Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.08.2014

16:46 Uhr

Der Ver(un)sicherer

Negative Kosten? Geschenkt!

VonAxel Kleinlein

Mehr Durchblick bei der Altersvorsorge – das hätte die Bundesregierung gern. Schon bald sollen Versicherer ausweisen, wie teuer ihre Produkte sind. Doch wie die Kostenziffer jetzt definiert ist, ergibt sie keinen Sinn.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Das ist schon eine tolle Sache, dass zukünftig die Kosten bei Lebens- und Rentenversicherungen offen gelegt werden sollen. Jeder Kunde soll genau erkennen können, wie stark sein Vertrag unter den Kosten zu leiden hat. Streng nach der Devise: Ist der ausgewiesene Wert hoch, ist das Angebot teuer, ist der Wert niedrig, ist das Angebot preiswert.

Die Kostenbelastung soll nach dem Willen der Regierung zukünftig mittels der „Effektivkosten“ den Kunden mitgeteilt werden. Diese sollen die Renditeminderung beschreiben, die der Kunde auf Grund aller in den Vertrag einkalkulierten Kosten durchschnittlich pro Jahr hinnehmen müsste, würde er über den gesamten Vertragszeitraum den Vertrag ohne irgendwelche Beitragsänderungen bedienen. Diese „Effektivkosten“ teilt ein Versicherungsunternehmen zukünftig den potentiellen Kunden in einem Produktinformationsblatt mit. Der Kunde soll dann ganz einfach einschätzen können, ob das Angebot preiswert oder teuer ist.

Teuer heißt ja landläufig bei einer Lebens- oder Rentenversicherung, dass das Unternehmen besonders viel Geld einbehält und nicht für den Vertrag des Kunden verwendet. Gehen die Kosten gegen Null, dann zwackt das Unternehmen nur sehr wenig Geld ab, und fast alles vom Beitrag fließt ins Sparen. Würden die Kosten sogar ganz auf „Null“ sinken, dann fließt alles in den Sparprozess – möchte man meinen.

Bei den neuen „Effektivkosten“ wird es aber noch doller. Denn hier können die Kosten sogar negativ werden. Das würde nach der intuitiven Interpretation also dann bedeuten: Es fließt nicht nur alles Geld des Kunden in den Sparprozess, sondern der Versicherer zahlt sogar noch etwas obendrauf. Wenn also negative Kosten ausgewiesen werden, dann würde man erwarten, dass einem das Versicherungsunternehmen regelmäßig Geld schenkt.

Jetzt wird natürlich jeder sagen, dass das Quatsch ist, über so etwas zu schreiben. Denn wo hat man denn schon mal von einem Versicherer gehört, der Geld verschenkt. Das dürfen Versicherer nämlich auch gar nicht. Trotzdem wird es zukünftig solche negativen Kostenausweise geben. Das liegt nicht daran, dass die Versicherer Geld verschenken, sondern an der speziellen Berechnung der „Effektivkosten“.

Anhand eines Beispiels wird es vielleicht deutlicher. Nehmen wir an, man könnte im Moment fünf Prozent Zinsen am Kapitalmarkt erwirtschaften. Jetzt fragen Sie den Versicherer, welche Ablaufleistung Sie als Kunde erwarten können, wenn der Versicherer sein Geld mit diesen fünf Prozent anlegen würde. Jetzt nehmen wir mal an, die Summe die Ihnen der Versicherer nennt, ist genau so hoch, als wenn sie Ihre Beiträge die ganze Vertragszeit über mit vier Prozent anlegen würden.

Dann bekommen Sie über Ihren Vertrag nur vier Prozent, obgleich eigentlich fünf Prozent drin wären. Die Differenz zwischen beiden Werten sind nun die Effektivkosten. Die Effektivkosten des Vertrages betragen also in diesem Beispiel genau ein Prozent. Sie  beschreiben also die Renditeminderung genau unter der Annahme einer kostenfreien Verzinsung von fünf Prozent.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×