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06.08.2014

15:52 Uhr

Der Ver(un)sicherer

Untergang voraus!

VonAxel Kleinlein

Problem erkannt, Problem gelöst: Im Handumdrehen half die Regierung den klammen Lebensversicherern aus der Patsche. Angesichts dieser neuen Eile: Warum beschäftigt sich Berlin eigentlich noch nicht mit der Apokalypse?

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Die Erde wird verbrennen. Erst wird sie zu einem kargen unwirtlichen Planeten, der der heutigen Venus gleicht, dann wird aller Wasserstoff verbrannt sein. Die Sonne wird zu einem roten Riesen und wird schließlich sogar Merkur verschlucken. Und diese Katastrophen beginnen schon in den nächsten 3,5 Milliarden Jahren! Würde Deutschland jedes Jahr 600 Euro seiner Schulden abzahlen, wären etwa dann die Staatsschulden getilgt. Lange ist es also nicht mehr hin.
Und was tun wir? Wie bereiten wir uns heute auf diese Apokalypse vor? Wir sind uns dieser Gefahr nicht bewusst. Besonders in den Sommertagen, wenn wir uns am Strand räkeln, erleben wir die Sonne als scheinbaren Freund. Aber der Schein trügt, die Sonne macht sich schon bereit, das Leben auf der Erde zu zerstören.
Auf viele Gefahren machen uns die Versicherer aufmerksam. Vor den großen, noch etwas entfernteren Katastrophen warnen uns die Rückversicherer. Doch das finale Ende ist selbst bei der Münchner Rück und den anderen großen Rückversicherern noch kein Thema.

Aber unsere Regierung zeigt uns ja, dass man auch ganz anders mit Gefahren umgehen kann. Ist das Problem erkannt, dann gilt es immer außerordentlich schnell zu handeln. Zum Beispiel bei den Lebensversicherern: Wir befinden uns ja schon seit ein paar Jahren in einer Niedrigzinsphase. Auch haben wir seit 2008 „Finanzmarktkrise“. Die letzten sechs Jahre ging alles noch recht gut, aber dann kam der 26. Mai 2014 und alles war anders. Quasi über Nacht ward ein Gesetz verabschiedet, dass den Versicherern im Handumdrehen aus der Patsche half: die Lebensversicherungsreform.

Denn endlich hatte die Regierung erkannt, dass ein paar Lebensversicherer schon in knapp zehn Jahren Probleme mit der Erwirtschaftung des Garantiezinses bekommen könnten! Nämlich dann, wenn die Finanzmarktkrise und die Niedrigzinsphase anhalten würden, die Lebensversicherungsunternehmen es jedoch versäumen, über die nächsten neun Jahre Reserven zu bilden und wenn zusätzlich womöglich künftig weniger Kunden ihre Policen kündigen als bisher. Die Folge wäre, dass dann womöglich die bei diesen Unternehmen geführten Verträge in die Auffanggesellschaft überführt werden müssten.

Auch mir läuft es bei dem Gedanken an diese Krise eiskalt den Rücken herunter. Einer derart konkreten Gefahr für die Grundfesten unserer Gesellschaft mussten wir selten entgegenblicken. Ein Glück, dass die Regierung dann auch konsequent und deutlich gehandelt hat.

Kommentare (1)

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Herr Manfred Zimmer

06.08.2014, 16:19 Uhr

Herr Kleinein, wie kommen Sie zu der Vermutung, dass die Versicherer klamm sein können?

Versicherer legen das Geld ihrer Kunden im Immobilien-, Aktien- und Rentenmarkt an. Alle Märkte sind auf Top-Niveau. Wo soll da die bedrohliche Lage herkommen?

Ich kann es mir erklären. Die Not kommt aus deren Rechnungswesen. Es ist antiquiert, angestaubt, überhaupt nicht auskunftsfähig und Frau König ist als alte Buchhalterin einer Versicherung immer noch auf diesem Niveau stehen geblieben. Wer nach dem Imparitätsprinzip bilanziert kann keine wahre Auskunft über den Laden geben.

Das Imparitätsprinzip wurde von steuerlichen Gedanken getragen und wird heute nicht einmal von den Steuerbehörden durchgängig anerkannt.

Das Problem der Versicherer leigt also primär in deren angestaubtem Rechnungswesen, dass sich jedoch sehr gut eignet die Kunden über den Tisch zu ziehen. Dann kommen noch die Sachen dazu, in denen Sie sich als Versicherungsmathematiker voll auskennen.

Ich bin sehr gespannt, ob der Bundespräsident das Lebensversicherungsreformgesetz unterschreibt und damit erstmals ein Gesetz freigibt, dass eine Enteignung vorsieht aber keine Entschädigungsklausel enthält. Es wäre ein Dammbruch, der Gelüste weckt!

Es wäre der Anfang vom großen "Abschlachten".

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