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29.10.2014

15:07 Uhr

Der Ver(un)sicherer

Mit der Zahnbürste zur Altersvorsorge?

VonAxel Kleinlein

Das Jahresende naht und der Schlussverkauf für Lebensversicherungen tritt in die heiße Phase. Doch Vorsicht: So manche Bank, allen voran die Berliner Sparkasse, tarnt ihren Vorstoß – und appelliert ans Zähneputzen.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Es sind ja nicht nur die Versicherungsunternehmen, die sich mit Bravour mit unverständlicher Werbung um die Kunden bemühen. Auch Banken dilettieren zuweilen beim Versuch, die Verbraucher einzufangen. Wenn es dann auch noch darum geht, einen Jahresschlussverkauf für Versicherungen zu bewerben, dann gibt es kein Halten mehr.
Die Berliner Sparkasse macht es vor: In einem Schreiben an die Kunden mit dem vielsagenden Betreff: „Nichts verschieben, nichts verschenken“. Hervorgehoben findet sich auch zu Beginn des Schreibens der Vermerk, dass man sich doch „bis 31.12.2014 einen Garantiezins von 1,75 % sichern“ sollte. Als Versicherungsexperte weiß ich, dass die damit auf Versicherungen abzielen. Klar ist das aber noch nicht. Und für normale Verbraucher zuerst recht unverständlich.

Neugierig lese ich das Schreiben: „Sehr geehrter Herr X, Vorsorge ist ungefähr so spannend wie Zähneputzen. Und deshalb schieben viele das Thema lange vor sich her. Sie auch?“ Schon diese wenigen dürren Worte lassen mich mit einem großen Fragezeichen stehen. Will mir die Sparkasse unterstellen, dass ich das Thema Zähneputzen lange vor mich herschieben würde?

Zugegeben, ich habe Angst vor dem Zahnarzt und habe manchmal einen Routinecheck vor mir hergeschoben. Aber Zähneputzen ist trotzdem ein regelmäßiges Thema für mich. Oder wollen die mir unterstellen, ich würde die „Vorsorge“ vor mich herschieben? Aber was meinen die mit „Vorsorge“? Krebsvorsorge, Kariesprophylaxe, oder Riestern?

Dieses missverständliche Wort „Vorsorge“ wird dann im zweiten Absatz klarer. Nachdem ich erst einmal gefragt werde, ob ich wüsste, wie viel ich verschenken würde, wenn ich die private Vorsorge aufschiebe, erklärt mir die Sparkasse: „Schon ein um wenige Jahre späterer Beginn reduziert ihre zusätzliche Rente erheblich.“ Aha! Meine ursprüngliche Vermutung, dass es um Altersvorsorge geht, ist endlich bestätigt. Es geht also um Rente.

Im nächsten Absatz kommt nun der Überzeugungsknaller, der mich mit dem Aufruf zur sofortigem Handeln zur privaten Vorsorge treiben soll: „Fest steht: Die gesetzliche Rente wird im Alter nicht reichen und das Rentenniveau sinkt weiter.“

Kommentare (1)

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G. Nampf

29.10.2014, 15:48 Uhr

Herr Kleinlein, danke für den herrlichen Artikel! Aber Sie haben sich mit Ihren Gedanken zu der Werbung der Berliner Sparkasse zuviel Mühe gemacht.

Bei mir wandert Werbung von Banken/Versicherungen /Bausparkassen mittlerweile ungelesen in den Müll, denn mein Geld verbrenne ich lieber ohne fremde Hilfe.

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