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14.05.2014

13:52 Uhr

Der Ver(un)sicherer

Liebe Lobbyisten, arbeitet transparent!

VonAxel Kleinlein

GDV und BdV wollen wahlweise Versicherungswirtschaft und Verbraucher stärken. So transparent, so legitim. Schwierig wird es, wenn Versicherer eigene Repräsentanzen unterhalten. Denn die finden sich in keinem Verzeichnis.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Sehr geehrter Herr Dr. Schwark, liebe Lobbyisten, Interessensvertreter und Hofschranzen der Versicherungswirtschaft,
wenn Sie sich für die Interessen der Versicherungswirtschaft stark machen, dann geraten wir immer wieder aneinander. Nicht zwingend, aber je nach Thema mal häufiger und intensiver. Bei Sachversicherungsthemen kracht es eher selten. Auch wenn es um die Private Krankenversicherung geht, gibt es derzeit wenig Reibereien (was auch der Regierung geschuldet ist, die sich um die Belange der Privatversicherten derzeit recht wenig schert).
Geht es aber um Lebensversicherungen, geht es oft zur Sache. Egal ob ich zum Beispiel mit Ihnen, Herr Dr. Schwark (in Ihrer Funktion als Geschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft GDV) rede oder mit einem Versicherungsvorstand auf dem Podium diskutiere (wie etwa bei der Kolumne vom 09.04.2014.). Dabei dreht sich die Diskussion meist um Themen, die besonders kontrovers sind, das heißt, dass es um besonders viel Geld geht.
In solchen Gesprächen machen wir uns dann jeder für seine Sache stark. Sie, Herr Schwark, versuchen die Versicherungswirtschaft möglichst gut dastehen zu lassen. Und ich versuche die Position der Verbraucher zu stärken. Manchmal läuft das gemeinsam, meistens aber kontrovers. Verbraucherschutz und die Interessensvertretung der Versicherungsindustrie laufen halt nicht immer im Gleichklang.
Ich habe es auch schon erlebt, dass wir in den Vorräumen des Parlaments diskutiert haben. Und wie heißen diese Räumlichkeiten zum Beispiel in London in den „Houses of Parliament“? Lobby! Und da kommt auch der Begriff her, für das was wir tun, wenn wir mit solchen Gesprächen die Politiker beeinflussen wollen: Lobbying!
Wir sind also Lobbyisten, egal, ob wir das schön finden oder nicht. Wir haben zwar in Deutschland kein Verzeichnis aller Lobby-Organisationen (da sträuben sich die Politiker noch, eine solche Liste zu erstellen). Aber es gibt immerhin ein offizielles Verzeichnis der einschlägigen Verbände. Und dort findet sich sowohl der GDV als auch der Bund der Versicherten, der BdV.

Eingezwängt zwischen dem „Bund der Theatergemeinden“ und dem „Bund der Vertriebenen“ findet man uns, den BdV. Zwischen dem „Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie“ und dem „Gesamtverband der Ehe- und Partnervermittlungen“ ist der GDV offiziell verzeichnet. Damit sind wir offizielle Verbände, die mit bundespolitischem Anspruch ihre Interessen vertreten wollen, Lobbyverbände eben.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

14.05.2014, 14:27 Uhr

Guter Ansatz!

die Versicherungswirtschaft sollte offen legen, z.B. an welchen Politiker sie wieviel Geld "abdrückt". Nicht nur die Spenden an die Parteien sind wichtig, sondern auch die "Spenden" an die jeweiligen Abgeordneten.

Zu diesen Spenden gehören auch Vortragshonorare, Herr Steinbrück.

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