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13.08.2014

16:03 Uhr

Der Ver(un)sicherer

Faszination Lebensversicherung

VonAxel Kleinlein

Die Lebensversicherung ist für Mathematiker der Inbegriff von Schönheit. Komplex in der Umsetzung, vereint sie Interessen der Versicherten mit denen des Kollektivs. Traurig, dass einer ihrer Ziehväter nun verstorben ist.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Es ist faszinierend, das deutsche System der Lebensversicherung. Besonders für einen Mathematiker kann es in seiner reinen Form geradezu Schönheit darstellen. Die Grundidee basiert auf einem formidablen Ausgleich zwischen den Interessen des Kollektivs und den Ansprüchen der einzelnen Versicherungsnehmer. Dies gepaart mit einem hohen Maß an Gewissheit, dass die abgesicherten Risiken auch tatsächlich abgesichert sind. Und nebenbei springt über die Garantieverzinsung auch noch eine Anlagesicherheit auf den Sparanteil heraus. In dieser reinen Form vermag das vermutlich kein anderes Finanzprodukt.

Diese klassischen Produkte stellen sich uns nun in unterschiedlichen Formen dar, etwa als Kapitallebensversicherung oder im Rahmen verschiedener Formen der Rentenversicherung. Vergessen wir vorübergehend einmal, dass es sich hier nur um Nischenprodukte handelt und keine Angebote von der Stange. Vergessen wir, dass die Produkte für die meisten Verbraucher nicht passen, weil nur wenige können die Verträge bis zum Ende durchhalten. Nur bei wenigen passen diese Tarife in die Lebensplanung. In der Realität sind die einkalkulierten Kosten zu hoch oder überzogene Kalkulationsgrundlagen vernichten die Chance auf Rentabilität.

Lässt man diese Kritik erst einmal außer Acht und betrachtet nur die Grundidee der Versicherung, dann offenbart sich mehr als nur irgendein Anlageprodukt. Wer üblicherweise Kapital anlegen möchte, der tut dies alleine. Er (oder sie) legt das Geld an, das Geld wird investiert und soll möglichst Rendite abwerfen. Je nachdem „worin“ man anlegt, gibt es entweder besonders viel an Rendite, eher wenig Gewinn, man kann unter Umständen Verlust machen oder aber das Geld ist vollständig verloren. In allen Fällen muss man alleine dafür gerade stehen. Zwar kann man über Fonds versuchen, Skalierungsvorteile zu erzielen, unterm Strich bleibt es aber dabei: Der Kapitalanleger legt für sich alleine an.

Bei der Lebensversicherung ist das anders. Da gibt es zwar auch eine Kapitalanlage, aber die ist kollektiv. Es gibt nicht die einzelne Aktie oder Immobilie, die dem Einzelvertrag zugeordnet werden kann. Es gibt die gesamte Kapitalanlage und deren Erträge sollen (zumindest in der Theorie) vollständig auch den Versicherungsnehmern zu Gute kommen.

Um dieses System der Lebensversicherung zu verwirklichen, bedarf es einer kniffligen mathematischen und auch bürokratischen Umsetzung. Es erfordert viele Mathematiker, um die Lebensversicherung zum Laufen zu bringen. Mittels Sterbetafeln müssen sie die versicherten Risiken kalkulieren, die Garantieverzinsung muss sich auch in der Vertragsführung niederschlagen und die Kosten wollen festgelegt werden, um dann nebenbei auch Vertrieb und Provisionen in den Griff zu bekommen. Und zu guter Letzt müssen die Überschüsse verteilt werden.

Kommentare (2)

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Herr Holger Narrog

13.08.2014, 18:29 Uhr

Ich habe einige Länder beruflich kennengelernt und lebe nicht in D. In den arabischen Ländern gelten Versicherungen als unislamisch und werden abgelehnt. So sind beispielsweise die wenigsten Autos in Ägypten versichert. Der Hintergrund ist dass das Versicherungsprinzip darin besteht, dass man reales Geld einzahlt und dafür ein Versprechen für die ferne Zukunft erhält. Die Araber vertrauen ihren Mitmenschen in der Regel nicht so sehr, dass sie ihre Mitmenschen derart in Versuchung führen.

Das reale Wunder der Lebensversicherung ist, dass die Versicherer ihr Leistungsversprechen über Jahrzehnte hin soweit möglich eingehalten haben. Dies unterscheidet diese vom D Staat und den Politikern die beispielsweise die Konditionen der Staatsrente regelmässig nach Belieben zugunsten ihrer Klientel anpassen, oder das Geld durch massive Geldschöpfung entwerten.

Die Kritik des Autors der die Kosten des Systems beklagt kann ich dagegen nicht nachvollziehen. Dass Herr Kaiser nicht umsonst arbeitet sollte jedem normalem Menschen bewusst sein. Im Verhältnis zur staatlichen Rentenversicherung die Renten nach Belieben an Klientelgruppen gibt, sind die Kosten der Lebensversicherung erträglich.

Herr Manfred Zimmer

14.08.2014, 08:46 Uhr

"Traurig, dass einer ihrer Ziehväter nun verstorben ist."

Korrekt heißt es: Traurig, dass einer ihrer Ziehväter in jungen Jahren nun verstorben ist.

Man sollte nicht scherzen, aber der Fall belegt eindrucksvoll, dass auf die Statistik kein Verlass ist.

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