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23.07.2014

15:43 Uhr

Der Ver(un)sicherer

Verkehrte Welt bei der Altersvorsorge

VonAxel Kleinlein

Unabhängig sein vom Staat, vom Kapitalmarkt profitieren: Es waren die Argumente für die private Altersvorsorge. Doch ist es eine Mär zu glauben, es gäbe einen Kapitalmarkt losgelöst vom Staat. Bürger kann nur verlieren.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Einst gab es einen Konsens zwischen Bürger und Staat. Die Vereinbarung war einfach: Der Bürger zahlte Steuern und Abgaben und der Staat kümmerte sich um seine Bürger. Er sorgte für Sicherheit, für Infrastruktur und auch für die Versorgung im Alter. Nicht unbedingt immer mit dem gewohnten Lebensstandard, aber dennoch gut genug, so dass es kein großes Klagen gab. Die Bürger konnten verstehen, dass Steuern und Abgaben steigen und zusätzlich womöglich auch die Renten nicht so üppig waren, wenn es dem Staat nicht so gut geht. Umgekehrt gab es immer die Hoffnung, dass die Leistungen steigen und Steuern und Abgaben sinken, wenn der Staat floriert. Es bestand Vertrauen auf diese Wechselwirkung.

Dann kamen andere Zeiten und andere Ideen. So ergab es sich, dass einzelne Menschen Zweifel an dem Konsens säten. Der Neoliberalismus stellte das Vertrauen in Frage und proklamierte, dass dieses System falsch sei. Man müsse dem Staat mehr und mehr seine Aufgaben entziehen und diese dann in private Hände legen. Besonders bei der Altersvorsorge wäre dies wichtig. Denn der freie Kapitalmarkt wäre viel besser und effizienter, wenn es um die Altersvorsorge geht.

Und so ergab es sich, dass mehr und mehr Menschen diesen Glauben teilten: Die Kapitalmärkte sollten das richten, was der Staat nicht zu lösen vermochte. Die Kräfte des Marktes würden ja so gut wirken, dass man sich in Sachen Altersvorsorge zu einem wichtigen Teil endlich vom Staat emanzipieren könne. Das, was die Altersvorsorge jenseits der grundlegenden Sicherung ausmache, solle zukünftig unabhängig vom Staat angelegt, angespart und erwirtschaftete werden.

Und so führten diese Ideen zu einer Stärkung der kapitalgedeckten Altersvorsorge. Es wurden alle Bürger angehalten, private Vorsorge zu treffen. Ein Volk von Kapitalanlegern wurde erträumt, ein Volk von glücklichen Menschen, die ungeachtet der Eingriffe des bösen Staates ihre Altersvorsorge in eigene Hände nehmen. Ein Volk, das sich der Knute der staatlichen Gängelung entzieht, den Politikern die kalte Schulter zeigt und sich auf die Stärke und die Effizienz der Kapitalmärkte stützt.

Und so geschah es dann auch. Es wurde ein neues System geschaffen, durch das zumindest ein Teil der Altersvorsorge unabdingbar über die Kapitaldeckung laufen soll: Die Riester-Rente! Der Weg schien bereitet, sich frei zu fühlen, frei vom Staat und frei von den bösen Taten gemeiner ArbeitsministerInnen und FinanzministerInnen!

Kommentare (9)

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Herr Nicht - Dumm

23.07.2014, 15:55 Uhr

Nehmt doch endlich dieses gräßliche Portrait aus dem Layout, denn es sieht aus, als wenn einem Vampir das Blut über die Mundwinkel tropft.

Herr Peter Dirnberger

23.07.2014, 16:04 Uhr

Die Rente ist sicher, hat der Blümel gesagt. Recht hatte er,
wenn auch nicht mit der Höhe.
Der Rest waren alle Lügner.

Herr Manfred Zimmer

23.07.2014, 17:07 Uhr

Auf was wollen Sie hinaus, Herr Kleinlein?

Der Staat ist kein Vertragspartner! Ist das Ihre Aussage?

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