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29.01.2014

14:03 Uhr

Der Ver(un)sicherer

Eine unglückliche Allianz

VonAxel Kleinlein

Ohne sich noch zu lieben, sind sie ob ihrer Mutlosigkeit aufeinander angewiesen: die Politik und die Lebensversicherer. Die große Frage ist: Wer von beiden wird als erstes als Verlierer gebrandmarkt?

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Vorab: Nein, diese Kolumne beschäftigt sich nicht mit dem Versicherungsunternehmen namens Allianz. Der Vollständigkeit halber sei aber als Ergänzung der letzten Kolumne erwähnt, dass bei dem Verfahren vor dem OLG in Stuttgart die Verbraucher(schützer) gewonnen haben.

Die Allianz, um die es hier eigentlich geht, ist ein schwerwiegendes Bündnis. Ich meine die enge Zusammenarbeit zwischen Politik und Versicherungswirtschaft. Eine Zusammenarbeit, eine Allianz, die keines Bündnisvertrags bedarf. Sondern eben ein Zusammenschluss auf Grund vermeintlich gleicher politischer Interessen. Hauptsächlich initiiert durch die rot-grüne Regierung unter Schröder, aber seitdem stets von allen anderen Bundesregierungen fortgesetzt.

Es war ein großes Ziel der Politik vor etwa 15 Jahren, die gesetzliche Rente „demographiefest“ zu machen. Deshalb hatten die Politiker im Rahmen der „Agenda 2010“ beschlossen, die gesetzliche Rente zu schmälern beziehungsweise (was grundsätzlich auf das gleiche herausläuft) den regulären Renteneintritt auf ein späteres Alter zu verschieben. Die „Rente mit 67“ ward geboren! Um dieses Konzept den Bürgern schmackhafter zu machen, erfand dann Herr Riester die staatliche geförderte Rente, die „Riester-Rente“.

Damit war die „Riester-Rente“ entscheidend für den Erfolg dieser politischen Agenda. Und diese kapitalgedeckte zusätzliche Altersvorsorge funktioniert natürlich nur dann, wenn es auch Unternehmen gibt, die solche Renten anbieten. Der Erfolg des Umbaus der gesetzlichen Rente war auf einmal auf Gedeih und Verderb davon abhängig, dass die Versicherungsunternehmen (und andere Finanzdienstleister) ihre „Riester-Renten“ auch anbieten.

Die Versicherungswirtschaft musste sich also entscheiden, ob sie mitspielen möchte. Und es gab ja auch immer größere Probleme mit den Standardprodukten wie der Kapitallebensversicherung (dabei tragen vielleicht auch die Verbraucherschützer eine Mitschuld). Für die Lebensversicherer gab es also eine Notwendigkeit, mit einem neuen Konzept eine Zukunftsperspektive für die Lebensversicherer zu erarbeiten. Da kam das Angebot der Politik nur recht.

So entstand diese unglückliche Allianz zwischen Politik und Versicherungswirtschaft. Ein Ausscheren von einem der Partner ist heute kaum vorstellbar.

Kommentare (2)

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Fredolin

29.01.2014, 15:07 Uhr

Bei der Lottowerbung hörte man hin und wieder etwas von einer garantierten Mindestausschüttung / Mindest-Ausschüttungsquote. Könnte etwas Vergleichbares bei Rentenversicherungen ein Mittel sein, Transparenz und Wettbewerb zu erhöhen?

Mazi

04.02.2014, 13:42 Uhr

"Die Politik müsste womöglich zugeben, dass sie keine Ideen hat, wie die Rentenlücke gefüllt werden kann, die durch die Rentenreform gerissen wurde."

Das ist aber eine falsche Wortwahl, wenn Sie von "keine Ideen" sprechen. Das heißt neudeutsch: "alternativlos".

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