vertragsvolumen).

Man kann also zusammenfassen: Eine „stabile“ Überschussbeteiligung führt dazu, dass fast alle Kunden erst einmal keine Überschüsse bekommen. Zusätzlich müssen die Kunden die Daumen drücken, dass es als Schlussüberschüsse oder Bewertungsreserven noch was obendrauf gibt, solange die GroKo das nicht wegstreicht.

Kommentare (2)

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Mazi

18.12.2013, 14:45 Uhr

Herr Kleinert, Sie sind vom Fach. Können Sie bitte einmal § 56a Abs. 1 S. 2 VAG und die praktische Bedeutung für den Versicherungsnehmer auslegen?

Ich_habe_keine_Ahnung_von_Geld

19.12.2013, 14:49 Uhr

3% sind schon schlimm, wo es doch auf dem Tages- und Festgeld fast nix gibt.
Wieso erlaubt das Handelsblatt, dass so ein Unsinn geschrieben wird?

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